Während der kommenden Wintersession der eidgenössischen Räte werden Nordwestschweizer Wirtschaftsvertreter gespannt nach Bern blicken: Unter dem Titel «Totalrevision des Forschungs- und Innovationsförderungsgesetzes (FIFG)» wird das Parlament die Rahmenbedingungen für einen Schweizer Innovationspark abstecken. Die Kantone Baselland und Basel-Stadt haben zusammen mit der Handelskammer beider Basel (HKBB) vor einem Jahr den Verein «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» gegründet, der ein Konzept für einen hiesigen Innovationspark erarbeitet und in Bundesbern lobbyiert.

Was ist ein Innovationspark?

Der Elfenbeinturm stösst mit der Werkstatt zusammen und man schaut, was dabei Neues entsteht: Auf einer Art Campus vereint man Aktivitäten der akademischen Forschung (Uni), der angewandten Forschung (Fachhochschule) und der Produktentwicklung - oft junge, innovative Unternehmen. Aber auch Forschungs- und Entwicklungsabteilungen nationaler und internationaler Firmen sollen sich ansiedeln. Ein Innovationspark biete «idealerweise» nicht nur Raum für Forschung und Produktion, sondern auch für Wohnen und Freizeit, heisst es in einem Nordwestschweizer Grundsatzpapier.

Woher kommt die Idee eines Schweizer Innovationspark?

Der frei werdende Militärflugplatz Dübendorf beflügelte die Fantasie des Zürcher Unternehmers und Nationalrats Ruedi Noser (FDP), auf dieser Fläche nach ausländischen Vorbildern auch in der Schweiz einen Innovationspark zu etablieren. Anschliessend meldeten sich andere Kantone, die ebenfalls Standort des Innovationsparks werden wollen. Neben Dübendorf sind Biel BE und Turtmann VS bereits mit Machbarkeitsstudien vorgeprescht. Der Bund favorisiert eine Lösung im Sinne einiger weniger, vernetzter und sich gegenseitig ergänzender Standorte.

Wie will der Bund Innovationsparks fördern?

Im derzeit debattierten Gesetz ist vorgesehen, dass der Bund geeignete Grundstücke in Bundesbesitz in einen Innovationspark einbringt, sei es durch Verkauf oder im Baurecht. Dies stellt eine Hürde für einen Standort Nordwestschweiz dar, da hier solche Flächen fehlen. Die HKBB setzt sich deshalb mit Erfolg dafür ein, dass man nicht nur Bundesgrundstücke, sondern auch zinslose Darlehen als Fördermöglichkeit ins Gesetz schreibt.

Mit welchen Argumenten will die Nordwestschweiz Innovationspark-Standort werden?

Die Gründe für einen Innovationspark in der Nordwestschweiz könnte man mit «zwar keine (Bundes-)Fläche, dafür viel Hirn» zusammenfassen. Deborah Strub von der HKBB weist als Geschäftsführerin des Vereins «Schweizer Innovationspark Region Nordwestschweiz» darauf hin, dass die Region Basel - die zweitstärkste Wirtschaftsregion der Schweiz - mit Universität, Fachhochschule, dem ETH-Departement für Biosysteme und den Forschungsabteilungen der grossen Life-Science-Unternehmen viel Kompetenz vereint. Denkbar wäre auch, statt sich in der Fläche auszudehnen, in die Höhe zu bauen, gibt Vereinspräsident René Rhinow zu bedenken. Allerdings soll auch in der Nordwestschweiz der Innovationspark «ein physischer Ort» und nicht nur ein Netzwerk werden: «Die Menschen sollen sich begegnen.» Flächen für einen «richtig dimensionierten Park» seien vorhanden.

Ist die politische Zersplitterung der Nordwestschweiz ein Nachteil beim Tauziehen um einen Innovationspark-Standort?

Für einmal spielt das Spannungsfeld Baselland/Basel-Stadt keine Rolle: «Das Thema Innovationspark ist ein Paradebeispiel für gute Zusammenarbeit», betont Strub. Im ganzen Prozess sei es bisher zu keinen Animositäten - etwa bezüglich eines möglichen Standorts - gekommen. Dass der Basler Bildungsdirektor Christoph Eymann den Innovationspark im Fricktal ansiedeln will, falls das Baselbiet aus der Unifinanzierung aussteigt, soll die Atmosphäre nicht trüben: «Wir arbeiten auf der Ebene der Volkswirtschaftsdirektoren, Eymann ist für Bildung zuständig», betont Rhinow. In der Tat scheint sich national die Konferenz Kantonaler Volkswirtschaftsdirektoren - der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Peter Zwick sitzt in deren Vorstand - verstärkt einzuschalten. Im Januar plane sie zum Thema Innovationspark eine Arbeitssitzung, teilt Zwick-Sprecher Rolf Wirz mit.

«Wir stehen im Gespräch mit den Kantonen Aargau, Solothurn und Jura», erweitert zudem Strub den politischen Perimeter. Zwar verfolge der Aargau im Umfeld des Paul-Scherrer-Instituts ein eigenes Projekt. Doch für die politische Durchschlagskraft in Bern seien die gegenseitige Information und Vernetzung wichtig.

Wie sieht das Konzept für einen Standort Nordwestschweiz aus?

Da sich die Beschlüsse auf nationaler Ebene verzögert haben, liegt auch noch kein Konzept für die Nordwestschweiz vor. Strub berichtet, man habe in Interviews mit rund 30 Meinungsführern aus der Industrie und den Hochschulen sowie in Workshops den regionalen Bedarf abgeklärt. Sobald das FIFG beschlossen sei, werde man versuchen, diese regionalen Bedürfnisse «in die Vorgaben aus Bundesbern zu giessen». Life Sciences werde sicher ein inhaltlicher Schwerpunkt, doch wolle man das Themenfeld nicht einengen.

Bis Mitte 2013 soll dann ein Konzept bezüglich Inhalten, Standort, Trägerschaft und der öffentlich-privat gemischten Finanzierung vorliegen. «Ziel ist, in Bundesbern auf Augenhöhe mit Konkurrenzprojekten wie Dübendorf wahrgenommen zu werden», erklärt Strub. Dieses könne mit dem Vorteil antreten, dass der Bund Studien zum Schweizer Innovationspark am Beispiel Dübendorf durchführen lasse.