Es war die vielleicht giftigste Auseinandersetzung um das Allschwiler Einwohnerratspräsidium seit der Gründung des Rates im Jahr 1972. Wie jedes Jahr vor den Sommerferien sollte der 1. Vizepräsident zum Präsidenten gewählt werden, Florian Spiegel (SVP) also sollte auf Markus Gruber (FDP) folgen. Doch auf Grubers rhetorische Frage nach Kandidaturen antwortete Ursula Krieger (AVP) «Christoph Ruckstuhl». Letzterer gehört der EVP an.

Ende 2018 spaltete sich im Streit um Mandatsabgaben die Allschwiler Volkspartei (AVP) von der Allschwiler SVP ab. Der 30-jährige Florian Spiegel ist einer, der für die SVP an der Front steht. Sieben Jahre war er zudem Fraktionschef im Ortsparlament. Zudem präsidiert er die Geschäftsprüfungskommission. René Imhof, ehemaliger Präsident der SVP Allschwil-Schönenbuch und heutiger AVP-Chef, sieht in Spiegel jedoch nicht den geeigneten Einwohnerratspräsidenten, sondern vielmehr einen Karrieristen. «Für ihn gibt es links und rechts von ihm nichts», urteilt Imhof, «für ihn zählt einzig sein eigenes Vorwärtskommen.» Er habe nicht damit gerechnet, dass es einen Sturm der Entrüstung auslösen sollte, Christoph Ruckstuhl vorzuschlagen.

«Eine der bittersten Stunden»

Die SP-Fraktion zeigte sich «schockiert», wie Etienne Winter betonte. Er sprach von einer der bittersten Stunden des Einwohnerrats. Noch immer habe man sich auf das Agreement gestützt, der Vize-Präsident werde neuer Präsident. Er machte «persönliche Grabenkämpfe» aus. Jean-Jacques Winter sprach von einer Abrechnung zwischen zwei Interessengruppen auf Kosten eines wertvollen Mitglieds. «Das ist schweinebackefaul von euch.» Ueli Keller (Grüne) bezeichnete das Verhalten der AVP als «Machtschach». Doch auch der SVP attestierte er eine «schwache Leistung» wegen des nicht aufgearbeiteten Konflikts.

Julia Gosteli (Grüne) empfahl einen Kompromiss: nicht Florian Spiegel, aber jemand aus der SVP soll zum höchsten Allschwiler gewählt werden. Dass SVP-Mann Spiegel so viel Support von links bekam, führte Imhof darauf zurück, dass Etienne Winter und Florian Spiegel befreundet sind. Die aus der SVP ausgeschlossene Landrätin und Einwohnerrätin Pascale Uccella versuchte den Konflikt gar nicht erst zu verbergen. Sie teile Imhofs Meinung über den «Karrieristen» Spiegel.

2018 sei Patrick Kneubühler wegen Zeitmangels aus dem Einwohnerratsbüro zurückgetreten, nur um kurz darauf wieder auf der Landratsliste zu erscheinen. Seinen Platz als 1. Vizepräsident übernahm Spiegel, ohne zuvor 2. Vize gewesen zu sein. Im dritten Anlauf habe es Spiegel auch in den Landrat geschafft. Uccella und ihr Vater, Landrat und Gemeinderat Roman Klauser, durften nicht mehr für die SVP kandidieren. «Alles geplant seit April letzten Jahres», sagte Uccella.

Schliesslich wurde Florian Spiegel mit 23 Stimmen gewählt, acht gingen an Christoph Ruckstuhl, zwei an Patrick Kneubühler, vier Stimmzettel waren ungültig. Spiegel freute sich, dass der Rat dem «Grundsatz der Demokratie und nicht des Auseinanderdividierens» gefolgt sei.