Eigentlich sollte die Bushaltestelle Titterten, March gestrichen werden. Zu wenig ausgelastet, lautete das Ergebnis nach der Prüfung durch die Autobus AG Liestal (AAGL). Doch eine Intervention durch die Gemeinde war nun erfolgreich: Die Haltestelle bleibt, wie Recherchen der bz zeigen.

Im Rahmen der Erneuerung des Haltestellenauftritts habe man die Infrastruktur der Haltestellen aller Buslinien der AAGL geprüft. «Die Tafeln und Halter für die Fahrpläne sind mittlerweile in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes», erklärt AAGL-Geschäftsführer Roman Stingelin. Geprüft wurde auch, welche Haltestellen sehr schwach frequentiert werden. Zwar kooperiert die AAGL bei derartigen Prüfungen mit dem Kanton, doch – das sagt Stingelin auch – «wir kennen die lokalen Gegebenheiten natürlich nicht en détail und handeln aufgrund der Rückmeldungen der Gemeinden. Obwohl die betrachteten Haltestellen täglich von weniger als drei Personen zum Ein- oder Aussteigen genutzt wurden, kann eine Aufhebung durchaus Reaktionen auslösen.»

Ein Kilometer Fussmarsch

Reaktionen gab es von den Bewohnern des Hofes March in der Gemeinde Titterten. Die Bushaltestelle March steht praktisch vor ihrer Haustür. Zur nächsten Haltestelle ist es knapp einen Kilometer Fussmarsch auf dem Strassenrand, ohne Extraweg. Bewirtschaftet wird der Bauernhof von Michael und Theres Meyer. Michael Meyer betreibt auf dem Hof zudem eine Sägerei. In Kooperation mit der Stiftung Landwirtschaft und Behinderte gibt er Menschen mit Einschränkungen auf seinem Hof eine Chance.

Auch Praktikanten im Zwischenjahr finden auf dem Hof Beschäftigung. Drei der insgesamt fünf Bewohner des Hofes seien auf den Bus angewiesen, erklärt Meyer. «Wie soll ein 16-Jähriger hier wegkommen ohne Bus?», fragt Meyer. Er freut sich, dass die AAGL auf Intervention der Gemeinde ihren Entschluss überdacht hat: «Letztlich haben wir eine E-Mail an den Gemeinderat geschrieben und dann gab es noch zwei, drei Telefonate. Es ist super, dass die Haltestelle bleibt und es ist schön, dass alle Beteiligten so kooperativ waren».

«Es ist eine Sache des Abwägens, ob Bushaltstellen geschlossen werden oder nicht», sagt Heinrich Schweizer, Gemeindepräsident von Titterten. «Die Frage ist, wann die AAGL die Stichproben für die Statistik nimmt. Dann steigt vielleicht wirklich niemand ein, obwohl die Haltestelle durchaus genutzt wird. Es findet keine direkte Konsultation der Gemeinden oder der Bevölkerung statt. Hier haben sich die Bewohner gemeldet und gesagt, dass sie die Haltestelle durchaus nutzen würden».

«Käme hier nicht weg ohne Bus»

Die Intervention seitens der Gemeinde Titterten bei der AAGL war erfolgreich. Die Haltestelle March soll nun, in reduzierter Ausstattung, bestehen bleiben, auch, wenn sie aus Sicht der AAGL vielleicht nicht rentabel ist. Ken und Reto, die zurzeit auf dem Hof March arbeiten, freuen sich, dass der Bus weiterhin oberhalb des Hofes an der Strasse hält. «Ich käme hier nicht weg, ohne Bus», sagt Ken. Reto nickt und lächelt vom einen Ohr zum anderen.