Liestal

«Hoffentlich verklagen uns die Heimbewohner»

Das  Liestaler Alters- und Pflegeheim Frenkenbündten.

Das Liestaler Alters- und Pflegeheim Frenkenbündten.

Dem Liestaler Alters- und Pflegeheim Frenkenbündten ist trotz 30-Jahr-Jubiläum nicht zum Feiern zumute: Die Heimleitung kritisiert die vom Regierungsrat verabschiedete neue Pflegefinanzierung, die schwere Pflegefälle stärker belasten wird.

30 Jahre lang gibt es das Alters- und Pflegeheim Frenkenbündten in Liestal bereits. Natürlich werde deshalb auch gefeiert, bekräftigte Heimleiter Bernhard Fringeli an der heutigen Medienorientierung zum Jubiläumsjahr. Doch mit Blick auf 2011 verdunkelt sich seine Miene: Ab Januar tritt schweizweit nämlich die neue Pflegefinanzierung in Kraft. Dabei werden die Kosten nach Pflege, Betreuung und Hotellerie aufgeteilt. Während Betreuung und Hotellerie zulasten der Heimbewohner gehen, werden neu die Pflegekosten zwischen Krankenkassen, Heimbewohnern und der öffentlichen Hand geteilt. Dabei darf der Anteil der Bewohner 20 Prozent des Kassenbeitrages nicht überschreiten und beträgt maximal 21.60 Franken pro Tag. Für die Restkosten müssen die Gemeinden aufkommen.

Kosten werden Bewohnern belastet

Umstritten ist nun, dass der Baselbieter Regierungsrat im November eine Vorlage vors Parlament bringt, bei der er von sehr tiefen Pflegekosten ausgeht (Basellandschaftliche Zeitung berichtete). Indem der Kanton die Kosten für sich und die Gemeinden unterschätzt, können sie mit den gesprochenen Beiträgen nicht gedeckt werden. «Das zwingt uns Heime dazu, von den Bewohnern entgegen geltendem Gesetz mehr als 21.60 Franken zu verlangen. Oder aber wir wälzen den ungedeckten Betrag auf die Betreuungskosten über, die wiederum zulasten der Heimbewohner gehen», sagt Fringeli die missliche Lage ab 2011 voraus.

Betroffene sollen klagen

Während die neue Regelung gerade für mittlere Pflegestufen eine Entlastung bringt, müssen laut Fringeli besonders schwer pflegebedürftige Selbstzahler mit bis zu 1000 Franken Mehrkosten pro Monat rechnen. «Wir kommen zu unserem Geld – aber gerecht ist das nicht», so der Heimleiter. Zusammen mit Stiftungsratspräsident Jürg Holinger und Heimkommissionspräsidentin Beatrice Sulser kommt Fringeli zu einem grotesken Schluss: «Hoffentlich verklagen uns die von Mehrkosten betroffenen Heimbewohner.» Denn: «Schon die Tatsache, dass der Kanton uns Heimen juristische Unterstützung bei Rechtsstreiten zugesichert hat, zeigt, dass sich die Regierung des Problems bewusst ist», fügt Holinger kopfschüttelnd an. Leider liessen sich Heimbewohner erfahrungsgemäss nur selten auf einen langwierigen Rechtsstreit ein – dessen Ende sie vielleicht gar nicht mehr erleben.

Vom Landrat erhofft man sich im Frenkenbündten vor allem eines. Fringeli: «Das Parlament soll ein klares Signal Richtung Regierung senden, dass es so nicht geht.» An eine Rückweisung der Gesetzesvorlage glaube er jedoch nicht – nicht zuletzt wegen des engen Zeitfensters bis zum vom Bund vorgegebenen Stichtag des 1.1.2011.

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