Die CVP und das Oberbaselbiet haben bisher keine innige Liebesgeschichte geschrieben. Im Gegensatz zur traditionell starken Verwurzelung im Laufental zählen die Christdemokraten oberhalb von Liestal nur wenige Parteimitglieder. An den Landratswahlen 2015 musste sich die CVP gar die Peinlichkeit leisten, als einzige Regierungspartei in den drei Oberbaselbieter Wahlkreisen Sissach, Gelterkinden und Waldenburg keine eigene Kandidatenliste stellen zu können. Doch jetzt flackert in CVP-Reihen ein Hoffnungsschimmer auf.

Voller Stolz vermeldete Kantonalpräsidentin Brigitte Müller-Kaderli am Parteitag vom Montagabend in Niederdorf den Neuzugang «des zweitjüngsten Parteimitglieds»: In diesem Sommer hat sich Piero Grumelli, der Gemeindepräsident von Oberdorf, der CVP Baselland angeschlossen. Der heute 39-Jährige wurde 2008 in den Oberdörfer Gemeinderat gewählt. Nach der überraschenden Abwahl des langjährigen Gemeindepräsidenten Ewald Fartek im Frühjahr 2016 rutschte Grumelli in stiller Wahl auf den Chefsessel nach, da er sich als einziger amtierender Gemeinderat fürs Präsidium zur Verfügung stellte. Bisher ist er zu allen Wahlen als Parteiloser angetreten.

Doch vom neuen Gemeindepräsidenten wollte die bürgerliche Vereinigung Oberdorf, der Zusammenschluss der örtlichen SVP-, FDP- und CVP-Mitglieder, wissen, woran sie an ihm parteimässig sei. Nach einer Bedenkfrist von zwei Monaten entschied sich Grumelli für den Beitritt zur CVP, da sich diese «neben bürgerlichen Themen auch für linke Anliegen interessiert». «Einige Leute waren von meinem Entscheid überrascht», erzählt Grumelli, «da sie mich eher der SP zuordneten.» Grundsätzlich ticke er aber bürgerlich.

In Kreisen des CVP-Vorstands verheimlicht man nicht, dass an Grumellis Parteibeitritt weitreichende Hoffnungen geknüpft sind. Beabsichtigt ist, dass der Oberdörfer an den Gesamterneuerungswahlen 2019 eine CVP-Liste im Wahlkreis Waldenburg anführt. Er selber bestätigt sein Interesse an einem Landratsmandat. «Diesmal muss es einfach mit Oberbaselbieter Listen klappen», gibt sich CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter zuversichtlich. Um dieses Ziel zu erreichen, bleiben den Baselbieter Christdemokraten noch rund zwölf Monate Zeit.