Wahlen 2019

Hohe Ziele der Baselbieter SP: «Wir wollen stärkste Partei sein»

Interview mit SP-BL-Preesi Adil Koller. Er kündigt an, dass die SP bei den LR-Wahlen stärkste Fraktion werden will und zeigt, wie er das erreichen will.

Interview mit SP-BL-Preesi Adil Koller. Er kündigt an, dass die SP bei den LR-Wahlen stärkste Fraktion werden will und zeigt, wie er das erreichen will.

Der Parteipräsident Adil Koller setzt der Baselbieter SP für den Landrat hohe Ziele.

Vier Jahre nicht in der Regierung, vier Jahre im Landrat in der Opposition: Die SP tritt aus einer schwachen Position zu den Wahlen vom 31. März an.

Adil Koller: Wir haben vier Jahre lang eine klare Haltung gezeigt und schon vor zwei Jahren begonnen, die Wahlen zu planen. Unser Wahlkampf-Auftakt war im Januar 2018. Für uns ist klar, dass die SP als fortschrittlichste Kraft zulegen muss. Das zeigten die Entscheide im Parlament zu Themen wie Prämienverbilligungen, Umweltschutz, U-Abo oder Sozialhilfe-Kürzungen, wo teils nur wenige Stimmen fehlten, um die rechte Mehrheit zu brechen.

Aber was ist Ihr konkretes Ziel?

Wir haben genau berechnet, wie viele Stimmen uns in den vier Wahlregionen 2015 gefehlt haben, um jeweils einen weiteren Sitz zu gewinnen. Insgesamt wären bloss 1152 zusätzliche Parteiwähler nötig gewesen, um stärkste Fraktion zu werden.

Ist das nicht vermessen?

Wir wissen, dass das ein sehr hohes Ziel ist. Die SVP startete mit 28 Sitzen in die Legislatur, und wir haben 21. Allerdings hatte die SVP 2015 massives Proporzglück, staubte immer die letzten Restmandate ab. Diese Sitze visieren wir an. Holen wir vier Sitze von ihnen, sind wir stärkste Partei. Und genau das wollen wir sein.

An diesem Ziel könnten Sie auch kläglich scheitern.

Natürlich wäre es ein riesiger Wahlerfolg, sollten wir tatsächlich stärkste Partei werden. Aber auch wenn wir nur schon erreichen, dass SVP und FDP gemeinsam nicht mehr die Hälfte aller 90 Sitze halten, hätten wir die Wahlen gewonnen. Dann noch stärkste Partei zu werden, wäre grossartig.

Nationale Trends sehen aber eher die Grünen oder die FDP im Hoch.

Es hat sich gezeigt, dass die SP in allen Kantonen zulegen konnte, in denen sie viel mit den Leuten in Kontakt trat und tausende Gespräche führte. Im konservativen Aargau etwa löste die SP die SVP als stärkste Partei in den Einwohnerräten ab und legte um 15 Sitze zu, während die SVP genau so viele Sitze einbüsste. Auch bei den dortigen Grossratswahlen waren wir erfolgreich. Dasselbe gilt für die Kantone Zürich, Solothurn oder natürlich auch Basel-Stadt, wo die SP das stärkste Ergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg einfuhr. Es reicht nicht mehr, ein paar Leserbriefe zu schreiben, Standaktionen zu organisieren und Plakate aufzuhängen.

Was macht die Baselbieter SP denn konkret mehr als andere Parteien?

Der Unterschied ist die Dimension. Wir haben die umfassendste Kampagne lanciert, die die SP Baselland je auf die Beine gestellt hat. Wir wollen bis zum 31. März 10'000 Gespräche am Telefon führen. Vor gut einer Woche fand die erste Aktion mit 200 Teilnehmern statt, die an zwölf Standorten 4500 Gespräche führten. So konnten wir bereits stark mobilisieren. Am Ende werden sich an 48 Anlässen 500 Leute am Telefon für uns einsetzen. 200 von ihnen waren vorher noch nie politisch aktiv.

Laufen diese Anrufe denn nicht meist so ab: «Guten Tag, wir sind von der SP.» – «Tüüüüt.» – aufgelegt?

Nein, das passiert eigentlich nie. Wir sprechen vor allem mit Menschen, die der SP nahe stehen. Sie freuen sich, dass wir uns bei ihnen melden und ein politischer Austausch entsteht. So steigen die Chancen, dass diese Menschen wählen gehen. Doch die Kampagne soll über die Wahlen 2019 hinaus wirken und die SP längerfristig stärken. Ein weiterer Teil der Kampagne ist, dass alle unsere Landratskandidierenden sich mit ihren Freunden, Verwandten und Bekannten an einen Tisch setzen und über Politik reden. So wollen wir letztlich auch die tiefe Wahlbeteiligung in Baselland verbessern.

Und was tragen Sie selbst dazu bei?

Ich habe zweimal je 15 Freunde zu mir nach Hause eingeladen, die sich bisher längst nicht alle politisch engagiert haben. Sie alle machen nun mit und helfen bei den Telefonaten. Sie merken, dass diese Wahlen die Zeit sind, sich für ihre Anliegen einzusetzen. Wir wollen Leute, die von der kantonalen Politik betroffen sind, zu Beteiligten machen.

Können Sie ihre vier anvisierten SP-Sitzgewinne auch genauen Wahlkreisen zuordnen?

Natürlich ist es schwierig vorherzusehen, doch in Wahlregion 1 bauen wir darauf, der SVP in Allschwil einen Sitz wegzunehmen, ohne ihn in Binningen zu verlieren. In der Region 2 bietet Reinach die besten Chancen, da hier gleich zehn Mandate verteilt werden. In der Region 3 wollen wir in Liestal den dritten Sitz der SVP holen. Und in der Region 4 wäre es wohl Gelterkinden, ohne unseren Sitz in Sissach zu verlieren.

Aber die SVP mobilisiert auch wieder.

Ich spüre im Landrat eher eine gewisse Arroganz bei der SVP. Sie drückt knallhart ihre Machtpolitik durch. Ich bin überzeugt, dass dieses Mal einige gemässigte Wähler SP wählen werden. Schon alleine, um im Kanton wieder ein Gleichgewicht der Kräfte zu erreichen.

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