Forstrevier Schauenburg

Holzschläge ernten massive Kritik – Jetzt steht Förster Eichenberger am Pranger

Dem Förster des Forstreviers Schauenburg wird «grossflächiges Abräumen» inklusive der alten Bäume, insbesondere der Eichen, vorgeworfen.

Im Forstrevier Schauenburg, zu dem Muttenz, Pratteln und Frenkendorf gehören, fallen die Bäume seit ein paar Jahren in rauen Mengen. Parallel dazu empören sich die Geister querbeet durch die Bevölkerung. Da ist etwa die Hundespaziergängerin aus Pratteln, die auf ihren bevorzugten Wegen und Ruhebänken den sommerlichen Schatten der Bäume vermisst. Sie sagt: «Seit zwei Jahren sind diese flächendeckenden Abholzungen ganz extrem. Niemand sagt stopp und es geht ungebremst weiter.» Sie habe sehr wohl Verständnis für eine angemessene Waldpflege, aber nicht in diesem Ausmass.

Da ist auch der Fachmann Peter Lakerveld, von Beruf Forstingenieur und Biologe sowie Lehrbeauftragter an der Försterschule Maienfeld GR. Er schickt voraus, dass er zurückhaltend sei mit Kritik an seiner Berufsgilde. Aber was im Forstrevier Schauenburg ablaufe, sei derart krass, dass er Klartext reden müsse: «Mein Eindruck ist, dass Revierförster Markus Eichenberger keinerlei Rücksicht auf ökologische und landschaftliche Anliegen nimmt und ohne Sensibilität für die Befindlichkeit der Bevölkerung ist.»

Eichen müssen Eichen weichen

Lakerveld wirft Eichenberger das «grossflächige Abräumen» inklusive der alten Bäume, insbesondere der Eichen, vor. Dabei seien Eichen im Alter ab 150 Jahren so richtig wertvoll für die Natur. Und er ergänzt: «Dass solche Räumungen sogar in Naturschutzgebieten vorkommen, ist eine ökologische Todsünde.» Hier hakt auch Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, ein: «Am Gravierendsten ist, dass alte Eichen in Naturschutzgebieten unter dem Titel Eichenförderung zugunsten von Jungpflanzungen umgemacht werden. Das habe ich in diesem Mass noch nirgends gesehen und das geht nicht. Der Revierförster haut einfach ab, was Geld bringt.»

Lakerveld bemängelt auch, dass Eichenberger im Zeichen der Klimaerwärmung nebst Eichen – «das ist richtig» – auf Douglasien und Fichten setzt. Letztere seien völlig widersprüchlich, weil diese Baumart zu den Verlierern des Temperaturanstiegs zählten. Zu einer «veralteten Waldbehandlung» gehört für Lakerveld, dass Eichenberger flächendeckend Jungbäume aus Baumschulen anpflanzt, statt auf die natürliche Waldverjüngung zu setzen. «Natürlich gewachsene Bäume sind stabiler und resistenter, weil sich nur die starken Exemplare durchsetzen.»

Lakerveld steht in der Fachwelt nicht alleine mit seiner Kritik. In der Zeitschrift «Wald und Holz» hinterfragte letztes Jahr die «Fachstelle Waldbau», ein forstliches Expertengremium, die flächige Pflanzung von Jungbäumen im Schauenburg-Revier, aber auch die Fichten-Pflanzungen: «Warum sollen die Traubeneichen ausgerechnet mit gepflanzten Fichten vor Nassschnee geschützt werden, also mit der Baumart, welche selber sehr anfällig ist auf Nassschnee und deren Zukunft eben aufgrund der Klimaerwärmung unsicher ist?»

Bedenken zu den flächigen Rodungen kommen auch von politischer Seite. Roger Boerlin, im Muttenzer Gemeinderat für Umwelt und Sicherheit zuständig, sagt: «Ich bin viel im Wald und es macht mir Mühe, wenn ich diese gerodeten Flächen sehe. Ihr Anblick ist schon nicht gerade eine Augenweide.» Beim Gemeinderat seien Dutzende von Reklamationen eingegangen und er habe Verständnis für diese Leute. Doch zuständig für den Wald sei nicht die Einwohner-, sondern die Bürgergemeinde und der Gemeinderat habe die Einwände weitergeleitet. Boerlin zeigt aber auch Verständnis für die Schläge: «Eine schonendere Waldbewirtschaftung wäre wünschenswert, ist aber aus ökonomischen Gründen kaum realistisch.»

Fichten als temporäre Stützbäume

Was sagt der «angeschossene» Revierförster Markus Eichenberger? Er relativiert zuerst einmal. Er habe von den 800 Hektaren Wald, die das Forstrevier Schauenburg umfasse, in den letzten fünf Jahren «nur» 30 Hektaren verjüngt. Und im Naturschutzgebiet habe er im Rahmen eines Verjüngungsprojekts ganze zwei Alteichen umgemacht. Die Kritik komme von einem «kleinen, gut vernetzten Kreis, der resistent ist gegen Information».

Hintergrund der Verjüngungen sei die Strategie der drei Bürgergemeinden, wegen der Klimaerwärmung die Abhängigkeit von der gefährdeten Buche zu reduzieren. Denn deren Anteil betrage im Revier 65 Prozent, dazu kämen die zehn Prozent Eschen, die wegen dem Pilzbefall «ein Totalausfall» für die Zukunft seien. Er habe aus Sicherheitsgründen in letzter

Zeit vor allem Bestände mit einem hohen Eschenanteil gerodet, so Eichenberger.
Dass er auf Schlagflächen kaum Bäume stehen lässt, begründet der Revierförster mit den vielen Jungpflanzungen. Falle ein Altbaum darauf, gebe es grössere Schäden. Und flächendeckend Jungbäume setze er, weil so die gewünschten Baumarten aufkämen; so sind rund die Hälfte der in den letzten fünf Jahren gepflanzten 27 000 Bäume Eichen. Diesen Eichen gebe er Fichten als Stützbäume mit auf den Weg, an die sich sie sich im Winter anlehnen könnten, um nicht zu brechen. Denn Eichen verlören ihre Blätter spät und diese würden schwer, wenn Schnee darauf liege. Eichenberger: «Das ist ein Versuch. Die Fichten kommen dann nach 10 bis 20 Jahren weg.»

Kantonsförster Ueli Meier steht als oberster fachlicher Vorgesetzter hinter Eichenberger. Weder störe ihn – auch als Prattler Einwohner – dessen Waldbewirtschaftung, noch erkenne er darin eine Verletzung des Waldgesetzes. Das Forstrevier Schauenburg sei das erste, das mit einer Strategie konkret gegen den hohen Buchenanteil vorgehe. In der Wahrnehmung sei so etwas natürlich heikel. Hier setzt Meier auch mit seiner Kritik ein: «Ein solcher Strategiewechsel sollte offensiv kommuniziert werden, was zu wenig gemacht wurde. Jetzt sitzen die Verantwortlichen in der Rechtfertigungsfalle.» Das Amt für Wald sei am Abklären, ob eine Begehung mit allen Beteiligten Sinn mache.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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