Sterbehaus

Hotel mit Pool, um zu sterben: Warum Sterbehelferin Erika Preisig umziehen will

Die Sterbebegleiterin Erika Preisig will mit ihrer Stiftung Eternal Spirit aus Liestal wegziehen und in Flüh eine Villa kaufen. Das Spezielle: Preisig plant, ein Bed & Breakfast zu integrieren. Nun kommt es drauf an, ob Anwohner oder der Gemeinderat Einsprache erheben.

Der Verkäufer der Liegenschaft an der Talstrasse 75 in Flüh weiss, was die Menschen hier suchen: «Das Einfamilienhaus steht am Hang mit schöner Aussicht Richtung Landskron. Es gibt keine direkten Nachbarn und man ist hier sein eigener Herr», steht gleich zu Beginn in der Verkaufsdokumentation, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt.

Tatsächlich befindet sich die Villa aus den 60er Jahren etwas abgeschieden am Rande des Dorfes im solothurnischen Leimental. Direkter Nachbar ist einzig eine Bettenfabrik. Die nächsten Wohnhäuser liegen zwar bloss hundert Meter entfernt, doch ein Hügel verhindert die direkte Einsicht. Schweift der Blick in die andere Richtung, ist erhöht knapp der Kirchturm des Klosters Mariastein zu erkennen.

Idylle, Einsamkeit und Spiritualität. In den Augen der Stiftung Eternal Spirit von Erika Preisig der perfekte Ort, um künftig Menschen in den Freitod zu begleiten. «Dass wir diese Liegenschaft gefunden haben, war ein glücklicher Zufall», sagt Stiftungsrat Moritz Gall. Preisig selbst, welche wir gestern auf Bali erreichen, möchte sich nicht weiter äussern und verweist auf Gall. Dieser doppelt nach: «Dass die Lage zuhinterst im Dorf ideal ist, kam für uns einem Gewinn gleich.»

Acht Zimmer, Pool, Lift: Aber noch ist die Villa nicht verkauft

Hofstetten-Flüh also statt Liestal, Solothurn statt Baselland. Die Umzugspläne wurden gestern in der bz publik, da der Gemeinderat eine Baupublikation für die Talstrasse 75 veröffentlichte. «Umnutzung in Bed & Breakfast und Freitodbegleitung» steht dort nüchtern.

Schon Anfang Oktober hatte die Stiftung angekündigt, neue Räumlichkeiten zu suchen. Dies da sich Preisigs Bruder Rudolf Habegger mit der neuen Sterbehilfsorganisation Pegasos Swiss Association im selben Liestaler Gebäude eingemietet hatte. Für Eternal Spirit eine «untragbare Situation» mit Verwechslungsgefahr.

In trockenen Tüchern ist der Umzug allerdings noch nicht. «Ich habe mein Haus noch nicht verkauft», betont Janos Csoka, als ihn die «Schweiz am Wochenende» erreicht. Er ist der Besitzer der Villa, in der er selbst in den 70er Jahren wohnte, die aber zuletzt leer stand.

Augenfälligster Bestandteil ist ein beheizbarer Swimmingpool im Garten. Das Haus selbst hat auf den oberen zwei Geschossen verteilt acht Zimmer, alles per Lift erschlossen. Der Umschwung ist beträchtlich bei einer Grundstücksfläche von 2300 Quadratmetern inklusive eigenem Waldstück.

An Csoka dürfte es nicht scheitern: «Die Liegenschaft eignet sich grundsätzlich für solch eine Nutzung und ich persönlich hätte auch nichts dagegen. Ich finde es gut, gibt es Sterbehilfe.»

SVP-Gemeinderätin fordert klare Haltung des Gremiums

Interessant ist, dass Preisig nicht nur Sterbezimmer, sondern direkt eingebettet ein B & B plant. Dies, da die meist internationalen Klienten der Stiftung jeweils ein paar Tage früher in die Schweiz reisen, um alles vorzubereiten. Bisher arbeitete Preisig dazu mit Basler Hotels zusammen.

Andrea Meppiel, SVP-Gemeinderätin von Hofstetten-Flüh, stört sich denn auch vor allem an diesem Aspekt: «Ich finde es problematisch, dass Eternal Spirit Sterbetourimus fördert.» Sie kündigt an, dass die SVP das Thema im Gemeinderat zur Diskussion bringen wird.

Die Zeit drängt: Die Einsprachefrist läuft nur bis zum 5. Dezember. Meppiel: «Es braucht eine klare Haltung des Gemeinderats gegenüber dieser Geschäftsidee und einen Entscheid, ob er Einsprache erhebt.»

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