Klimaschutz

Humus für das Klima – oder lieber Pflanzenkohle? Darüber sind sich Klimaschützer und Bauern uneinig

Die Bauern - im Bild ein Landwirt beim Düngen - sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Die Bauern - im Bild ein Landwirt beim Düngen - sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Landwirt und SVP-Politiker Markus Graf hat anfangs Woche das kantonale Projekt des Ebenrain-Zentrums und der Kantonalbank kritisiert. Im Baselbieter Landrat schlägt er andere Massnahmen zur Speicherung von CO2 vor.

Die Regierung hat an der jüngsten Landratssitzung am Donnerstag das Humusaufbauprojekt der BLKB und des Ebenrain-Zentrums verteidigt, nachdem der SVP-Landrat und Bauer Markus Graf sich Anfang Woche kritisch gegen das Unterfangen geäussert hatte und eine entsprechende Frage an die Regierung eingereicht hatte.

Im gleichen Zug hat der SVP-Politiker einen Gegenvorschlag eingebracht: Er findet zwar vorbildlich, dass die BLKB «ihre Klimasünden im Baselbiet reinwaschen will» und dass die Kantonalbank das zwingend weiterverfolgen solle. Er erachtet aber die Förderung von Pflanzenkohle für sinnvoller. Letztere kann als Tierfutterzusatz oder Dünger verwendet werden. Er schlägt vor, dass die BLKB in solchen Projekten investiert, um ihre CO2-Emissionen zu kompensieren.

Das lokale CO2-Kompensationsprojekt der Kantonalbank

Anlass für die Debatte bot die Verkündung durch die Baselbieter Kantonalbank und den kantonalen Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in dieser Zeitung, an einem gemeinsamen Klimaschutzprojekt im Baselbiet arbeiten zu wollen. Dieses Projekt sieht vor, Bauern für den durch humusfördernden Massnahmen im Boden gespeicherten CO2 zu entschädigen.

Markus Graf hält aber von dieser «medialen Bombe», wie er das Projekt im Landrat nannte, nur wenig. Das Projekt sei nur bedingt wirksam; darüber hinaus kritisiert er, dass Bauern und der Bauernverband nicht einbezogen wurden.

Mit einem bodenschonenden Hackgerät statt Herbiziden kann im Kirschenanbau der Humusaufbau gefördert werden.

Mit einem bodenschonenden Hackgerät statt Herbiziden kann im Kirschenanbau der Humusaufbau gefördert werden.

Mit Humus das Klima schützen? Regierung sagt Ja

Die Regierung spricht in ihrer Antwort hingegen von «wertvoller Pionierleistung». Auch bekräftigt sie, dass das Projekt sehr wohl dem Bauernverband beider Basel präsentiert wurde. Dieser hat sich jedoch entschieden, das Projekt nicht zu unterstützen. Allerdings hat sich deren Mitgliedsorganisation «Bio Nordwestschweiz» als Trägerorganisation hinter das Projekt gestellt. Auch will die Regierung hervorheben, dass sie sich bewusst sei, dass viele Bauern bereits sehr bewusst mit dem Boden umgehen.

Sticheleien zwischen «Studierten» und «Bauern»

Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Thomas Weber stellt allerdings anhand der aktuellen Diskussion fest, dass mehr Austausch und Kommunikation in Landwirtschaftsfragen nötig seien. Er regt zum Beispiel die Landräte an, eine parlamentarische Gruppe dazu zu bilden.
Dass mehr Austausch und Kommunikation zu diesem Thema nötig ist, hat auch die nachfolgende Diskussion zur Interpellation der Grünen Landwirtin Laura Grazioli bewiesen.

Diese hatte im September 2019 eine Interpellation zum Humusaufbau als Klimaschutzstrategie eingereicht. In den Zusatzfragen zur Antwort der Regierung kam es zu Sticheleien: So drückte Laura Grazioli ihr Unverständnis dafür aus, dass sich andere Bauern von diesem Projekt so angegriffen fühlten. Jürg Vogt (FDP) antwortete, dass Humusaufbau bereits seit Jahrzehnten unter Bauern ein Thema sei, unter anderem dank Otto Buess, Leiter des Ebenrains von 1960 bis 1984: «Und nun meinen ‹Studierte›, uns Bauern ein Programm aufzuerlegen… Ich halte es mit einer alten Weisheit: Der Mist ist des Bauerns List.»

Darauf erwiderte Rahel Bänziger (Grüne), dass sich «Studierte» stets weiterbilden würden, was auch die Bauern tun dürften. «Nur weil etwas immer schon so gemacht wurde, heisst das nicht, dass man es nie ändern soll.»

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