Ausbildung

Hunderte von Lehrstellen noch offen: In fast allen Branchen fehlt Nachwuchs

Einzig im Gesundheitswesen sind praktisch alle Lehrstellen vergeben. In allen anderen Branchen gibt es noch Ausbildungsplätze

Einzig im Gesundheitswesen sind praktisch alle Lehrstellen vergeben. In allen anderen Branchen gibt es noch Ausbildungsplätze

Augenoptiker, Innendekorateur, Metallbauer oder doch lieber Zimmermann? Wer noch keine Lehrstelle für diesen Sommer hat, kann aus einem breiten Angebot wählen.

«In praktisch allen Berufen gibt es noch freie Lehrstellen», sagt René Diesch, stellvertretender Leiter der Mittelschulen und der Berufsbildung des Kantons Basel-Stadt. Gemäss der Lehrstellenbörse im Internet sind derzeit in den beiden Basel gegen 500 Ausbildungsplätze unbesetzt. Genaue Angaben fehlen: «Die Ausschreibung auf der bikantonalen Homepage ist freiwillig. Deshalb sind das keine absoluten Zahlen zu den offenen Lehrstellen in den beiden Basel. Viele Stellen gehen auch unter der Hand weg», sagt René Diesch.

Gesucht sind Schüler aus allen Leistungsstufen und mit unterschiedlichsten Fertigkeiten. Bei den Ausschreibungen fällt auf, dass auch beliebte Lehrstellen, wie Polymechaniker oder Informatiker, noch offen sind. Dabei gebe es durchaus eine Nachfrage, sagt Diesch: «Das Problem bei diesen anspruchsvollen Berufsfeldern ist nicht, dass es zu wenige Bewerber gibt, sondern dass ihr Profil häufig nicht ausreicht. Vielfach entscheiden sich starke Schüler für eine weiterführende Schule.»

Das bestätigt auch Reto Baumgartner, Vizedirektor des Gewerbeverbandes Basel-Stadt. Er beobachtet Verschiebungen innerhalb des Lehrstellenmarktes: «Als neues Phänomen sind im Gesundheitswesen praktisch alle Stellen besetzt. Dafür hatten in diesem Jahr die Banken Mühe, starke Lehrlinge zu finden.»

Gemäss Baumgartner kämpfen insbesondere handwerkliche Berufe seit längerem um Lehrlinge. Ein Umstand, den der Vizedirektor des Gewerbeverbandes nicht nachvollziehen kann: «Ein Maurer mit entsprechender Weiterbildung kann unter Umständen mehr verdienen als ein Uni-Abgänger mit einem Masterdiplom.»

Knapp unter den Rekordzahlen

Obwohl es vom Steinbildhauer bis zum Bäcker noch offene Lehrstellen gibt, sei von einem Einbruch auf dem Lehrstellenmarkt keine Rede, sagen die Fachleute in den beiden Basel. So wurden bis Mitte Juli 1822 Lehrverträge im Baselbiet unterzeichnet. «Das sind 3,85 Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres, das ein absolutes Rekordjahr war», sagt Hanspeter Hauenstein vom Amt für Berufsbildung und Berufsberatung in Liestal.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Basel-Stadt. Dort sind aktuell 1920 Lehrverträge unterschrieben. «Wir gehen davon aus, dass wir annähernd die Zahlen des letzten Jahres erreichen werden. Damals schafften wir mit rund 2100 abgeschlossenen Lehrverträgen einen absoluten Höchststand», sagt René Diesch, stellvertretender Leiter der Mittelschulen und der Berufsbildung des Kantons Basel-Stadt.

In beiden Basel sei die Tendenz steigend: Täglich flattern neue Lehrverträge rein. Diesch führt diese Topzahlen auf das Bedürfnis nach Fachkräften, insbesondere aber auf die Entwicklung des dualen Ausbildungssystems zurück: «Heute ist es nicht mehr eine Entscheidung fürs Leben, welche Lehre man absolviert. Die jungen Menschen haben ganz andere Möglichkeiten als noch ihre Eltern. So können sie mit einer Berufsmatura an eine Fachhochschule oder mittels Passerelle im Anschluss an ihre Erstausbildung an einer Universität studieren – wenn sie das wollen.» Wie viele Schulabgänger in den beiden Basel derzeit auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, wissen die Ämter nicht. Denn einige Jugendliche wählen einen Lehrbetrieb in einem Drittkanton, entscheiden sich für eine weiterführende Schule oder für ein Brückenangebot. Wer aber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, habe durchaus noch reelle Chancen, sagt Reto Baumgartner vom Gewerbeverband: «Heute ist es einfacher kurzfristig eine Lehrstelle zu finden.»

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