Gwärb 14

«Ich glaube an Liestal – und das tun auch die Investoren»

«Der Eventcharakter ist fast ein Muss für die Liestaler, die Gwärb zu besuchen», findet Andreas Zbinden.

«Der Eventcharakter ist fast ein Muss für die Liestaler, die Gwärb zu besuchen», findet Andreas Zbinden.

Präsident von KMU Liestal Andreas Zbinden sieht die morgen startende Ausstellung als Chance für «seine» Gewerbler in einem schwierigen Umfeld

Herr Zbinden, der Aufwand, eine Gewerbeausstellung wie in Liestal zu organisieren, ist riesig. Gleichzeitig finden Gewerbeausstellungen im Kanton fast inflationär statt. Was ist Ihr Motor für diesen Kraftakt?

Andreas Zbinden: Grundsätzlich ist eine Ausstellung eine Dienstleistung eines Gewerbeverbands an seine Mitglieder, die sich mit ihren Produkten in einer guten Atmosphäre vor grossem Publikum präsentieren können. Bei der letzten Ausstellung vor vier Jahren hatten wir mehr als 20'000 Besucher, und für die Gewerbetreibenden ist das Verhältnis von Aufwand und Beachtung sicher gut. 80 Prozent der Standbetreiber kommen denn auch gerne und aus eigenem Antrieb an die Ausstellung; die restlichen 20 Prozent müssen wir suchen. Eher Mühe hatten wir bei den Detaillisten, obwohl sie eigentlich die einzigen sind, die an der Ausstellung etwas verkaufen. Eines ihrer grossen Probleme ist aber das Personal, weil sie gleichzeitig ihre Läden offen halten müssen. Für uns als KMU Liestal, oder besser gesagt für das eigens für die Gwärb gebildete, vollständig ehrenamtlich arbeitende Organisationskomitee ist die Ausstellung ein riesiger Aufwand mit dem finanziellen Ziel, das Budget von etwas über 300'000 Franken einzuhalten. Verdienen tun wir mit der Ausstellung nichts.

Was sind die Kurz- und Langzeitauswirkungen der Ausstellung für das Gewerbe?

Die Aussteller bekommen sicher einen Gegenwert, sonst würden sie den ganzen Aufwand nicht auf sich nehmen. Finanziell fällt in erster Linie übrigens nicht die Standgebühr ins Gewicht, sondern der Standaufbau und vor allem die Kosten fürs Personal, das zweieinhalb Tage präsent ist. Der kurzfristige Nutzen ist, dass man an ein breites Publikum heran kommt, an das man sonst nicht herankommen würde. Das gilt vor allem für Gewerbetreibende, die keinen Laden haben. Langfristig positiv wirkt sich das Zusammengehörigkeitsgefühl aus, das sich bei der Vorbereitung und während der Gwärb unter den Ausstellern bildet. Dabei darf man nicht unterschätzen, dass letztlich das regionale Gewerbe das regionale Gewerbe mit gegenseitigen Geschäften unterstützt.

Was unterscheidet die Gwärb 14 von den Vorgängerausstellungen?

Die wichtigste Neuerung ist, dass wir den Aussenbereich der Schulanlage Frenke miteinbeziehen und dadurch neue Möglichkeiten beim Angebot haben. So ist zum Beispiel ein Seilpark zu sehen, es hat Auto-Aussteller, und Gitterlibad und Militär sind präsent.

Wieso soll ein Liestaler, der die meisten ausstellenden Firmen kennen dürfte, die Gwärb besuchen? Wieso ein Auswärtiger?

Man sieht sonst nie auf so engem Raum so viele Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, und es herrscht immer auch eine tolle Stimmung. Das hängt auch mit dem Bemühen der Standbetreiber zusammen, sich im besten Licht zu zeigen, und mit Attraktionen wie Wettbewerben, einem Formel-1-Simulator oder der Kochschau mit Prominenten. Für einen Liestaler kommt dazu, dass man sich an der Gwärb trifft und sieht. Dieser Eventcharakter ist fast ein Muss für die Liestaler, ihre Gwärb zu besuchen.

An der Ausstellung sehen wir das Gewerbe in der Sonntagstracht. Wie geht es den Liestaler KMU im Alltag?

Das ist sehr unterschiedlich. Im Schnitt geht es dem Gewerbe nicht schlecht und es profitiert hier in Liestal sicher auch von den vielen Investitionen, die getätigt werden. Ich denke dabei an Manor, an die Bahnhofsareal-Entwicklung oder an all die Quartierpläne, die in Entwicklung sind. Das ist für Liestal ein Segen, auch wenn der Hauptauftrag nicht an eine ortsansässige Firma geht. Denn immer fallen Nebenaufträge an, von denen auch das Liestaler Gewerbe profitiert. Nicht einfach haben es Detailhandel und Gastronomie. Bei der Gastronomie gibt es verschiedene Aspekte wie Rauchverbot, tiefere Alkoholgrenzen beim Autofahren, aber auch eine gewisse Übersättigung. Wir haben in Liestal ein breites, ähnlich platziertes Gastro-Angebot, und die Wirte sind am Kämpfen ums Überleben. Ein schlechtes Business ist im Moment das Druckereigewerbe mit kleinen Margen und grossem Konkurrenzkampf auch aus dem Ausland.

Und bei den Handwerkern ist der Konkurrenzdruck aus dem Ausland kein Thema?

Doch. Der Preiskampf ist gross, und man sieht immer wieder ausländische Unternehmen, die ganze Einfamilienhäuser aufstellen. Damit müssen wir einfach leben und den Weg finden, über Qualität und Dienstleistung zu überzeugen. Es nützt nichts, über das Ausland auszurufen. Die Unternehmen dort sind günstiger und werden es auch zumindest in naher Zukunft sein, wobei es der kleine Handwerker aus Lörrach hier mit der ganzen Administration auch nicht so einfach hat.

Zurück zu den Detaillisten: In Liestals Altstadt sind viele Gewerbetreibende unzufrieden und sehen die Zukunft eher schwarz. Was sagen Sie denen?

Ich glaube an Liestal. Denn wir würden keine Investoren finden, die bereit sind, einen Rebgarten, einen Ziegelhof, einen Manor oder die Gebäude am Bahnhof zu bauen, wenn sie nicht an Liestal glaubten. Und so glaube ich auch, dass es eine Klientel gibt, die es schätzt, im Stedtli einkaufen zu können. Als Detaillist muss man probieren, sich durch seine Produkte abzuheben oder einen Zusatznutzen zu erbringen, damit die Leute in den Laden kommen. Und dies kann aus meiner Sicht nur dadurch erreicht werden, indem man sehr freundlich ist und den Kunden sehr persönlich empfängt. Wir haben Detaillisten in Liestal, die das sehr gut machen und entsprechend Erfolg haben. Von den Strukturen her hat Liestal ein Potenzial für den Detailhandel und wird es auch in Zukunft haben, sonst kämen die Zentren nicht. Aber es gibt unbestritten einfachere Branchen als den Detailhandel.

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