Nachgefragt

«Ich habe keine Angst, jedoch einen gewissen Respekt»: Eine medizinische Praxisassistentin berichtet aus einem Abklärungszentrum

«Es ging mir nie ums Geld», sagt Livia Bucher, 20, tätig in einer Corona-Abklärungsstation. (Symbolbild)

«Es ging mir nie ums Geld», sagt Livia Bucher, 20, tätig in einer Corona-Abklärungsstation. (Symbolbild)

Die 20-jährige Livia Bucher arbeitet im «normalen» Leben in einer Hausarztpraxis. Wegen der Coronakrise hat sie sich jedoch zusätzlich für die Arbeit im Abklärungszentrum in Lausen beworben. Seither pendelt sie zwischen Lausen, Zuhause und ihrem Job. Doch die Doppelbelastung sei gut erträglich – nicht zuletzt wegen dem Support aus der Bevölkerung.

Livia Bucher, Sie sind medizinische Praxisassistentin, zurzeit sind Sie jedoch auch beim Corona-Abklärungszentrum in Lausen tätig, nehmen dort unter anderem bei Patientinnen und Patienten Abstriche vor. Haben Sie keine Angst, sich mit dem Virus zu infizieren?

Livia Bucher: Ich habe keine Angst, jedoch einen gewissen Respekt. Diesen braucht man aber auch, damit man gewissenhaft mit den Hygienevorschriften umgeht und diese auch korrekt einhält.

Ein Kollege von Ihnen im Testcenter hat sich über Gaffer beklagt – und über Besucherinnen und Besucher, die offensichtlich einen Test gar nicht nötig gehabt hätten, also Hypochonder. Haben Sie ähnliche Vorkommnisse beobachtet?

Von den Gaffern habe ich nichts mitgekriegt, ich bin ja in der Halle. Zu den Hypochondern, wenn man sie so nennen will, muss ich sagen: Viele Leute sind einfach verunsichert. Sie spüren zwar keine Symptome, aber sie hatten zum Beispiel Kontakt zu Infizierten. Man kann ohne Anmeldung bei uns vorbeikommen, und das ist auch okay so. Aber nicht jede und jeder erhält einen Abstrich  – das ist nicht vorgesehen.

Was sind die Kriterien?

Wir gehen nach einem Score vor: Risikogruppe Ja oder Nein, schwere Symptome wie Husten, Fieber über 38 Grad und/oder Atemnot. Die Ärztinnen und Ärzte entscheiden, ob ein Abstrich vorgenommen wird.

Wie sind Sie zu diesem Job in der Station gekommen?

Ich arbeite bei der Hausarzt-Praxis Zunzgen. Mein Chef ist im Leitungsteam der Abstrichstation. Er brauchte Personal, so habe ich mich beim Kantonsspital Baselland gemeldet, es übernimmt die Koordination der beiden Baselbieter Abklärungszentren in Lausen und in Münchenstein. Mein erster Einsatz war schon am Tag, als das Zentrum in Betrieb ging, also am Mittwoch, 18. März. Seither habe ich immer wieder Schichten übernommen, aber daneben weitergearbeitet. Ich war in den letzten Tagen ständig am Pendeln zwischen meinem Zuhause in Känerkinden, der Praxis in Zunzgen und dem Zentrum in Lausen.

Wie kriegen Sie beides – Testzentrum und Beruf – aneinander vorbei?

Das geht schon. In der Praxis kommen weniger Leute vorbei als in normalen Zeiten, der Betrieb ist etwas reduziert. Aber es sind schon strenge, lange Tage.

Wie werden Sie für Ihre Tätigkeit entschädigt?

Wir sind vom Kantonsspital Baselland angestellt und haben einen Vertrag erhalten. Aber ich muss gestehen, dass ich mich noch gar nicht erkundigt habe, wie ich entschädigt werde. Es ging mir auch nie ums Geld beim Entscheid mitzumachen, sondern darum, dass ich es eine gute Sache fand.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Sehr viele, ausschliesslich positive. Wir erhalten unzählige Kuchen und Gebäck, von Gemeinden, von Bäckereien, von Firmen, aber auch von Privatpersonen. Die Leute denken an uns, das motiviert unglaublich.

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