Birsfelden

«Ich will Surf-Kultur nach Basel bringen»

Simon Lang ist einer von wenigen, der im Raum Basel Stand-up-Paddling anbietet. Dabei muss er gegen Widerstände kämpfen.

Der Körper von Simon Lang beugt sich ruckartig nach vorne. Gleichmässig schmettert er sein Paddel in das kühle Wasser am Birsköpfli. Der junge Basler steht mit seinen Füssen auf einem Brett, der Balanceakt ist ihm aber nicht anzumerken.

Lang ist der Gründer von Birs73. Als einer von wenigen in der Region Basel bietet er Kurse in der Trendsportart Stand-up-Paddling an und vermietet Bretter für den Privatgebrauch. «Ich will die Surf-Kultur nach Basel bringen», sagt Lang.

Die Idylle am Birsköpfli täuscht aber. Lang wäre mit seinem Geschäft gerne weiter östlich, an der Kraftwerkinsel. Dort sind die Strömungsverhältnisse für Anfänger einfacher. Die Kraftwerk Birsfelden AG verbietet es ihm jedoch, auf der Insel SUPs zu vermieten, da es sich um ein Privatareal im Besitz des Kraftwerks handelt.

Zudem hat die Firma erhebliche Sicherheitsbedenken. «Es halten sich immer mehr ortsunkundige und fahrlässig handelnde SUP-Fahrer im gesperrten Bereich auf», sagt Sascha Jäger, Direktor der Kraftwerk Birsfelden AG, für den die Sicherheit beim Wasserkraftwerk oberste Priorität hat.

Das Stauwehr könne jederzeit aufgehen und eine tödliche Gefahr darstellen. Laut Lang sind die Gefahren jedoch auf ein Minimum zu reduzieren. Er stellt aber klar: «Die Sicherheit für die Kunden steht für mich auch an oberster Stelle.»

Bei der Kraftwerkinsel herrscht in den Sommermonaten jeweils Hochbetrieb. Weidlinge, Kanufahrer und private SUPler frönen ihrer Leidenschaft. «Es ist um einiges sinnvoller, die Menschen mit einem Stand zu informieren, als mir eine kommerzielle Tätigkeit zu verbieten», so Lang. Die Menschen seien sowieso unterwegs.

Den erhöhten Aufmarsch an Wassersportlern bekommt Sascha Jäger im Kraftwerk hautnah mit. Im vergangenen August hielten sich neun SUP-Fahrer im verbotenen Schleusenvorhafen auf. «Das ist eine unhaltbare und gefährliche Situation», sagt er.

Ein Gefühl von Freiheit auf dem SUP-Brett

Die Situation mit Birs73 und der Kraftwerk Birsfelden AG ist verzwickt. In seinem ersten Jahr war Lang bei einem Café auf der Kraftwerkinsel untergemietet. Scheinbar unbemerkt verlieh er SUPs. «Es geschah kein einziger Unfall», erzählt er.

Nachdem der begeisterte Wassersportler in diesem Jahr einen offiziellen Stand auf der Insel anmeldete, begannen die Probleme. Die Kraftwerk AG gab ihm keine Bewilligung, auf der Insel zu bleiben.

Lang musste seine Zelte bei der Insel abbrechen und siedelte zu seinem heutigen Standort am Birsköpfli um. «Wegen dem Standortwechsel vermietete ich in diesem Jahr halb so viele Bretter», sagt er.

Lang befindet sich mit seinem Angebot zwischen den Fronten. Auf der einen Seite werden ihm Standortwünsche verweigert, auf der anderen Seite erlebt Stand-up-Paddeln einen enormen gesellschaftlichen Aufschwung.

«Komisch» sei dieser Kontrast. Die Gesetzlage ist indes klar: SUPs sind auf dem Rhein grundsätzlich erlaubt. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement bittet SUP-Benutzer lediglich, nicht in der Schifffahrtsrinne zu fahren. Des Weiteren gilt eine Mitnahmepflicht von Schwimmwesten. Ansonsten gelten die gleichen Regeln wie für Rheinschwimmer.

Immer mehr Menschen in Basel steigen auf das wacklige Brett. Die Gemütlichkeit, der Spassfaktor und die sportliche Ganzkörperbetätigung begeistern. «Ein Kursteilnehmer sagte mir einst, er habe sich auf dem Rhein noch nie so frei gefühlt wie beim SUP», erzählt Lang.

Mit seinem Angebot ist er auch für Touristen attraktiv. Mit Basel Tourismus hat er bereits ein gemeinsames Werbeprojekt durchgeführt. In dieser Hinsicht werden dem jungen Innovator keine Steine in den Weg gelegt.

Bei der Kraftwerkinsel sieht die Geschichte anders aus. Die Hoffnung, zukünftig seine gleichmässigen Paddel-Schläge bei der Kraftwerkinsel demonstrieren zu können, hat er aber noch nicht aufgegeben. «Ich hoffe auf einen guten Dialog mit dem Kraftwerk.»

Verwandte Themen:

Autor

Simon Leser

Meistgesehen

Artboard 1