Corona

Im Bezirk Arlesheim liegt der Inzidenzwert höher als in Basel-Stadt: Münchenstein fordert Maskenpflicht

In Münchenstein kann man noch ohne Maske einkaufen. Viele tragen dennoch eine.

In Münchenstein kann man noch ohne Maske einkaufen. Viele tragen dennoch eine.

Während die Stadt die Maskenpflicht nochmals verschärft, hat sie der Landkanton noch gar nicht eingeführt. Die Zahlen sprechen gegen eine solche Entscheidung. Der Druck auf die Regierung nimmt zu.

Massgebend für die Entscheide der Politik, ob verschärfte Massnahmen ergriffen werden, ist der Inzidenzwert bezogen auf die vergangenen zwei Wochen. Das heisst, wie viele Personen sich pro 100000 Einwohner in den letzten 14 Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Diese Annahme galt auf jeden Fall bis anhin. Liegt dieser Wert in einem Gebiet über 60, setzt es die Schweiz auf die Risikoliste. Liege der Wert über 40, so würden die Nordwestschweizer Kantone eine Verschärfung der Coronamassnahmen erwägen. Das sagte der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber noch im August gegenüber dieser Zeitung. Dieser Grenzwert wurde Ende letzter Woche überschritten, gestern lag der 14-Tage-Inzidenzwert im Baselbiet bereits bei 108,3.

Basel-Stadt reagierte bei einem Wert von 41,7

Basel-Stadt beschloss bereits am 20. August eine Maskenpflicht in Verkaufslokalen und Einkaufszentren. Der Inzidenzwert lag zu diesem Zeitpunkt bei 41,7. Aufgrund der wieder ansteigenden Infektionen verschärft der Stadtkanton die Massnahmen per Montag nochmals. Auch in Solothurn muss man seit dem 3. September eine Maske tragen. Somit wehren sich noch der Aargau und Baselland gegen die Einführung einer Maskenpflicht in Läden.

Als Erklärung für das erneute Zuwarten trotz markant steigender Fallzahlen gibt der Kanton Baselland die noch immer tiefliegende Hospitalisierungen an. Aktuell (Stand 16.10.) liegen vier Personen mit einer Coronainfektion im Spital. Auf die Intensivstation musste bisher noch niemand verlegt werden. An der Pressekonferenz von dieser Woche gab Thomas Weber zwei Bedingung an, damit er eine Maskenpflicht einführt: hohe Fallzahlen und eine starke Auslastung der Spitäler.

Die Zahlen sind regional sehr unterschiedlich

Gesamtkantonal steigt zwar der 14-Tage-Inzidenzwert, schaut man jedoch genauer hin, zeigt sich je nach Bezirk ein sehr unterschiedliches Bild. In Arlesheim liegt der Wert bei 118,3. Dieser liegt somit sogar höher als in der Stadt. Dass die Zahlen dort am höchsten sind, erstaunt wenig, grenzt Arlesheim doch unmittelbar an den Stadtkanton. In Laufen hingegen liegt der Wert gerade einmal bei 54,6. Auch Waldenburg (80,7) liegt deutlich tiefer als Basel-Stadt, Sissach (105,4) leicht darunter und Liestal (109.5) etwa gleich auf. Schon Ende August gab es die meisten registrierten Ansteckungen in Pratteln, gefolgt von Allschwil, Reinach, Binningen sowie Muttenz und Birsfelden. Besonders die Agglomerationsgemeinden sind also von den wieder ansteigenden Fallzahlen betroffen.

Der Druck auf die Kantonsregierung steigt

Diese Tatsache macht der Gemeindepräsidentin von Münchenstein, Jeanne Locher, zu schaffen. Mit Sorge blickt sie auf die steigenden Fallzahlen. Der Entscheid der Baselbieter Regierung, vorerst auf eine Maskenpflicht zu verzichten, kann sie nicht nachvollziehen. «Jetzt gilt es, um jeden Preis einen zweiten Lockdown zu verhindern», sagt sie, «eine regional unterschiedliche Handhabung der Massnahmen macht keinen Sinn.» Aus diesem Grund wandte sich der Gemeindeführungsstab von Münchenstein diese Woche mit einem Brief an den Kanton. Darin fordert er die Einführung der Maskenpflicht analog zum Stadtkanton. Doch nicht alle Gemeinden in Stadtnähe wünschen sich eine unmittelbare Verschärfung. Nicole Nüssli, Gemeindepräsidentin von Allschwil, steht hinter dem Entscheid des Kantons: «Im Moment ist es vor allem wichtig, die Menschen nicht zusätzlich nervös zu machen.» Sie stützt die Haltung des Kantons, dass vor allem die Hospitalisierungen ausschlaggebend sind.

Gestern sprach sich dann die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren für eine flächendeckende Maskenpflicht aus. Der Druck auf die Baselbieter Regierung steigt. Zudem fordern die Gesundheitsdirektoren eine bundesrechtliche Lösung der Maskenpflicht. Der Kanton Baselland würde also zu einer Einführung gezwungen, eine Entscheidung von Thomas Weber würde obsolet.

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