Momentan verlässt das Läufelfingerli den Bahnhof Sissach jeweils um :31 in Richtung Olten. Dort wartet es einige Minuten und fährt um :02 zurück ins Oberbaselbiet.

Während des ganzen Tages tuckert der Regionalzug so auf der alten Hauensteinlinie hin und her. Das wird auch künftig der Fall sein, denn die Bahn darf weiterfahren. Nach der gewonnenen Volksabstimmung ist jedoch die Idee aufs Tapet gebracht worden, die Abfahrtszeiten umzukehren. In Sissach soll das Läufelfingerli zur vollen und in Olten zur halben Stunde losfahren.

Bauarbeiten als Probephase nutzen

Die Buckter SP-Landrätin Sandra Strüby fordert mit einem Vorstoss den Regierungsrat auf, die Machbarkeit einer Umkehrung zu prüfen. Der heutige Fahrplan des Läufelfingerli hat erst seit Dezember 2010 Bestand. Zuvor galten die von Strüby gewünschten Abfahrtszeiten. Nach dem Wechsel vor sieben Jahren waren die Fahrgastzahlen der S9 um rund zehn Prozent zurückgegangen.

Mit einer Wiederherstellung der einstigen Verhältnisse soll nun die Attraktivität des Zugs wieder steigen. «Ich finde, das sind sehr wichtige Überlegungen», sagt Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel. Und dann weist sie auf einen Fakt hin, der bisher in den Diskussionen ums Läufelfingerli noch nicht aufgetaucht ist: «Im Jahr 2019 wird eine Umkehrung der Abfahrtszeiten sowieso notwendig.» Von April bis Oktober wird der Bahnhof in Oensingen behindertengerecht umgebaut.

Da in Oensingen während der sieben Monate keine Schnellzüge halten können, verkehrt ein Shuttlezug nach Olten. Dieser würde dort auf demselben Gleis und zeitgleich in entgegengesetzter Richtung ankommen wie das Läufelfingerli. «Das ist aus Sicherheitsgründen nicht zulässig», erklärt Stephanie Fuchs. Deshalb muss das Läufelfingerli über die Klinge springen und zu einer anderen Zeit abfahren. Anders sei es aufgrund des enormen Betriebs im Bahnhof Olten nicht möglich.

Die vertauschten Abfahrtszeiten während der Bauarbeiten sollen als Probephase dienen. «Es ist realistisch, dass die Fahrgastzahlen wieder steigen werden», prophezeit Fuchs. Die Anschlüsse in Olten und vor allem in Sissach wären beim umgedrehten Fahrplan deutlich besser. Vielleicht erhöhe sich dadurch die Attraktivität des Läufelfingerli derart stark, dass man entscheide, die geänderten Abfahrtszeiten definitiv einzuführen.

Im Kanton Solothurn, wo die folgenreichen Bauarbeiten stattfinden werden, hat man ein offenes Ohr für die Idee der umgekehrten Abfahrtszeiten. «Der Vorstoss kann eine Chance sein. Hier wird eine berechtigte Frage auf den Tisch gebracht», hält der Solothurner Verkehrsplaner Daniel Schwarz fest. Der Kanton Solothurn sei bereit, «gemeinsam mit unserem federführenden Partner Baselland jeden Vorschlag zur Attraktivitätssteigerung der S 9 anzuschauen».

Sommerau wird nicht bedient

Nach dem Ende der Bauarbeiten im Oktober 2019 müssten die SBB entscheiden, wie das Läufelfingerli weiterfährt. «Ich muss vor Illusionen warnen.» Das Eisenbahnnetz in der Schweiz sei derart dicht, dass es nicht leicht werde, die Vertauschung beizubehalten, sagt Schwarz. Die Baselbieter öV-Delegierte Eva Juhasz sieht es ähnlich: «Gemäss den Rückmeldungen der SBB und wenn ich die laufenden Arbeiten zu den Gesamtkonzepten für den Fahrplan 2030/35 anschaue, schätze ich die Chancen als gering ein, dass der Fahrplan so fortbestehen kann.» Nichtsdestotrotz unternehme man seitens Kanton alles, was im Rahmen der Möglichkeiten liege, damit die Anschlüsse der S 9 in Olten verbessert werden können.

Während der Bauphase in Oensingen wird im Homburgertal die Läufelfingerli-Haltestelle Sommerau nicht bedient werden. «Das Angebot ist also nicht dasselbe», sagt Juhasz. «Die Personen, die dort einsteigen, sind im Nachteil», erklärt auch Stephanie Fuchs vom VCS. An dieser Haltestelle steigen täglich rund 50 Personen ein und aus. Letztlich gehe es darum, die Vor- und die Nachteile der vertauschten Abfahrtszeiten gegeneinander abzuwägen.