Abstimmung

Im Stresstest: Läufelfingerli-Ersatz sorgt für Faktenstreit

Solidarität bekundet: Zumindest einige Laufentaler haben ein grosses Herz für das Läufelfingerli. Wie viele es sind, wird sich am 26. November zeigen.

Solidarität bekundet: Zumindest einige Laufentaler haben ein grosses Herz für das Läufelfingerli. Wie viele es sind, wird sich am 26. November zeigen.

Im Abstimmungskampf um die Zukunft des Läufelfingerlis dominiert die Frage, wie die Alternative – ein durchgehender Busbetrieb zwischen Sissach und Olten – aussehen würde. VCS-Geschäftsführerin Stephanie Fuchs wirft der Bau- und Umweltschutzdirektion vor, sie halte wichtige Zahlen und Fakten zum Busbetrieb zurück.

In knapp zwei Wochen stimmt das Baselbiet über die Stilllegung der S-Bahnlinie 9 zwischen Sissach und Olten ab. Der Abstimmungskampf dreht sich derzeit um die Frage: Wie sieht der geplante Busbetrieb anstelle des Läufelfingerlis aus? «Die Fakten für den Busbetrieb liegen nicht auf dem Tisch», findet Stephanie Fuchs, die Geschäftsführerin des VCS beider Basel. Die Bevölkerung im Homburgertal kaufe mit dem Bus die Katze im Sack. Ein verbindlicher Busfahrplan liegt erst im März 2018 vor – lange nach der Abstimmung. Nicht einmal klar sei, ob auf der Buslinie künftig Gelenkbusse verkehren. Zudem sei der Eindruck entstanden, dass die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) einige Zahlen und Fakten nicht eruieren, andere nicht veröffentlichen wolle, sagt Fuchs. Die Regierung hat sich für die Stilllegung der S9 ausgesprochen, ebenso der Landrat. Mit der Umstellung von Bahn auf Bus will der Kanton mindestens 840'000 Franken pro Jahr sparen.

«Vergleich bringt nichts»

Auf Kritik bei den Gegnern der Stilllegung stösst, dass der Kanton keine Kostenevaluation durchgeführt hat, als im Frühjahr wegen einer Baustelle auf der alten Hauenstein-Linie Busse statt der Bahn verkehrten. Diese Gelegenheit hätte er beim Schopf packen müssen, sagte Grünen-Landrätin Florence Brenzikofer kürzlich. Zwar publizieren die SBB zum Bahnersatz keine Zahlen. Ein Schriftwechsel zwischen VCS-Geschäftsführerin Fuchs und den SBB macht indes deutlich, dass der Kanton diese hätte in Erfahrung bringen können.

Eva Juhasz, in der BUD für den öffentlichen Verkehr zuständig, bestätigt diesen Sachverhalt – und kontert: «Dieser Vergleich bringt aber nichts. Das Bahnersatzangebot von vergangenem Frühjahr entspricht nicht der Buslinie, wie sie geplant ist.» Dies schon deshalb nicht, weil die Linienführung nicht identisch sei: So wird etwa der künftige Bus die Solothurner Gemeinde Wisen anfahren; der erwähnte Bahnersatz habe – wie dies üblich sei – bloss die Gemeinden an der heutigen Bahnlinie bedient. Auch lässt Juhasz durchblicken, dass die Kosten für das künftige Busangebot tiefer sein könnten, da die Linie öffentlich ausgeschrieben werde. VCS-Geschäftsführerin Fuchs überzeugen diese Argumente nicht. «Es ist seltsam, dass der Kanton nicht sämtlichen relevanten Informationen zu rate zieht.»

Gelenkbus fährt über Passwang

Der VCS kritisiert ferner, dass die BUD den Viertelstunden-Takt durch Überlagerung zweier Buslinien «frei erfunden» habe. Bloss zwischen Buckten und Rümlingen verkehrten zu den Stosszeiten vier Busse pro Stunde – diese fahren aber nicht in einem echten Viertelstundentakt, sondern kurz nacheinander ab. Eva Juhasz entgegnet: Ein sauberer Viertelstundentakt würde aus Kundensicht kaum Sinn machen. «Entscheidend ist, dass die Anschlüsse gewährleistet werden.» Die Verdichtungskurse seien auf die Anschlusszüge in Olten sowie in Sissach von und Richtung Basel ausgelegt. So entstehe ein ungefährer 8/22-Minuten-Takt, wie er heute auf der Linie 107 (Sissach-Eptingen) existiere.

Die Kritik, dass zum Bus vieles offen seien, weist Juhasz zurück: «Die wesentlichen Parameter sind bekannt, dazu gehören die Anzahl der Kurspaare, der grobe Fahrplan und die Anschlüsse in Sissach und Olten.» Ob auf der Buslinie Standard-, Gelenkbusse oder beide kombiniert unterwegs seien, hält Juhasz für nicht entscheidend. Zum Argument der Gegner, Gelenkbusse könnten im Winter am Unteren Hauenstein stecken bleiben, sagt Juhasz. «Bereits heute fahren Gelenkbusse ganzjährig via Langenbruck über den Oberen Hauenstein sowie über den wesentlich steileren und höher gelegenen Passwang.»

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