Universität Basel

Im Unirat kommts zum Umbruch – drei Baselbieter sind für Wiederwahl zu alt

Der Kanton Baselland sucht per Zeitungsinserat, das auch in der bz erschienen ist, nach neuen Uni-Räten.

Der Kanton Baselland sucht per Zeitungsinserat, das auch in der bz erschienen ist, nach neuen Uni-Räten.

Drei Baselbieter Vertreter des Universitätsrats dürfen aufgrund ihres Alters nicht wiedergewewählt werden. Per Zeitungsinserat werden neue Mitglieder gesucht – in Basel läufts ganz anders.

Hinter den Kulissen verhandeln die Regierungen beider Basel derzeit über die Finanzierung der gemeinsamen Universität. Ein Bestandteil ist die anstehende Neubesetzung des Universitätsrats für die kommenden vier Jahre.

In der fünfköpfigen Baselbieter Delegation kommt es zum grossen Umbruch: Gleich drei Baselbieter Vertreter, der Reinacher Unternehmer Klaus Endress, Life-Sciences-Berater Dieter Scholer sowie Paul Herrling, Leiter Corporate Research bei Novartis, dürfen wegen ihres Alters nicht zur Wiederwahl antreten. Gemäss den Richtlinien zur Public Corporate Governance (PCG) des Kantons sind nur Personen wählbar, die bei Amtsantritt das 66. Altersjahr noch nicht vollendet haben.

Gesetz verpflichtet zu Inserat

Heute gewiss ist aus Baselbieter Sicht bloss etwas: Dass Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) von Amtes wegen auch ab 2018 im Unirat sitzen wird. Im elfköpfigen Gremium verbleiben will zudem Kathrin Amacker. Die in Binningen wohnhafte Kommunikationschefin der SBB ist seit 2014 im Unirat. Allerdings muss sich Amacker dafür ordentlich bewerben. Der Kanton Baselland hat nämlich «seine» Uniratsmitglieder erstmals in einem Zeitungsinserat ausgeschrieben.

Ist das Ausdruck des kolportierten Bestrebens von Gschwind, in den Unirat frischen Wind bringen zu wollen? Die Antwort ist einfacher: Es sind wiederum die am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen PCG-Richtlinien, die den Kanton zur Ausschreibung verpflichten. Dies gilt für sämtliche Institutionen, an denen er beteiligt ist.

Mit der Ausschreibung, die bis zum 20. April läuft, soll ein möglichst grosser Kreis interessierter und geeigneter Personen erreicht werden, heisst es aus Gschwinds Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD). Amacker hat keine Mühe damit, dass sie sich als Bisherige dem ordentlichen Bewerbungsverfahren stellen und wie andere ihr Dossier samt Motivationsschreiben einreichen muss. Die Wahl durch die Regierungen wird nach den Sommerferien erwartet.

Keine Rücktritte in Basel-Stadt

Allerdings: Der Partnerkanton Basel-Stadt hat zur Besetzung seiner fünf Sitze keine Ausschreibung vorgenommen und wird dies auch nicht tun, wie Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements, auf Anfrage festhält. In der Stadt gibt es kein Gesetz, das den Kanton dazu verpflichtet.

In Basel-Stadt würden denk- und wünschbare Kandidaten wie bisher direkt angesprochen, sagt Thiriet. Zudem zeichnet sich in der Stadt keine Erneuerung im grossen Stil ab: «Bisher sind keine Rücktritte eingereicht worden. Der Kanton sucht deshalb auch keine neuen Mitglieder», sagt Thiriet.

Welches ist nun das bessere Verfahren – die öffentliche Ausschreibung im Baselbiet oder die gezielte Auswahl durch die Regierung in der Stadt? Die Departemente hüten sich, das Verfahren des anderen zu kritisieren. Die offene Ausschreibung gilt als transparenter. Jeder kann sich bewerben, die Spiesse sind gleich lang. Eine Ausschreibung sei der breitere Ansatz, der zu unkonventionelleren Nominationen führen könne, findet Amacker.

Sie sieht aber auch Vorteile in der direkten Ansprache: «Damit können allenfalls Persönlichkeiten gewonnen werden, die sich selber nie bewerben würden.» Bei der BKSD betont man mit Nachdruck, dass man die Ausschreibung nicht pro forma vorgenommen habe, sondern wirklich Uniratsmitglieder suche.

Überflüssiger Unirat?

Kontrovers wird beurteilt, inwiefern die Uniratsmitglieder die Interessen ihres Trägerkantons vertreten müssten. Die Baselbieter Uniratsmitglieder Dieter Scholer und Kathrin Amacker gaben kürzlich gegenüber «Telebasel» zu verstehen, dass sie sich nicht primär als Kantonsvertreter, sondern als Experten sehen.

Amacker erklärt der bz, dass sie eine Verpolitisierung für falsch halten würde: «Ein Universitätsrat mit kantonalem Stimmzwang würde sich selber überflüssig machen». Dann könnten die Regierungen sämtliche Traktanden gleich selber behandeln. Die Kantonszugehörigkeit der Unirats-Mitglieder habe bisher keinerlei Rolle gespielt. Sie habe in der Ausschreibung nichts von einem Stimmzwang gelesen. «Zum Glück», fügt Amacker an.

Die BKSD gibt sich zurückhaltend: Mit der Ausschreibung werde nicht nur eine Professionalisierung, sondern auch eine Entpolitisierung angestrebt. Regierungsrätin Gschwind sagte in der bz kürzlich aber auch, dass die Uniratsmitglieder ihre Tätigkeit im Einklang mit der Eigentümerstrategie des Kantons ausüben müssten.

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