Pratteln

Im Visier von Naturfreunden: Initiative stellt Salina Raurica plötzlich infrage

Die Ebene, wo Salina Raurica geplant ist, wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Manche möchten, dass sie grün bleibt.

Die Ebene, wo Salina Raurica geplant ist, wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Manche möchten, dass sie grün bleibt.

Umweltschützer aus Pratteln sammeln Unterschriften: Die Volksinitiative verlangt, dass das grösste Entwicklungsgebiet des Baselbiets grün bleiben soll.

Seit Jahren träumen die Baselbieter Behörden von einer rosigen Zukunft für Salina Raurica. Auf der Ebene zwischen Pratteln und Augst soll ein neues Quartier mit 2000 Bewohnern und nochmals so vielen Arbeitsplätzen entstehen. Die sprudelnden Unternehmenssteuern sollen die Staatsfinanzen langfristig stabilisieren, so die Hoffnung des Kantons und der beiden Standortgemeinden.

Doch jetzt droht aus Pratteln Gefahr für das Jahrhundertprojekt. Eine lose Gruppe parteiloser Prattler Bürger hat eine kommunale Volksinitiative lanciert, die fordert, Salina -Raurica solle vollständig unbebaut bleiben. Das Areal soll im Prattler Zonenplan zu einer Zone umgewandelt werden, «deren Nutzung noch nicht bestimmt ist oder in der eine Nutzung erst später zugelassen wird», heisst es im Text der Initiative. Das kantonale Raumplanungsgesetz lässt solche Zonen ausdrücklich zu.

Investoren haben bereits Geld ausgegeben

Das Ziel der Initianten ist klar: Salina Raurica verhindern. Ihrer Meinung nach soll das Areal grün bleiben. «Es gibt dort Eidechsen, und Vögel, in den Schrebergärten kommt regelmässig ein Fuchs vorbei», sagt Denise Stöcklin, ehemalige Gemeinderätin (parteilos) und eine der Initiantinnen. Salina Raurica ist für sie «keine günstige Entwicklung für Pratteln», die Leute hätten langsam genug vom Beton. «Aber wenn man das denjenigen sagt, die dort Millionen verdienen können, lächeln sie nur milde.»

Losinger Marazzi, das für Salina Raurica zuständige Planungsunternehmen, hat versucht, die Überbauungskritiker mit der Gemeinde an einen Tisch zu bringen. «Sie haben das Gespräch leider abgelehnt», sagt der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP).

Dieser rechnete danach eher mit der Einreichung einer Petition als mit einer Initiative. Zum heutigen Zeitpunkt geht er davon aus, dass Salina Raurica mit Annahme der Initiative sterben würde.

Dann stelle sich die Frage von Entschädigungszahlungen. «Salina Raurica ist im kantonalen Richtplan und die Verlegung der Rheinstrasse beginnt am 2. September», sagt er. «Zudem haben wir Investoren, die viel Geld ausgegeben haben. Wie entschädigen wir diese, wenn die Planung abgebrochen wird?» Vielleicht sind Burgunders Befürchtungen aber auch unbegründet.

Denn der kantonale Raumplaner Martin Kolb meint, eine Änderung des Zonenplans verstosse gegen den Grundsatz der Planungsbeständigkeit, die die Investoren schützt. Pratteln habe die Vorschriften erst vor rund zwei Jahren geändert. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine erneute Änderung vor Gericht standhalten würde.»

Grüne Ideen haben Erfolgschancen

Zumindest formal hat die Gemeinde das Volksbegehren für gültig erklärt. Jetzt braucht es 500 Unterschriften für das Zustandekommen. «Das schaffen wir», ist Stöckli überzeugt. Von wem sie und ihre Mitstreiter Unterstützung erhalten, ist allerdings offen. Mit Parteien will Stöckli nicht zusammenarbeiten. «Wir haben in Pratteln gar keine echten Grünen», sagt sie. «Bisher waren alle Parteien für Salina Raurica.»

Das Anliegen, Grünflächen zu erhalten, findet in Pratteln durchaus Anklang. Vor zwei Jahren befanden 59 Prozent der Stimmbürger, gemeindeeigene Grünflächen in Wohnzonen müssten erhalten bleiben. Und 2004 beschlossen 70 Prozent, das Gebiet Blözen nicht zu überbauen. Damals federführend im Widerstand gegen eine Überbauung: Denise Stöckli.

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