Baselland

Im Würgegriff des Bürgermeisters: Sanierung der Burg Landskron verzögert sich

Auf der Ruine Landskron ist der Pulverturm (rechts) eine Gefahr für Besucher.

Auf der Ruine Landskron ist der Pulverturm (rechts) eine Gefahr für Besucher.

Nach einem skurrilen Machtkampf hätte die Sanierung des Pulverturms der Burg Landskron losgehen können. Doch dann kam das Coronavirus.

Der Pulverturm auf der Burg Landskron ist dringend sanierungsbedürftig. «Es könnten grössere Steine herunterfallen», sagt Jürg Tischhauser, Vizepräsident des französisch-schweizerischen Vereins Pro Lands-kron, dem die Burg gehört. Zudem brauche der grosse Turm ebenfalls Reparaturen. Der Verein wollte die Sanierung schon 2013 vornehmen. Doch dem stand bis vor kurzem ein skurriler Streit entgegen, nämlich zwischen zwei ehemaligen Bürgermeistern (Maire) der elsässischen Gemeinde Leymen, auf dessen Boden die Ruine steht.

Er begann 2014. Damals erhob der frisch gewählte Maire Patrick Oser Anspruch auf das Präsidium von Pro Landskron. Dabei berief er sich auf die Statuten des Vereins. Dieser änderte daraufhin seine Statuten, damit Danielle Ott Präsidentin bleiben könne. Entscheidendes Detail: Ott war Osers Vorgängerin in der Mairie, sie war vom Stimmvolk abgewählt worden.

Die Gemeinde räumte den Müll nicht mehr weg

Laut Oser hätte Ott nun auch an der Spitze des Vereins einem Vertreter des neuen Bürgermeisterteams Platz machen sollen, vor Ablauf ihrer Amtszeit. Der amtierende und die ehemalige Maire waren so zerstritten, dass die Gemeinde Pro Landskron vor Gericht zog. Der Verein hätte eigentlich eine gültige Baubewilligung gehabt, ausgestellt von der für Burgen zuständigen Direction régionale des Affaires culturelles (Drac) Grand Est in Strassburg.

Um mit der Sanierung loszulegen, fehlte nur noch das grüne Licht aus der Maire in Leymen. Doch das verweigerte Oser standhaft. Zudem räumte die Gemeinde auf sein Geheiss hin den Abfall auf der Ruine nicht mehr weg, die Beleuchtung bezahlte sie auch nicht mehr. Und aus Strassburg kriegte der Verein bald mal zu hören, die Genehmigung gelte erst nach Beilegung des Rechtsstreits.

Die Richter gaben der Gemeinde recht, der Verein ging in Berufung. Doch das spielte bald keine Rolle mehr. Denn 2018 musste sich Maire Oser vorgezogenen Neuwahlen stellen, nachdem ihn sein Regierungsteam im Stich gelassen hatte. Das Volk wählte ihn nach einem heftigen Wahlkampf ab, an seine Stelle trat Rémy Otmane. Der wiederum ist dem Verein freundlich gesinnt. Er sitzt selber im Vorstand, erhebt aber keinen Anspruch, das Präsidium zu übernehmen. Dieses Amt hat weiterhin Danielle Ott.

Und vor allem hat Otmane das Rechtsverfahren der Gemeinde gegen den Verein Pro Landskron sistiert. Dieser musste aber bei der Drac ein neues Gesuch einreichen. Die neue Baugenehmigung traf Ende 2019 beim Vorstand ein. Die Behörden wählten von zwei Baufirmen eine aus, die die Sanierung durchführen soll. «Eigentlich hätten die Arbeiten im April oder Mai beginnen sollen», sagt der Vereinsvizepräsident Jürg Tischhauser. Nur macht ihm jetzt die Coronakrise einen neuen Strich durch die Rechnung.

Der neue Maire sitzt jetzt fest im Sattel

Denn in Frankreich steht derzeit fast alles still, und die Finanzierung ist unsicher geworden. Die französischen Behörden hatten ihre Beiträge an die 200'000 Euro teure Sanierung eigentlich gesprochen. «Aber es ist gut möglich, dass sie ihre Zusagen zurückziehen», sagt Tischhauser. «Leider ist in einer Krise die Kultur meistens das, was als Erstes gekürzt wird.» Basel-Stadt hatte vor dem Rechtsstreit bereits 10'000 Franken bezahlt. Bei den Kantonen Solothurn und Baselland muss Pro Landsfkron neue Anträge stellen. Geld dürfte auch vom Baselbieter Swisslos-Fonds fliessen, zudem hofft man auf private Spenden.

So bleibt weiterhin unklar, wann und ob überhaupt die Sanierung der Burg loslegen kann. «Ich kann ja zur Zeit nicht mal selber zur Burg gehen», sagt Tischhauser, der in der Schweiz wohnt. Ein schwacher Trost für ihn: Seitens der Leymener Mairie droht dem Verein nicht mehr so bald Unheil. Otmane wurde am 15. März im ersten Wahlgang wiedergewählt, mit einem Stimmenanteil von 100 Prozent.

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