Eidgenössischer Fachausweis der Imkerei

Imkerin Maria Corpataux über ein Hobby, das man in der Schweiz kaum zum Beruf machen kann

Maria Corpataux aus Tenniken hat das eidgenössische Diplom als Imkerin erworben. Sie war heuer die einzige Frau aus dem Baselbiet neben zwei Männern.

Maria Corpataux aus Tenniken hat das eidgenössische Diplom als Imkerin erworben. Sie war heuer die einzige Frau aus dem Baselbiet neben zwei Männern.

Weshalb die Oberbaselbieterin Maria Corpataux die Ausbildung zur eidgenössisch diplomierten Imkerin absolviert hat.

Die 45-jährige Maria Corpataux aus Tenniken hat als Imkerin den eidgenössischen Fachausweis erworben. Zu den 28 weiteren Deutschschweizer Absolventinnen und Absolventen gehörten aus dem Baselbiet auch Raphael Giossi (Pratteln) und Thomas Mumenthaler (Gelterkinden).

Wie lange dauerte diese Ausbildung?

Maria Corpataux: Insgesamt vier Jahre mit 27 Ausbildungstagen, die auf fünf Module verteilt waren.

Welche Bereiche standen im Zentrum?

Leben der Bienen und ihr Umfeld, Bienenhaltung, Bienenprodukte, Volkserneuerung und Bienengesundheit.

Wie wurde geprüft?

Wir mussten eine Diplomarbeit schreiben. Ich wählte das Thema Drohnenvölkerführung. Auch mussten wir zum Abschluss mündliche Prüfungen bestehen.

Was bringt Ihnen dieses Diplom?

Gar nichts (lacht). Spass beiseite. Ich bin Betriebsberaterin und darf Grundkurse durchführen. Ich absolvierte die Imkerschule, damit ich mich mit sämtlichen Aspekten der Imkerei auseinandersetzen konnte. Mein Vater und ich züchten Königinnen, worauf der Schwerpunkt unserer Imkerei liegt. Die Zucht interessiert mich auch sehr; das finde ich etwas Sinnvolles – vor allem bei uns in dicht besiedeltem Gebiet. Die Kompetenzen, die ich mir während der Ausbildung angeeignet habe, bringen mir etwas. Egal, was ich damit anfange. In der Schweiz sind Arbeitsstellen, die direkt mit Bienenhaltung zu tun haben oder für welche diese Ausbildung nützlich sind, dünn gesät. Die Biene ist nach dem Schwein und der Kuh das drittwichtigste Nutztier. Imkerei wird von Leuten als Hobby betrieben. Wie das längerfristig aussieht, ist ungewiss.

Pestizide und Varroamilbe setzen den Bienen zu. Sind diese in Gefahr?

Mit Blick aufs Ganze muss man wissen, dass seit 1970 der Bestand an Insekten um ein Drittel zurückgegangen ist. Das Problem ist nicht, dass die Bienen gefährdet sind, sondern dass das ganze System nicht wahnsinnig gesund ist. Ich glaube, den Bienen geht es noch am besten, weil wir Menschen sie auch als Bindeglied wahrnehmen und zu diesem Individuum Kontakt haben. Aber es gibt extrem viele Arten von Wildbienen, die vom Aussterben bedroht sind.

Seit wann frönen Sie Ihrem Hobby?

Seit zehn Jahren.

Wie gross ist der zeitliche Aufwand?

Er ist nicht in jeder Jahreszeit gleich hoch. Von Ende Februar bis im September gibts Spitzenzeiten, während denen meine langen Arbeitstage von der Imkerei geprägt sind. Mit meinem Vater zusammen betreue ich im Diegtertal bis 100 Völker. Heuer züchteten wir weniger Königinnen, die letzten Jahre waren es 400. Das alles ist ein riesiger Aufwand.

Welche Art Honig produzieren Sie?

Was die Bienen bringen – primär Mischhonig, was oft kein reiner Blütenhonig ist.

Ist heuer ein gutes Honigjahr?

Ja.

Mit welchem Ertrag rechnen Sie?

Pro Volk geht man in einem guten Jahr von durchschnittlich 15 Kilo Honig aus, dieses Jahr sind es deutlich mehr.

Wer sind Ihre Kunden?

Privatpersonen; Leute, die uns kennen. Wir müssen nicht gleich allen Honig verkaufen, so haben wir Reserven für schlechte Jahre. Bei uns steht der Honig ohnehin nicht im Zentrum der Imkerei.

Kann man hierzulande das Bienenhalten als Haupterwerb ausüben?

Ich behaupte, dass dies nicht möglich ist. Ich kenne mehrere Personen, die in Kombination mit Partnerhilfe imkern; die arbeiten auch mit Beutesystem. Mit diesem System sind bessere Voraussetzungen gegeben, weil man wandern kann und die Bienen beispielsweise in den Alpen unterwegs sein können. In der Schweiz haben wir vorwiegend intensiv genutzte Landwirtschaft, was ein gutes Angebot für Bienen erschwert.

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