In Liestal waren es 63 Personen. In Allschwil 49. In Birsfelden 52. Alle haben im vergangenen Jahr bei der Fachstelle für Schuldenfragen Baselland Hilfe gesucht. So hoch sind die Zahlen zwar nicht überall, aber in 57 Baselbieter sowie 9 Solothurner Gemeinden kam dies 2018 vor. 

Insgesamt gab es 697 Ratsuchende. «Und es werden immer mehr», sagt Diana Häner, Leiterin der Fachstelle – mit gleichbleibenden Ressourcen. «Wir sind zu viert, hätten aber Arbeit für sechs», sagt sie. Mit den Beiträgen von Gemeinden – 1.30 Franken pro Einwohner und Jahr – sowie den Honorareinnahmen lässt sich der Aufwand kaum decken.

Junge Menschen «erben» Schulden von den Eltern

Besonders junge Menschen tauchen vermehrt bei Häner in der Beratung auf. Doch manchmal ist das nicht ihre eigene Schuld, erklärt Häner. Wenn sie 18 sind, ‹erben› sie die Schulden von ihren Eltern, welche die Krankenkassenprämien ihrer Kinder nicht bezahlt haben.

Das Problem ist bekannt. Aber: «In den letzten Jahren hat sich das stark verschärft», ist Häner besorgt. Daraus entsteht ein weiteres Problem: Junge Menschen, die wegen der geerbten Schulden keine eigene Wohnung finden.

Dies hat sich in Häners Berufsalltag zu einem wichtigen Thema entwickelt. Begonnen habe es vor rund sieben Jahren. Seither wächst die Zahl an Klienten, die deswegen den Kontakt zur Schuldenberatung suchen. Es sei schwer, zu schätzen, wie viele Baselbieter betroffen sind. «Aber die Dunkelziffer ist wahrscheinlich relativ hoch», sagt Häner. Diejenigen, die in dieser Situation die Schuldenberatung aufsuchen, seien nur ein kleiner Teil.

Einmaleins der Finanzen soll in die Lehrpläne

Den Jugendlichen bei der Wohnungssuche zu helfen, stelle oft eine Herausforderung dar. Denn wenn ein Vermieter Kulanz für die Situation zeigt, liegt eine eigene Wohnung für viele verschuldete junge Erwachsene trotzdem nicht im Budget.

Krankenkassenschulden sind privilegierte Schulden, die zu 100 Prozent abgezahlt werden müssen. Ein Lohn, der zu Beginn des Erwerbslebens relativ niedrig ist, wird durch das Abzahlen der Schulden über eine Einkommenspfändung auf das Existenzminimum reduziert.

Auch, wenn es ein Schuldner schafft, das Geld für die Miete und die Kaution aufzubringen, ist es nicht leicht, mit Betreibungen eine Wohnung zu finden. «Man muss sehr gute Überzeugungsarbeit leisten», sagt Häner. Für sie gibt es aber eine klare Lösung für das Problem: Die Krankenkassenprämien sollen direkt vom Lohn abgezogen werden.

Häner trifft auch junge Menschen an, die sich selber verschuldet haben. In diesem Bereich versucht sie, präventiv zu arbeiten: Das Team bietet Workshops an, in denen es Abschlussklassen der Sekundarstufe die Basics beibringt.

«Die meisten wissen nicht einmal, dass man ab 18 eine Steuererklärung ausfüllen muss», erzählt Häner. In vielen Familien werden diese Themen nicht besprochen, sagt sie. Mit den rund 20 Workshops, welche die Fachstelle jährlich durchführt, ist das Problem aber nicht gelöst. Häner hat deshalb eine klare Meinung: Das Thema soll im Lehrplan Platz finden.