Überraschende Zahlen

In den beiden Basel gibt es weniger Konkurse als im letzten Jahr: Erwartet wird eine Flut und keine Welle

Den Gang zum Konkursamt mussten dieses Jahr sogar weniger machen als noch 2019.

Den Gang zum Konkursamt mussten dieses Jahr sogar weniger machen als noch 2019.

Die Konkursämter in den beiden Basel verzeichnen weniger Insolvenzanmeldungen als vor einem Jahr. Dass die Konkurse kommen, ist für die zuständigen Ämter klar. Unklar ist, wann das sein wird.

Sie wurde dutzendfach prophezeit in den letzten Monaten: Die grosse Konkurswelle. Doch auf den zuständigen Ämtern in den beiden Basel ist diese bis jetzt noch nicht aufgeschlagen. Die Anzahl Konkurse in der Region sind nicht nur nicht gestiegen, sie sind im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken.

Das verblüfft. Der Shutdown im Frühling brachte Gastronomen, Veranstalter, Clubbetreiber und Ladenbesitzern das Wasser bis zum Hals – die zweite Corona-Welle trifft viele Unternehmen in einem verwundeten Zustand. In den Zeitungen liest man von Einzelschicksalen. Im Stedtli in Liestal mussten mehrere Läden wegen der Pandemie schliessen. Das grösste Basler Hotel, Swissôtel Le Plaza, meldete Mitte November Insolvenz an.

Die Unterstützungsmassnahmen haben Wirkung gezeigt

Diese Realität spiegelt sich – zumindest bis anhin – noch nicht in den rohen Zahlen wider. Das Konkursamt Baselland rechnet 2020 mit rund 100 weniger angemeldeten Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr. In Basel waren es von April bis Oktober 28 weniger Konkurse als 2019. Das reiht sich in das schweizweite Bild ein: Fast 20 Prozent weniger Insolvenzen als in den Jahren davor. Wieso müssen also ausgerechnet im Coronajahr weniger Firmen aufgeben?

Matthias Häuptli, Leiter des Konkursamtes Basel-Stadt geht davon aus, dass die Unterstützungsmassnahmen von Bund und Kanton Wirkung gezeigt haben. Dies hätte in einigen Fällen auch dazu geführt, dass sich Firmen über Wasser halten konnten, die sonst hätten aufgeben müssen. Zudem hat der Bund die Insolvenzbestimmungen wegen der Pandemie geändert. Um die befürchtete Konkurswelle zu verhindern, konnten überschuldete Unternehmen mit der Konkursanmeldung zuwarten. Diese Schutzmassnahme wurde Mitte Oktober allerdings aufgehoben.

Einige Konkursämter rechnen deshalb mit einem grossen Ansturm in den nächsten Monaten. In Zürich wurde sogar das Personal aufgestockt. In den beiden Basel herrscht momentan allerdings noch keine Hektik. «Natürlich machen wir uns Gedanken», sagt Häuptli. «Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch nicht an, dass wir momentan die Kapazitäten aufstocken müssen». Denn auch die Anzahl der Betreibungen, die als Vorboten einer Konkurswelle gelten, seien momentan nicht alarmierend. Auch Reto Tschudin, Leiter des Betreibungs- und Konkursamtes in Baselland zeigt sich locker: «Im Moment ist die Lage für uns nicht allzu beunruhigend.»

Die Konkurse sind nicht aufgehoben, nur aufgeschoben

Dass die Konkurse irgendwann kommen werden, ist für beide klar. Unklar ist nur, wann genau. «Die Konkurse sind nicht aufgehoben, nur aufgeschoben», sagt Tschudin. Aber: «Im Moment können wir davon ausgehen, dass die Konkurse nicht als Welle, sondern eher im Stil einer gleichmässigen Flut kommen werden.» Das sei für die Konkursämter zwar positiv, denn so komme es zu keiner Überlastung. «Für die Wirtschaft ist es aber genau gleich tragisch».

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