Keilerei

In der Bar bedrängt: Baselbieter SVP-Newcomer an der Krawatte gepackt

Der SVP-Newcomer Csaba Zvekan wird nach der Einwohnerratssitzung in einer Bar beim Bier bedrängt.

In Reinach ist es Tradition, nach den Einwohnerratssitzungen zusammen noch ein Bierchen trinken zu gehen. So war es auch am vergangenen Montag. Eine kleine Schar verschob sich nach Ende der Sitzung vom Gemeindehaus in die Rinaco-Bar. Dort wurde es ziemlich laut – und für eine Person auch ziemlich unangenehm.

Ein Gast habe einen der Kommunalpolitiker verbal angegangen, über eine Stunde lang, habe ihn auch an der Krawatte gezogen und heftig auf die Schulter geschlagen. So wurde es der bz zugetragen und von diversen Quellen bestätigt. Beim Angepöbelten handelt es sich um den Präsidenten der Reinacher SVP-Sektion, Csaba Zvekan. Der 51-Jährige kandidiert bei den Gemeindewahlen im kommenden Februar für den Gemeinderat. Der Kontrahent: ein in Reinach bestens bekannter ehemaliger Kommunalpolitiker.

Csaba Zvekan erzählt auf Anfrage: «Ich bin entsetzt. Menschen werden angegangen, die sich fürs Gemeinwohl engagieren wollen. Das kann es einfach nicht sein.»

Polit-Neuling Zvekan: Als Secondo bei der SVP

Der Kontrahent habe ihn angepflaumt, sobald als er das «Rinaco» betreten habe. «Er rief mir zu: ‹He, Du bist doch der von der SVP.› Er sagte, was mir einfalle, ich hätte ja politisch noch nichts geleistet. Ich sei auch kein Reinacher Bürger, ich sei nicht mal richtiger Schweizer, sondern ein Jugo.»

Zvekan ist ungarischstämmig und wurde in Jugoslawien geboren. Er kam als Kind mit seiner Familie in die Schweiz. Als Sänger erlangte er in Heavy-Metal-Kreisen Bekanntheit, 2017 trat er der SVP bei. Der Quereinsteiger hatte noch nie ein öffentliches Amt inne, geht aber regelmässig als Besucher an die Sitzungen des Lokalparlaments.

Zvekan sagt, er habe sich bedroht gefühlt. «Ich kannte den anderen ja nicht. Als er mich an der Krawatte zu sich herunterzog, musste ich mit allem rechnen.» Er könne sich das Verhalten nicht erklären.

Beim Mann mit dem zweifelhaften Verhalten handelt es sich um einen alt Einwohnerrat, der politisch nicht mehr aktiv ist. «Vielleicht fühlte er sich beleidigt, weil ich ihn nicht kannte», sagt Zvekan. «Aber das ist doch kein Grund, sich so daneben zu benehmen.»

«Normalerweise ist er vernünftig und friedlich»

Im «Rinaco» anwesend war auch Adrian Billerbeck, Präsident der SVP-Einwohnerratsfraktion. Er sagt zur bz: «Es war unangenehm, für alle Anwesenden. Ich habe den früheren Ratskollegen noch nie so gesehen. Normalerweise ist er vernünftig und friedlich.»
Der Beschuldigte sagt zur bz, er könne die Aufregung nicht nachvollziehen. «Wir haben laut diskutiert und waren uns nicht einig, ja. Aber als Politiker muss man das aushalten können.

Ich habe früher auch Sprüche zu hören gekriegt.» An das Krawattenziehen und den Schulterschlag könne er sich nicht mehr erinnern. «Es war ein heiterer Abend, und ich habe Zvekan schon ein wenig angezündet, warum er mit seiner Biografie ausgerechnet bei der SVP sei. Aber es bewegte sich wirklich alles noch im Rahmen.»

Zvekan ist anderer Meinung. Er habe dem Alt-Einwohnerrat einen Brief geschrieben, er verlange eine Entschuldigung. Dann sei er bereit, die Geschichte zu vergessen.
Der Beschuldigte zeigt Willen zur Versöhnung. «Wenn sich Herr Zvekan tatsächlich unangemessen behandelt fühlte, bin ich sehr wohl bereit, mich dafür zu entschuldigen.»

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