Ein Blick

In der Klinik herrscht der totale Wahnsinn

Der Psychiatrie-Patient (links) mimt den Arzt und hört sich die Leiden des Privatpatienten an.

Der Psychiatrie-Patient (links) mimt den Arzt und hört sich die Leiden des Privatpatienten an.

In der Rubrik «Ein Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern künftig Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft. Heute wirft Simon Tschopp ein Blick in die Laienbühne Läufelfingen.

«Gut gelaufen. Es läuft.» Regisseur Hans Peter Strub ist zufrieden mit seinen Schauspielern. Diese probten bis Donnerstag die Komödie «Mit Verluscht muesch rächne». Schauplatz des Lustspiels in drei Akten ist das Untersuchungszimmer des Professors einer Klinik. Das Bühnenbild ist sehr detailliert und aufwendig gestaltet. Auch die Bekleidung des neunköpfigen Ensembles bringt Krankenhaus-Atmosphäre in die Läufelfinger Mehrzweckhalle.

Im Schwank überstürzen sich die Ereignisse. Wenn ein Psychiatrie-Patient den Arzt gibt oder ein völlig überforderter Professor als Klinikleiter nicht mehr durchblickt, dann geht auf der Bühne die Post ab und lacht das Publikum. Für scharfe Blicke sorgt die resolut auftretende Inspektorin einer Krankenkasse, die für eine Schauspielerin eines Volkstheaters im Oberbaselbiet viel Haut zeigt.

Der Chefarzt (Mitte) im Clinch.

Der Chefarzt (Mitte) im Clinch.

Martina Meyer, welche die Pflegeassistentin Lisa spielt, ist das Küken der Theatergruppe. Die 23-Jährige ist erstmals dabei. «Ich fühle mich sehr gut in dieser Rolle, sie passt tipptopp», sagt sie. Schon als Kind habe sie «theäterlet». Sie sei aufgefordert worden, es doch einmal zu versuchen. «Und ich habe Lust dazu verspürt. Letztes Jahr haben sie es schliesslich geschafft, mich zu überreden», berichtet Martina Meyer. Diese ist nach der langen Probephase froh, dass es losgeht. «Ich bin gespannt, wie ich beim Publikum ankomme. Ob es mich gut versteht und ob ich auch für meine Grosseltern laut genug rede.»

Der Regisseur freut sich ebenfalls auf die Vorstellungen und weiss aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung: «Wenn sich der Vorhang öffnet und die Zuschauenden applaudieren, dann ist immer gut. Verhält sich das Publikum in diesem Moment ruhig, sind die Akteure auf der Bühne zuerst gehemmt.» Es sei ganz unterschiedlich. Das beste Publikum schaut jeweils am Sonntag zu. Dann sei die Durchmischung besonders gut – Ältere und Kinder, in der vordersten Reihe stets Behinderte aus einem Heim. «Für diese ist das eine wahnsinnige Abwechslung», betont Hans Peter Strub.

Die Laienbühne Läufelfingen – sie zählt rund 70 Mitglieder, davon 16 Aktive – ist fast ein Familienverein. Neben Hans Peter Strub, der Präsident und Regisseur ist sowie zahlreiche andere Aufgaben wahrnimmt, sind weitere sechs Mitglieder des «Strub-Clans» aktiv: Sohn Niki spielt als Professor Streuli die Hauptrolle, seine Frau und seine Tochter stehen auf der Bühne wie auch Hans Peter Strubs Schwager. Strubs Frau und seine Schwester helfen hinter den Kulissen.

Der 72-jährige Hans Peter Strub will noch drei Jahre mit der grossen Kelle anrühren, danach möchte er an Sohn Niki übergeben. Dieser sei aber noch skeptisch, meint Strub, «denn er möchte nicht so viel machen wie ich». Aber eines ist sicher: Im Läufelfinger Theaterverein werden die Strubs vorläufig nicht aussterben.

«Mit Verluscht muesch rächne» Weitere Aufführungen am 25., 26., 29. und 31. März sowie 1. April. Infos auf www.lbl-theater.ch

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