Morgenrot in Hersberg. Nachdem im kleinen Dorf seit mehreren Monaten erfolglos nach einer Kandidatur für den seit Anfang Oktober 2018 vakanten Gemeinderatssitz gesucht worden ist, kommt es nach drei erfolglosen Urnengängen am 27. Januar gar zu einer Kampfwahl. Christian Gürtler und Dieter Reimann stellen sich zur Verfügung.

Der Gemeinderat soll wieder vervollständigt werden und Hersberg eine selbstständige Gemeinde bleiben. Dies sei die Motivation für ihre Bewerbung, wie beide unisono meinen. Vor zehn Jahren wurde das Dorf vom Kanton schon einmal fremdverwaltet. So was soll nicht wieder geschehen.

«Jeder denkt, der andere soll»

«Das ist für mich nicht haltbar», sagt der 57-jährige Reimann. Weshalb hat er sich erst jetzt gemeldet? «Sie kennen das ja: Jeder denkt, der andere soll», antwortet Dieter Reimann und fügt an: Es sei nun an der Zeit, mal seine Schuldigkeit zu tun gegenüber dem Dorf. «Ich wohne seit 25 Jahren hier.»

Reimann, in der familieneigenen Weinhandlung für die Logistik verantwortlich, sieht seine Wahlchancen bei «50:50». Herr Gürtler sei zwar ein Alteingesessener, «ich bin aber auch nicht mehr so neu im Dorf.» Und rührt gleich die Werbetrommel: «Ein Mann – Reimann», ruft er lachend in den Telefonhörer.

Weniger gesprächig zeigt sich Christian Gürtler. Dem 65-jährigen Landwirt «wäre es recht, wenn im Moment nicht zu viel geschrieben würde». Er möchte von sich auch kein Foto in der Zeitung sehen. Zwei Stimmbürger machten Gürtler via Flugblatt als Kandidaten bekannt.

Obwohl sich der Landwirt eine Bedenkzeit ausbedungen hat, scheint er sich nur halbherzig zu bewerben. «Ich werde nicht krank, wenn ich nicht gewählt werde», meint Christian Gürtler trocken.

Stein vom Herzen gefallen

Gürtler ist in Hersberg geboren und dort aufgewachsen. Er hat früher in Kommissionen der Gemeinde mitgewirkt. Die beiden amtierenden Gemeinderätinnen kennt Gürtler von den Gemeindeversammlungen her, aber nicht näher. Dieter Reimann, dem sie schon lange bekannt sind, kann sich gut vorstellen, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Iris Allenspach Bachmann, die seit 1. Oktober als Gemeinderats-Vizepräsidentin zusammen mit Andrea Born den Hersberger Gemeinderat bildet, ist ein Stein vom Herzen gefallen. Sie freut sich über die Kandidaturen. «Jetzt hat sich etwas bewegt», meint Allenspach erleichtert. Sicher ist, dass am 27. Januar eine Wahl zustande kommt, weil das relative Mehr zählt; der Kandidat mit den meisten Stimmen ist neuer Gemeinderat.