Drehorgel

In Lausen läuft es wieder rund

Die Orchester-Drehorgeln synchronisieren sich per Funksignal. (Archivbild)

Die Orchester-Drehorgeln synchronisieren sich per Funksignal. (Archivbild)

Am fünften internationalen Drehorgel-Wintertreffen kurbeln übermorgen Organisten von nah und fern um die Wette.

Was haben Computer, Schiebermützen und Affen gemeinsam? Sie alle trifft man am Wintertreffen der Basler Drehorgel-Freunde an. Am Sonntag versammeln sich Organisten aus Deutschland, Estland und der Schweiz in der Mehrzweckhalle Stutz zum gemeinsamen Musizieren.

Sechzig Musikanten werden sich ringsum in der Halle aneinanderreihen. Für einmal stehen nicht sie in der Mitte, sondern das Publikum. Einer nach dem andern gibt ein auserlesenes Stück zum Besten. Die runde Teilnehmerzahl ist laut Organisator Daniel Widmer nicht zufällig: «Nachdem wir einmal fast überrannt worden waren, entschieden wir uns, das Limit bei sechzig anzusetzen.» Auch so müsse sich jeder Auftretende auf drei Lieder beschränken.

Wie moderne Orgeln kommunizieren

Der Orgelfanatiker freut sich ausserordentlich über das grosse Interesse am zweijährlichen Event. Dieses Jahr erwartet er 700 bis 800 Besucher. Die Gäste erhalten nebst der vielfältigen Musik Einblick in die Diversität des Orgelbaus. So sind am Sonntag in Lausen nicht nur die altertümlichen Walzenorgeln anzutreffen, sondern auch neuere Modelle bis hin zu elektronisch betriebenen Instrumenten. Auch wenn sich mit diesen nicht im Internet surfen lässt, sieht Widmer sogar die ältesten Drehorgeln als mittelbare Vorfahren des heutigen Computers: «Alles funktioniert mit Einsen und Nullen.»

Neben der mechanischen Faszination liebt der Organist das Nostalgische. Dazu gehöre selbstverständlich die entsprechende Kleidung. Eine gängige Kombination für Männer setze sich aus schwarzen Anzugshosen, weissem Hemd, Gilet und Schiebermütze zusammen. Wer sich noch nicht genug ausgerüstet fühlt, dem sei direkt vor Ort geholfen: Rund zwanzig Börsenhändler verkaufen Orgeln, Notenbänder, Kleidung und Accessoires.

Lohnenswert ist ein Besuch laut Widmer auch wegen der Handwerkskunst. So seien sämtliche Holzorgeln handgefertigt und viele mit bunten Malereien kunstvoll verziert. Modernere Modelle sind sogar mit Funksignal ausgestattet, um als Orchester zusammen funktionieren zu können.

Von den Strassenmusikern zu den Nostalgikern

Ihren Anfang genommen hat Widmers Passion vor bald 35 Jahren. Damals sei er durch einen Kollegen auf das Instrument aufmerksam gemacht worden. Er besuchte mit seiner Frau das Thuner Drehorgel-Festival, wo sie sich beide «vom Orgelvirus anstecken» liessen. Etwas Anderes fiel ihm damals im Berner Oberland noch auf: Viele Organisten trugen Stoffaffen bei sich. Dieser Brauch geht auf die Strassenmusiker zurück, die dem Publikum so ein Amüsement boten und jemanden hatten, der das Geld einsammelt. Diese Tradition wird in Lausen fortgeführt. Und auch wenn (oder gerade weil) die Organisten ohne Gage spielen, sind sie wohl heute noch über einen Beitrag in die Kollektenkasse froh.

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