Frühlingskonzerte

In Liestal ertönen einheimische Stimmen im Dreiklang

Hitziger Appenzeller Chor: Eine Verbindung von Tradition mit modernen Musik- und Show-Elementen. (zVg)

Hitziger Appenzeller Chor: Eine Verbindung von Tradition mit modernen Musik- und Show-Elementen. (zVg)

In Liestal wird demnächst viel gesungen: Drei Chöre mit drei überraschenden Programmen treten im Martinshof auf.

Aufstehen, sich strecken, die Schultern kreisen, gähnen, an Ort trippeln, mit der Zunge schnalzen: Der Martino-Chor hat mit der Probe im «Martinshof» in Liestal begonnen. Chorleiterin Theresia Gisin-Berlinger erklärt, heute würden sie gewisse Stellen schleifen. Die Dirigentin lässt die rund 30 Mitglieder immer wieder die Plätze tauschen und die Stimmlagen mischen. «Das ist eine gute Übung», sagt sie in der Pause, «so kann man sich selber hören und gewinnt mehr Sicherheit.»

Vor acht Jahren hat Gisin mit Ehemann Christoph den Chor gegründet. Die beiden teilen sich die Leitung. Mal übernimmt er den Dirigentenstab, dieses Mal ist sie dran – deshalb sitzt und steht sie am Flügel und leitet die Probe: «Jetzt machen wir Tempo, aber lasst die langen Töne nicht in Atemlosigkeit enden.» Der Chor sei sehr vielseitig, schwärmen beide Gisins. Die Mitglieder würden alles mitmachen, von Weltmusik über Jazz und Klassik bis zu Bodypercussion. Sie seien auch offen für Projekte mit anderen Chören oder Bands. Dass nun ein Programm geboten wird mit Musik aus den 1920er-Jahren, ist ein Vorschlag von Chormitgliedern. Eigentlich erstaunlich, ist der Altersdurchschnitt relativ tief.

Unter dem Titel «Smile» begibt sich der Chor auf eine «Sentimental Journey». Wie jedes Mal ist es die grösste Herausforderung, dass alle die Lieder auswendig können. Dazu Theresia Gisin: «Wir machen das immer so, das beeindruckt das Publikum. Es gibt eine ganz andere Art von Konzert, von Musik. Man singt freier.»

Lieder des Widerstands

«Die Freiheit singt» ist das Motto des Frühlingskonzerts des Kammerchors Munzach. Er präsentiert Lieder, mit denen gegen politische Repressionen angesungen wurde, in Estland, Argentinien oder Südafrika. Die Idee zu diesem Programm trug Dirigent Jakob Bergsma schon länger mit sich herum: «Ich war fasziniert, wie vor allem volkstümliche Lieder für den gewaltlosen Widerstand verwendet wurden. Sie bekamen dadurch eine neue Aktualität und wurden fast zu neuen Nationalhymnen.» Anspruchsvoll am Programm ist, dass der Chor in vielen Sprachen singen und sich bei jedem Lied auf eine neue Stimmung einstellen muss. «Es kommt aber sehr gut», lobt Jakob Bergsma.

Seit zwei Jahren dirigiert er den Chor und ist in Frenkendorf «musikalisch glücklich. Ich kann vielseitig arbeiten, weil der Chor mir alle Möglichkeiten offen lässt, grosse Fähigkeiten mitbringt und mir grosses Vertrauen entgegenbringt», bilanziert er. Der Chor seinerseits – 1979 als Konfirmandenchor gegründet – ist sehr zufrieden mit Bergsma. «Er ist ein Vollprofi in Gesang und Chorleitung, musikalisch sehr sensibel, mit anspruchsvollen Klangvorstellungen, die er uns mit viel Professionalität und Kompetenz auf eine sehr sympathische, fröhliche und einfühlsame Art vermittelt», lobt Agnes Scheifele stellvertretend für die 35 Mitglieder.

Komik mit Naturjodel

An Fröhlichkeit und Humor ist der Hitzige Appenzeller Chor nicht zu übertreffen. «In unserem Programm Joli-Yo verschmelzen innige Rugguuseli und neckische Ratzliedli mit Beatbox und Rap», beschreibt Meinrad Koch. Rugguuseli sind Naturjodel, und Ratzliedli sind Spottlieder. Die neun jungen Chormitglieder gehen stets vom Traditionellen aus, doch Altbekanntes bekommt bei ihnen eine unerwartete und überraschend witzige und hitzige Note. Ihre Programme kreieren sie spontan in den Proben, wo aus Blödelei viele Gags entstehen. Seit zehn Jahren tritt der Hitzige Appenzeller Chor auf, ist aber zum ersten Mal in der Region zu hören und zu sehen.

Mit ihm feiert der Humorclub zum Törli sein zehnjähriges Bestehen. Humor trifft auf Humor, das passt. «Wir organisieren einmal pro Jahr einen Anlass und suchen dafür stets Neues, das man hier nicht kennt», erläutert Bettina Fischer: «Es soll etwas Spezielles sein, wenn möglich ein Mix aus Musik und Sprache.» Die Appenzeller werden zweifellos noch einiges mehr zusammenmixen.

Liestaler Chorkonzerte Der Kammerchor Munzach tritt am 3. Juni um 20 Uhr im «Martinshof» auf, u. a. mit dem Trio Weliona und Roswita Schilling. Der Hitzige Appenzeller Chor ist am 10. Juni um 19 Uhr im Hotel Engel zu geniessen. Und der Martino-Chor lächelt und singt am 11. Juni um 19.30 Uhr in der Stadtkirche, unterstützt von Groove Move und Gabriele Fischer.

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