«Grammet»

In Liestal startet Bau der Vorzeige-Siedlung – nur der Verkehrslärm stört

(Visualisierung)

Die Siedlung Grammet umgibt einen grossen Innenhof und öffnet sich gegen die Ergolz hin (Bildmitte hinten).

(Visualisierung)

Das Grossprojekt «Grammet» mit 168 Wohnungen überzeugt – wenn nur die A22 nicht wäre.

Bis vor kurzem war das Geviert zwischen Ergolz, Heidenloch- und Grammetstrasse im Osten Liestals das Reich der Familiengärtner. Rund 70 Personen bearbeiteten in den letzten 40 Jahren hier den Boden mit Hacke und Schaufel. Jetzt fahren die grossen Maschinen auf, und in Bälde stehen auch ein halbes Dutzend Kräne. Denn was bis Herbst 2020 auf dem 17'000 Quadratmeter grossen Areal entstehen soll, ist selbst für Liestal, wo fast in jeder Ecke neue Wohnbauten gen Himmel schiessen, eine Nummer der Extraklasse: 168 Wohnungen, zum Hauptteil mit 3,5 und 4,5 Zimmern, zwei Kindergärten und eine unterirdische Parkgarage mit 180 Plätzen. Für das Ganze werden fast 80 Millionen Franken investiert, 40'000 Kubikmeter Erdmaterial ausgehoben, 18'000 Kubikmeter Beton und 2300 Tonnen Stahl verbaut, wie Manfred Meury vom Generalplaner Priora am gestrigen Spatenstich anmerkte. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung soll monatlich um die 1800 Franken kosten.

Bürgergemeinde holt CS an Bord

Treiber hinter dem Grossprojekt ist die Bürgergemeinde Liestal als Grundeigentümerin respektive deren Regierung, der Bürgerrat. Dieser hat in den letzten Jahren die Fäden geschickt gesponnen, vom Lancieren eines Architekturwettbewerbs bis hin zur Suche des Mitinvestors Credit Suisse Funds AG. Diese und die Bürgergemeinde realisieren das zweigliedrige Siegerprojekt «gloamy morning» der Zürcher Architekten Knapkiewicz & Fickert Hand in Hand: Die Bürgergemeinde baut den vorderen Gebäudekomplex mit 61 Wohnungen und dem Doppelkindergarten, die CS den näher bei Lausen liegenden mit 107 Wohnungen.

Dass die Bürgergemeinde mit derart grosser Kelle anrühren kann, hat mit ihrem Goldesel namens Deponie Höli zu tun. Ihr Präsident René Steinle verwies beim Spatenstich denn auch auf die in den letzten sieben Jahren finanziell stark verbesserte Situation. Gleichzeitig betonte er, dass ein solches Projekt nicht im Alleingang zu bewältigen sei. Sein Fazit: «Wir sind stolz, das ist eine einmalige Sache.»

Einmalig dürfte auch das Resultat werden. Andri Seipel von Otto Partner Architekten, die das Siegerprojekt planerisch umsetzen, hob die «strukturierte, abgewinkelte Fassade» und die durchgehenden Wohnungen mit Balkonen auf beiden Hausseiten hervor. Der Aussenraumgestalter Ingo Golz von SKK Landschaftsarchitekten schwärmte davon, wie die «Hartholzaue» entlang der Ergolz in den begrünten Innenraum der Siedlung weitergezogen werde, etwa mit dem Anpflanzen von Föhren.

Das sei der ökologische Ausgleich für den massiven baulichen Eingriff. Das Konzept begeistert auch Stadtrat Daniel Muri, der von «einem einmaligen Teil Liestals mit Potenzial für einen einmaligen Wohnraum im Grünen» sprach. Dies, obwohl es politische Diskussionen rund um die Verkehrserschliessung – «vielleicht braucht es einen Quartierbus» – und die Nähe zur A 22 gegeben habe.

Diese Umfahrungsstrasse mit ihrem Verkehrslärm, der während des Spatenstichs nicht zu überhören war, ist denn auch der wohnqualitative Wermutstropfen der Siedlung. Zwar will der Kanton diesen Herbst auf dem Abschnitt zwischen Liestal-Altmarkt und Lausen-Unterführung einen Flüsterbelag einbauen sowie alle bestehenden Lärmschutzwände durch neue ersetzen, wie Urs Hess vom Tiefbauamt auf Nachfrage mitteilt. Doch auf Höhe der Grammet-Überbauung seien weiterhin keine vorgesehen. Der Bauherrschaft bleibe es freigestellt, Lärmschutzwände auf eigene Rechnung zu erstellen.

Das will diese nicht, da die Lärmgrenzwerte eingehalten würden. «Aber wir nehmen sie gerne, wenn der Bund sie nach der Übernahme der A 22 baut», sagt der Arealentwickler Gerhard Läuchli, der «Grammet» von der ersten Stunde an begleitet hat. Er ist überzeugt, dass die 168 Wohnungen spätestens ein Jahr nach Fertigstellung alle vermietet sind.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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