Mit Hochdruck arbeiten die Verantwortlichen um OK-Präsident und Regierungsrat Thomas Weber an den Vorbereitungen fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 in Pratteln.

Am 4. März entscheiden die Abgeordneten des nationalen Schwingerverbands im luzernischen Hochdorf definitiv über den Festort des «Eidgenössischen». Vor einigen Tagen haben Experten des Verbandes das Festgelände im Südosten Prattelns zwischen Hülftenkreisel und Bahnlinie inspiziert. Mittlerweile zweifelt kaum jemand mehr, dass dieses erstmals überhaupt im Baselbiet durchgeführt werden kann. «Alle freuen sich, dass das Eidgenössische hierher kommt. Ich habe bisher breiteste Unterstützung wahrgenommen», sagt Weber.

In der Planung müssen sich Weber und seine Mannen allerdings mit einem Kuriosum herumschlagen: Wohl ebenfalls erstmals in der Geschichte des «Eidgenössischen» steht dort, wo die grosse Schwingarena mit ihren 47'000 Plätzen aufgebaut werden soll, eine Panzersperre aus dem Zweiten Weltkrieg. «Der Standort der Arena ist fix. Da haben wir keinerlei anderen Möglichkeiten», sagt Weber. Auf dem Plan des Festgeländes führen die Betonzähne unter der Tribüne der Arena hindurch.

Problem: Die Panzersperre dient zwar keinem militärischen Zweck mehr, wurde aber vom Bund als militärhistorisch schützenswert deklariert. «Die Sperre abräumen dürfen wir nicht», betont Urs Lanz, Vizepräsident der Projektgruppe und Präsident des Kantonalschwingerverbands. Laut Lanz hat die Armasuisse dem Fest-OK aber die Erlaubnis erteilt, der Sperre einige – die Rede ist von fünf bis sechs – Zähne zu ziehen. Dies einerseits, um einen geordneten Tribünen-Aufbau zu gewährleisten; anderseits, um auf beiden Seiten der Arena Fluchtwege sicherzustellen. Weichen muss auch eine von der Gemeinde geschützte wilde Hecke, die im Laufe der Jahrzehnte entlang der Sperre natürlich gewachsen ist. OK-Präsident Weber verspricht, dass nach dem Schwingfest die Hecke neu angelegt und das Umfeld ökologisch aufgewertet werde. Dies etwa mit kleinen Biotopen und einheimischen Hölzern. Weber spricht von einer «Win-win-Situation.»

Schwingfest und Naturschutz – das war in der Vergangenheit im Baselbiet keine erspriessliche Symbiose. In Aesch, am zunächst vorgesehenen Schwingfest-Standort, äusserten Natur- und Vogelschützer heftige Kritik: Die einmalige Durchführung des Grossanlasses würde ökologisch wertvolle Lebensräume für den Feldhasen und die Feldlerche zerstören. Auch wollten in Aesch einige Bauern ihr Land nicht für das Schwingfest hergeben.

Das nun evaluierte Festgelände in Pratteln erhält hingegen von Bauern und Naturschützern grünes Licht: So haben sämtliche fünf Bauern, die auf dem vorgesehenen Festgelände und Camping-Platz Land bewirtschaften, eine Vereinbarung mit den Schwingfest-Organisatoren unterschrieben. Erleichtert wurden diese Verhandlungen dadurch, dass fast alle Landwirte selber Mitglied des örtlichen Schwingclubs sind – unter ihnen Vereinspräsident Urs Schneider. «Über die Höhe der Entschädigungen haben wir noch nicht geredet. Aber da werden wir uns finden», sagt Schneider optimistisch.

Bauten für Schwinger und Tiere

Und auch Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, ist zufrieden: «Wir finden das einen guten Standort für ein Schwingfest.» Die Verantwortlichen rund um Thomas Weber hätten gute Arbeit geleistet. Aus ökologischer Sicht seien bloss noch Details zu klären. «Unser Ziel ist, dass das Gelände nach dem Fest ökologisch wertvoller ist als heute», sagt Chrétien.

So wünscht sich der Pro-Natura-Geschäftsführer, dass die Durchlässigkeit des Geländes verbessert wird; das Gebiet sei ein wichtiger Wildtierkorridor. Chrétiens kühne Idee: Die neuen Unter- oder Überquerungen, die an der Bahnlinie für die Schwinger und Festbesucher errichtet werden müssen, könnten später auch von Wildtieren genutzt werden.