Waldbestattung

In Ziefen muss man für die letzte Ruhe tief in die Tasche greifen

Auch wenn der Waldfriedhof im «Chrüzholz» eingerichtet ist, bleibt alles anonym.

Auch wenn der Waldfriedhof im «Chrüzholz» eingerichtet ist, bleibt alles anonym.

Waldbestattungen sind immer verbreiteter: In Ziefen wird bereits der vierte Aschebestattungsplatz des Baselbiets eröffnet. Bei der letzten Ruhe ihrer Liebsten nicht zur Ruhe kommen aber die Verwandten: Die Miete eines Baumes kostet rund 5000 Franken.

Das «Chrüzholz» liegt im Ziefner Waldgebiet Bloond. Aufgrund eines Dienstbarkeitsvertrags zwischen der Thurgauer Friedwald GmbH und den Grundeigentümern der betroffenen Parzellen, Balz Recher und Yvonne Recher-Wermelinger, können dort fortan Aschebestattungen durchgeführt werden. Auch das Amt für Wald beider Basel hat kürzlich das Projekt bewilligt.

Bis zur ersten Bestattung auf dem neuen Waldfriedhof dauert es aber noch ein paar Monate. «Ich beabsichtige, den Betrieb noch in diesem Jahr aufzunehmen», sagt Ulrich Sauter, der Geschäftsführer der Friedwald GmbH, zur bz. «Wir haben Mitte Juni vom Amt für Wald beider Basel die Bewilligung erhalten und jetzt gilt es, die notwendigen Vorbereitungsarbeiten zu tätigen. Ich bin guten Mutes, dass uns dazu die Zeit bis Ende Jahr reichen wird», so Sauter.

5000 Franken kostet ein Baum

Wenn dereinst der Betrieb aufgenommen werden wird, muss sich die Betreiberin an strenge Auflagen halten. So ist das betroffene Gebiet im «Chrüzholz» so zu gestalten, dass für Drittpersonen nichts darauf hinweist, dass sie sich in einem Wald für Naturbestattungen befinden. Und: Das Betretungsrecht des Waldes darf nicht eingeschränkt, aber auch nicht über den ortsüblichen Umfang hinaus ausgedehnt werden.

Schliesslich hält das Amt für Wald beider Basel auch fest, dass beispielsweise die Bodenvegetation nicht gemäht werden darf und es nicht zulässig sei, Kerzen, Kreuze, Fotos, Pflanzen, Blumen oder sonstigen Schmuck bei oder an den Friedwald-Bäumen zu platzieren. Verboten sind auch Bauten und Anlagen wie Wege, Parkplätze, Sitzbänke, Grabsteine, Zäune, Abschrankungen oder Hinweisschilder.

Ein Friedwald-Aschebestattungsplatz in Ziefen ist nicht ganz billig. «Pro Baum stellen wir 4900 Franken plus Mehrwertsteuer in Rechnung», sagt Sauter. Er hält gleichzeitig fest, dass bei diesem Baum, quasi wie bei einem Familiengrab, mehrere Bestattungen durchgeführt werden können. Die Vertragsdauer ist quasi unbeschränkt, da der Friedwald durch einen im Grundbuch eingetragenen Dienstbarkeitsvertrag ab Inbetriebnahme für die Dauer von 99 Jahren geschützt ist.

Das Amt für Wald beider Basel hat hingegen unter Berücksichtigung des kantonalen Waldgesetzes die Bewilligung «nur» für 25 Jahre erteilt. Es hält aber explizit fest, dass nach Ablauf dieser Frist die Bewilligung verlängert werden kann, «wenn bis dahin die Auflagen eingehalten wurden und keine wesentlich neuen Erkenntnisse oder widersprechende gesetzliche Vorgaben vorliegen».

Nachfrage hält sich noch in Grenzen

Die Bestattungen im «Chrüzholz» werden möglich, weil die Waldbesitzer den Kontakt zur Friedwald GmbH gesucht haben. «Sie haben sich bei uns gemeldet», begründet Sauter die Wahl des Ziefner Standorts. Dieser ist nicht mit Fahrzeugen erreichbar. Die Zufahrt zum Friedwald-Aschebestattungsplatz ist mit einem Fahrverbot belegt; als Parkplatz dient das nahe gelegene Schützenhaus Ziefen.

Ob noch weitere Friedwälder im Baselbiet eröffnet werden, lässt Rolf Wirz, der Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, offen. «Es ist möglich, dass im Laufe der Zeit weitere Aschenbestattungsplätze im Wald beantragt werden. Voraussetzung für das Einreichen eines Gesuchs ist aber zuallererst das Einverständnis des Waldbesitzers.»

Wirz sagt zudem, dass von einem «Run» auf solche Angebote nicht wirklich gesprochen werden könne. Willi Häfelfinger, der Präsident der Bürgergemeinde Diegten, hält dazu fest, dass in Diegten zirka «alle zwei Jahre eine Bestattung» stattfinde.

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