Gericht

Indizienprozess in Muttenz gegen Luzerner Drögeler: Er will nicht der Bankräuber von Oberdorf sein

Szene vom zweiten Überfall, welcher die Überwachungskamera festhielt.

Szene vom zweiten Überfall, welcher die Überwachungskamera festhielt.

Im April und August 2019 wurde die Kantonalbank in Oberdorf zweimal ausgeraubt. Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab.

«Ich war an beiden Überfällen nicht dabei», erklärte der 48-Jährige gestern Morgen hartnäckig. Seit seiner Festnahme im September 2019 bestreitet er sämtliche Vorwürfe, und auch diese Woche im Gerichtssaal in Muttenz gab er nicht nach. Für die Baselbieter Staatsanwaltschaft ist er hingegen der Bankräuber von Oberdorf: Im April 2019 und erneut im August 2019 soll er dort jeweils die Basellandschaftliche Kantonalbank überfallen haben.

Beim ersten Mal kam ein Räuber mit Sturmhaube, Pistole und einer Sprengvorrichtung in der Hand in die Bank und zwang die Mitarbeiterinnen dazu, Geld in einen Rucksack zu packen. Er entkam unerkannt, die Fahndung blieb erfolglos. Im August lief der zweite Überfall ähnlich ab, allerdings trat er diesmal mit Motorradhelm und Sonnenbrille auf. Beim Verpacken des Geldes löste sich gar ein Schuss aus der Pistole, glücklicherweise wurde niemand getroffen. Erneut entkam der Täter unerkannt.

Die Polizei wertete diverse Überwachungskameras aus und fahndete öffentlich nach dem Täter: Ein anonymer Tipp führte sie auf die Spur des heute 48-jährigen Mannes im luzernischen Reiden. Eine Hausdurchsuchung förderte nebst Drogen eine Tokarev-Pistole sowie eine Sprengstoffattrappe zutage, auch fand sich auf der beim Tatort in Oberdorf zurückgebliebenen Hülse die DNA des Mannes. Nach Ansicht der Ermittler lud er beim ersten Mal sein Velo auf dem nahe gelegenen Parkplatz aus dem Auto und fuhr damit zur Bank, beim zweiten Mal hingegen benutzte er seinen Motorroller mit einem gefälschten BS-Kontrollschild.

Dealer soll seine Waffe geliehen haben

Dies bestreitet der Mann weiterhin, er meinte gestern, ein Dealer habe wohl seine Waffe ausgeliehen. Die Rede war von einem Ivan, manchmal auch von einem Bodgan. «Das sind natürlich Decknamen», sagte er geheimnisvoll. «Haben Sie den Schuss absichtlich abgegeben?», fragte Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli eher suggestiv. «Ich habe nicht gewusst, dass damit geschossen worden ist», antwortete er. Zur Bombenattrappe in der Küchenschublade meinte er bloss, seine DNA sei dort nicht drauf.

Fahren dürfte er sowieso nicht mehr, dem langjährigen Heroinkonsumenten hat man schon längst den Führerausweis abgenommen. Per März 2019 ist ihm nach langer Arbeitslosigkeit und Geldproblemen die Wohnung gekündigt worden, just am Tag nach dem ersten Überfall zahlte er die ausstehenden Mieten plötzlich ein.

Verteidiger Simon Berger betonte, die Sache sei nicht so klar. So habe er nach dem zweiten Überfall seine Mietschulden nicht beglichen, dies sei völlig unlogisch, wenn er der Täter gewesen wäre. Es bestünden Zweifel, daher sei sein Mandant freizusprechen.

Fasziniert vom kriminellen und rechtsradikalen Milieu

Forensiker Thorsten Spielmann sprach vor Gericht von einer akzentuierten dissozialen Persönlichkeit und von Opiatabhängigkeit. «Man sieht in den Akten immer wieder, wie er Gefallen daran findet, sich in der Halbwelt aufzuhalten. Er erwähnt auch immer wieder kriminelle und rechtsradikale Kollegen. Das Milieu fasziniert ihn», so Spielmann.

Staatsanwältin Catherine Züllig verlangte eine Verurteilung wegen mehrfachen schweren Raubes zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Der italienische Staatsbürger muss bei einer Verurteilung auch mit einem Landesverweis rechnen, Züllig beantragte einen Verweis von zehn Jahren. Die fünf Richter fällen das Urteil morgen Donnerstag.

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