Herr Kummer, was war Ihre erste Reaktion auf das Abstimmungsergebnis?

Hans Kummer: Als erstes war da Enttäuschung. Aber ich habe eigentlich schon mit einem Nein gerechnet. Nur das Ausmass hat mich überrascht. Die Abstimmungskampagne der Gegner wurde sehr professionell geführt. Es war mit wenigen Ausnahmen ein guter und fairer Abstimmungskampf. Nur die persönliche Attacke von Werner Widmer (VR-Präsident KSBL, Anm. d. Red.) gegen mich in der bz ging unter die Gürtellinie. Aber sonst haben die Gegner ihre Argumente einfach besser verkauft.

Nur 11 von 86 Gemeinden haben Ja gestimmt, alle aus dem Laufental.

Laufen ist etwas weiter weg von anderen Spitalstandorten, also spielen Distanzen eine grössere Rolle. Das Bruderholzspital ist in Stadtnähe, das macht es vielleicht für viele Leute weniger wichtig. Vor allem bei den Jungen habe ich das Gefühl, dass Distanzen und Kantonsgrenzen keine Rolle mehr spielen. Trotzdem ist mir aufgefallen, dass keine einzige Gemeinde aus dem Leimental Ja gestimmt hat. Das zeugt nicht von grossem Vertrauen des Volkes in das Spital. Ich kann es nicht anders formulieren. Es ist für mich erstaunlich und schwer verständlich. Aber das muss man akzeptieren.

Wir hätten früher und intensiver auf die Kostenfrage eingehen und die Steigerung der Spitalkosten besser verkaufen müssen. Das haben wir zu wenig und zu spät gemacht. Die Kostenfrage hat einfach zu schwer gewogen, dagegen sind wir nicht angekommen. Aber unser Hauptanliegen war, dass die Zukunft des Bruderholzspitals vom Volk entschieden wird. Und jetzt ist es entschieden. Und was im Rahmen der weiteren Spitalplanung passiert, werde ich akzeptieren und sogar unterstützen. Ich sehe keinen Grund, jetzt weiter dagegen vorzugehen. Das ist der Volkswille.

Sie werden also keine weitere Opposition betreiben?

Nein, das Volk hat entschieden und wenn die Regierung ihre Pläne wie vereinbart umsetzt, stehen auch wir dahinter. Nur wenn plötzlich etwas völlig anderes geplant würde als ausgemacht, würden wir uns überlegen, einzugreifen. Aber das ist sehr unwahrscheinlich. Für mich ist die Sache jetzt abgeschlossen.

Wie belastend war der Abstimmungskampf für Sie persönlich?

Ziemlich. Das ist für mich schon an die Grenze der Leistungsfähigkeit gegangen. Der psychische Druck war gross. Ich verstehe jetzt, warum manche Politiker zwischendurch ein Burnout haben. Das Ganze ist wirklich sehr belastend. Ich habe es etwas unterschätzt, aber es war mir ein Anliegen, mich zu engagieren.

Welche Sorgen bleiben Ihnen nun?

Meine Sorge ist, dass die Grundversorgung nicht mehr funktioniert, was bedeutet, dass Leute mit akuten Krankheiten Mühe haben werden, ein Spitalbett zu finden. Nur noch vier oder fünf Spitäler nehmen Notfallpatienten auf. Aber mehr als 70 Prozent der Patienten kommen über den Notfall. Das ist eine Realität und das wird von den Gegnern einfach kleingeredet. Da sehe ich das Problem. Alles andere ist sekundär. Wenn sie auf dem Bruderholz nur noch Orthopädie machen wollen, ist das gut und recht. Aber ob die Notfallpatienten dann rechtzeitig das richtige Bett bekommen, da habe ich meine Zweifel. Ich bin gerne bereit, mich belehren zu lassen, wenn es anders ist. Aber das muss Thomas Weber jetzt auf seine Kappe nehmen. Wir sind nicht mehr verantwortlich.