ESB Reinach

Integration funktioniert am besten in den Unternehmen

Im Reinacher Industriequartier werden in enger Zusammenarbeit mit grossen Firmen Behinderte in einer geschützten Werkstatt beschäftigt. Die Werkstätte der Eingliederungsstätte Baselland feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

Jahrhundertelang sperrte man Behinderte weg – Hauptsache, niemand konnte sie sehen. Dann durften sie einfache Dinge herstellen, damit sie beschäftigt waren. Klassische Produkte waren damals zum Beispiel Bürsten. In der heutigen Zeit werden in modernen geschützten Werkstätten Produkte für die Industrie in Lohnarbeit hergestellt oder Dienstleistungen angeboten.

Letzteres tut im Baselbiet die Eingliederungsstätte Baselland (ESB). Menschen mit psychischen oder geistigen Einschränkungen produzieren in der ESB-eigenen Firma Promonta Elektronikbauteile, und im Zweifach in Basel werden gebrauchte Velos und Kleider aufbereitet und verkauft. Die ESB schliesst mit den Behinderten Arbeitsverträge ab. Sie müssen Arbeitsdisziplin zeigen, pflegen Sozialkontakte und lernen die Abläufe in einem Betrieb kennen.

In die Firmen integrieren

Doch die ESB versucht, einen Schritt weiter zu gehen. Behinderte sollen von Unternehmen angestellt werden, während die ESB die behindertenspezifische Betreuung sicherstellt. Einfach sei das nicht, sagt Andreas Maier, Leiter der ESB-Werkstätten, die seit 25 Jahren in Reinach ansässig sind. Die Bereitschaft, Behinderte anzustellen, ist höchst unterschiedlich.

Manche Firmen seien aus sozialem Engagement bereit, eine Win-Win-Situation zwischen Arbeitgeber und Behinderten aufzubauen, sagt Maier. Als Beispiel dafür nennt er Endress+Hauser/Flowtec AG, die in Form von Industriemontage Dienstleistungen von Behinderten in Anspruch nimmt, die von der ESB angestellt sind.

Halt und Tagesstruktur

Andere Firmen sähen nur die Wirtschaftlichkeit einer Zusammenarbeit und möchten in der Öffentlichkeit nicht mit der ESB in Zusammenhang gebracht werden. «Wir müssen mit allen Arten von Firmen zusammenarbeiten», sagt Maier. Das könne auch heissen, dass die ESB mit einem Auftrag nur einen kleinen Gewinn macht. «Manchmal ist die Hauptsache, dass der Behinderte eine Stelle hat, die ihm Halt und Tagesstruktur gibt», sagt Maier.

Dementsprechend ist die ESB angewiesen auf Unterstützung durch den Kanton, mit dem eine Leistungsvereinbarung besteht. «Auch wenn immer wieder versucht wird, an allen Enden zu kürzen, so ist beim Kanton doch die Erkenntnis da, dass wir die Unterstützung brauchen», sagt Maier.

Tag der offenen Tür zum Jubiläum

Hingegen hat er einen Wunsch an die Personalchefs und Auftraggeber in der Industrie: «Sie sollen bitte auf uns zukommen, wenn sie einerseits niederschwellige Arbeiten oder Arbeitsplätze für uns haben. Anderseits setzen wir uns gerne mit anspruchsvollen Arbeiten auseinander, analog dem Auftrag von Endress+Hauser.»

Die Werkstätten in Reinach, die jetzt ihr 25. Jubiläum feiern, sind nur ein Teil der ESB. Daneben betreibt die Stiftung Wohnheime für Jugendliche und Senioren, eine Tagesstätte und eine Beschäftigungsstätte. Die Klienten sind meistens psychisch oder geistig Behinderte, wenige haben eine körperliche Behinderung. Die insgesamt 14 Institutionen der ESB sind verteilt zwischen dem Ober- und Unterbaselbiet, dem Laufental und Basel. Gegründet wurde die ESB vor rund 40 Jahren von Eltern von Behinderten.

Am 17. August feiern die Werkstätten Reinach am Kirschgartenweg 10 ihr 25. Jubiläum. Ab 13 Uhr ist Tag der offenen Türe, am späten Nachmittags startet ein Sommerfest, das bis tief in die Nacht dauern soll.

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