Muss man, um in der Baselbieter Hauptstadt eine Top-Firma anzusiedeln, zuerst das Haus der Wirtschaft am Liestaler Altmarkt abreissen? Zu diesem Eindruck gelangt, wer die Website der Baselbieter Wirtschaftsförderung nach freien Flächen absucht. Die Wirtschaftskammer würde dieses Schicksal mit vielen anderen Gewerbebauten teilen: Sie müssten weichen, möchte man die Tausende von Quadratmetern überbauen, die jeweils an den einzelnen Standorten als Entwicklungsareale angegeben sind.

«Wer wachsen will, braucht Raum», schreibt die Wirtschaftsförderung Baselland zu den rund 40 Arealen, die der Kanton als strategisch bedeutsame Arbeitsgebiete ausweist. «Auf vielen dieser Areale sind Wirtschaftsflächen für vielfältige Nutzungen verfügbar.» Doch hier beginnt die Verwirrung: «Die Grössenangaben hinter den Punkten entsprechen der Gesamtfläche des betreffenden Arbeitsplatzgebietes», heisst es zwar auf der Website. Doch ist «Arbeitsplatzgebiet» ein helvetischer Richtplanbegriff, den ein deutscher oder österreichischer Investor auf Standortsuche kaum auf Anhieb versteht; noch weniger solche anderer Muttersprache.

Wer sich für 40 000 Quadratmeter Industrieland in Liestal interessiert und das Areal Altmarkt (47'500 Quadratmeter) anklickt, findet kein freies Baufeld vor. Vielmehr müsste er unter anderem die Wirtschaftskammer abräumen. Diese Kluft zwischen angeblich massenhaft vorhandenen Flächen und der Realität gilt für alle Areale, die man unter «Wirtschaftsflächen» auf der Website economy-bl.ch der Baselbieter Wirtschaftsoffensive findet.

Website als Schaufenster

«Die Website soll die Investoren nur wie mit einem Schaufenster ‹gluschtig› machen», erklärt Fiona Schär, Pressesprecherin Wirtschaftsförderung. Auf einem Fragebogen müssten Interessenten dann dem Welcome-Desk anmelden, was sie suchen: Lage, Fläche, bebaut/unbebaut, im Eigentum, zur Miete oder im Baurecht, Raumhöhe, Bahn- oder Autobahnanschluss, in welcher Region etc. Beraterin Sibylle Pauli stellt dann mithilfe der Areal-Datenbank ein Dossier mit möglichen Standorten zusammen und macht allenfalls auf Alternativen aufmerksam.

Der bz liegt ein solches Dossier in anonymisierter Form vor. Dieses enthält für eine Firma, die bis zu 10'000 Quadratmeter Hallenfläche sucht, fünf Vorschläge – mit den Kontaktdaten der Eigentümer –, wobei einer ziemlich genau alle Anforderungen erfüllt. Vier der fünf aufgeführten Hallen liegen innerhalb der «strategischen Arbeitsgebiete». «Die eigentliche Areal-Datenbank ist nicht öffentlich, sondern ein internes Tool. Nur ein kleiner Personenkreis hat darauf Zugriff», betont Schär.

Nicht einmal Basel-Area, die Wirtschaftsförderung beider Basel, welche den Standort im Ausland vermarktet, dürfe Daten direkt abfragen. «Die Areal-Datenbank enthält unter anderem Angaben zu Preisen, zur Dauer bestehender Baurechtsverträge oder Informationen, welche Firma allenfalls Räume abzugeben hätte, was aber die Konkurrenz nicht erfahren soll.»

Licht unter den Scheffel gestellt

«Ich finde ‹Schaufenster› einen treffenden Begriff», kommentiert der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott, der auf dem Platz Liestal mit der Wirtschaftsförderung grundsätzlich gut zusammenarbeitet. «Doch muss im Schaufenster etwas Attraktives liegen, damit ich in den Laden eintrete.» Es reiche für den Erstkontakt zu standortsuchenden Firmen nicht, eine Linie um ein Gewerbegebiet zu ziehen: «Ein Interessent muss auf einen Blick erkennen, auf welchen Parzellen konkrete Möglichkeiten bestehen.» Als Beispiel nennt er einen Nachbarkanton: Auf www.standortsolothurn.ch/de/immobilien gelangt man rasch zu real verfügbaren Immobilien und deren Anbietern.

Das Argument, konkretere Angaben würden Firmengeheimnisse der heutigen Besitzer tangieren, erschliesst sich dem Liestaler Stadtpräsidenten nicht: «Man darf nicht, weil einiges geheim ist, mit einer viel zu ungenauen Erstinformation gleich eine riesige Chance vergeben.» Ott findet es zudem schade, dass man sich auf die vom Kanton definierten «strategischen Arbeitsgebiete» beschränkt: «Direkt neben dem Altmarktgebiet hat die Gebäudeversicherung mit dem ‹Futuro II› ein baureifes Projekt. Eine solche Perle gehört ins Schaufenster.»

Fazit: «Bricht man die Information nicht von den Arealen auf die konkreten Parzellen herunter, hängt die Darstellung im Internet in der Luft.» Macht es daher Sinn, überbaute Areale wie den Liestaler Altmarkt mit dem Etikett «47'500 Quadratmeter» ins Internet zu stellen? «Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung sollen künftig nur noch innerhalb der bestehenden Bauzonen stattfinden», erklärt Kantonsplaner Martin Kolb. Oft seien bestehende Flächen nicht voll ausgenutzt und man dürfte beispielsweise zusätzliche Stockwerke bauen. Diese Angaben seien jedoch zu komplex für eine allgemein zugängliche Website.

Allerdings seien Parzellen oft von Firmen besetzt, die nicht zwingend auf die vorhandene Verkehrsanbindung oder andere Infrastrukturen angewiesen sind. Bestehende Nutzungen zugunsten neuer Firmen zu verpflanzen, sei aber schwierig. «Kurzfristig Flächen verfügbar zu machen, gleicht oft der Quadratur des Kreises», erklärt Kolb. Mit anderen Worten: «Wer wachsen will, braucht Raum» – doch der ist knapper, als es «economy-bl.ch» auf den ersten Blick suggeriert.