Die Weisse Fluh markiert quasi die Westkante des Schleifenbergs. Mit rund zwei auf zwei Metern war die Fahne zwar nicht sehr gross, aber vom Bahnhof Liestal aus gesehen dennoch ein Blickfang. Der Wald dort ist im Eigentum der Bürgergemeinde Liestal; auf Anfrage konnte diese jedoch keine Urherberschaft der Fahne benennen.

Auch bei kantonalen Stellen war nicht in Erfahrung zu bringen, wer den wetterfesten Stoff mit welcher Legitimation montiert hatte. Ein Anfrage bei der Stadt Liestal brachte nun Abklärungen ins Rollen, die das Fahnenrätsel lösten - definitiv: Der patriotische Blickfang verstösst gegen kommunale Vorschriften und Reglemente.

«Temporäre Reklame»

Montiert worden sei die Fahne im Zusammenhang mit der 1. Augustfeier 2013, hält die Stadtverwaltung gegenüber der Nachrichtenagentur SDA fest. Danach sei sie nie entfernt worden. Rechtlich sei sie als temporäre Reklame zu betrachten; solche seien aber gemäss Reklamereglement «nur innerhalb des Siedlungsgebietes zulässig».

Die Weisse Fluh liegt derweil im Landschaftsgebiet, in der grossen Parzelle Nummer 1993, und ist gemäss kommunalem Zonenplan seit 1995 Waldareal und Naturschutzobjekt. Sie liegt auch im Waldinventar von regionaler und nationaler Bedeutung. Zudem ist sie laut kommunalem Landschaftsentwicklungskonzept (LEK) ein Schnecken-Standort.

Das kantonale Reptilieninventar weist überdies für die Fluh einen «hohen» Wert aus (die zweithöchste von vier Stufen). Auf der Massnahmenliste des LEK - das im Übrigen wegen der Schutzwaldfunktion dort nicht umgesetzt werden kann - ist unter anderem von Aspisvipern und Schlingnattern die Rede.

Niemand habe reklamiert

Die Schlingnatter ist im Mittelland vom Aussterben bedroht und daher auf der Roten Liste; für die Aspisviper notiert der Bund im Raum Basel eine «kritische Situation». Beide Arten nennt er unter den Schutz-Prioritäten. Die Abstimmung der Waldwirtschaft auf Reptilien «speziell in südexponierten Wäldern auf steinigem Untergrund in Hanglage ist von enormer Wichtigkeit» - die Weisse Fluh ist genau dies.

Fazit der Liestaler Stadtverwaltung: «Unter Abwägung aller genannten Interessen (Schutzbestimmungen, Lebensraum für Reptilien (eingeschränkt durch montierte Fahne), Nutzbarkeit für Klettern (Behinderung der Routen durch Fahne) sowie allgemein Zweckentfremdung eines Naturraumes und unter Berücksichtigung der Reklame-Bestimmungen wird diese Fahne demontiert.»

Nach ihrer Einschätzung des Handlungsbedarfs gefragt, antwortete die Stadt lapidar: «Offenbar hat diese Fahne bis zur vorliegenden Anfrage niemanden gestört.» Den Ausführungsauftrag der Stadt erhielt ihre Bürgergemeinde, respektive deren Forstwerkhof. Sie hat ihn vergangene Woche ausgeführt; der Felsen ist wieder blank.