Jahresrückblick

Jahresrückblick: Im August startete der vierte Anlauf zur Kantonsfusion

Das Komitee der Fusionsinitiative lancierte am 3. August in Brüglingen die Unterschriftensammlung.

Das Komitee der Fusionsinitiative lancierte am 3. August in Brüglingen die Unterschriftensammlung.

«Ein Basel» – ein breit abgestütztes Komitee macht sich für die Wiedervereinigung der beiden Kantone stark. Im August 2012 startete das Sammeln der Unterschriften. Spätestens 2014 soll es zur Abstimmung kommen.

Die Hürden in einer direkten Demokratie sind hoch: bisher immer zu hoch für jene, die sich seit der Kantonstrennung 1833 für ein vereinigtes Basel starkgemacht haben. 1969 scheiterten sie am Widerstand des Baselbieter Stimmvolks. 1947 nur am Veto von National- und Ständerat. Und 1861 am Baselbieter Landrat, der nichts von den Annäherungsversuchen des Basler Parlaments wissen wollte und mit dem «Niemals-Beschluss» reagierte.

Am symbolträchtigen 3.August dieses Jahres fiel der Startschuss zum vierten Anlauf – am Datum des Gefechts auf der Hülftenschanze, wo dem Mythos zufolge die Baselbieter gegen die Basler militärisch triumphiert hatten. In Tat und Wahrheit fand das Scharmützel 700 Meter südlich, bei der Frenkendörfer Griengrube, statt. Als die Fusionsinitiative in Brüglingen von Baslern und Baselbietern lanciert wurde, gab es euphorische Klänge. Die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter wollte am liebsten noch am gleichen Tag die benötigten Unterschriften beisammen haben. Nüchternere Prognostiker des Komitees gingen von einem Zeitrahmen von einem halben Jahr aus.

Abstimmung spätestens 2014

Zu diesen eher pragmatischen Komiteemitgliedern gehört SP-Landrat Ruedi Brassel: Von Euphorie könne nicht die Rede sein, sagt er heute zur bz. Ebenso wenig von einem «Jahrhundertehrgeiz, möglichst schnell möglichst viele Unterschriften zu sammeln.» Heute, knapp sechs Monate nach dem Auftakt der Unterschriftensammlung, lässt er sich noch keine Wasserstandsmeldung entlocken – lediglich eine «Beruhigungsmeldung» für all jene, die nicht damit gerechnet haben, dass die nötige Anzahl Unterschriften zusammen kommt. Wann diese auf der Landeskanzlei eingereicht werden, weiss Brassel noch nicht. Spätestens 2014 soll es aber in beiden Kantonen zur Abstimmung kommen.

Hätten die politischen Parteien das Sagen, stünde einer Wiedervereinigung nichts mehr im Weg: Die Basler stehen einer Kantonsfusion durchwegs positiv gegenüber – selbst die SVP.

SVP glaubt an Baselbieter

Die Baselbieter geben sich zwar zurückhaltender und haben unter der Federführung der SVP ein Gegenkomitee auf die Beine gestellt. Mit dabei sind aber ausser SVPlern nur ein FDPler (Landrat Marco Born) und der ewige Abweichler der CVP, alt Nationalrat Walter Jermann. Der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer, der das Co-Präsidium auf die Beine gestellt hatte, betonte stets, dass er nicht auf der Suche nach klingenden Namen gewesen sei – der Einsatz stehe im Vordergrund. Und statt eines symbolträchtigen Datums wählte Kämpfer einen symbolträchtigen Ort für die Präsentation seines Komitees: Die Pressekonferenz fand in Therwil, gleich neben der Statue Stephan Gutzwillers statt, der bei der Kantonstrennung eine zentrale Rolle eingenommen hatte.

Welche, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Fusionsbefürworter spotteten, der Basler Grossrat Gutzwiller hätte die Kantonsspaltung gar nicht gewollt und sei zu Unrecht Ikone der Wiedervereinigungsgegner. Oskar Kämpfer lässt das kalt: Er ist der Überzeugung, dass sich die Baselbieter auch 45 Jahre nach ihrem Nein zur Kantonsfusion allen Annäherungsversuchen verwehren werden. Und auch der SVP-Präsident weiss, dass die Hürden der direkten Demokratie ausschliesslich den Fusionsbefürwortern im Weg stehen.

Meistgesehen

Artboard 1