Bullenhitze hatte Muttenz am Samstag fest im Griff. Mitleid verspürte man mit den «Sugar Foot Stompers», die bei über 30 Grad auf dem Mittenza-Parkplatz aufspielten, wo sich die Menschen am frühen Abend im Schatten konzentrierten. Auf dem Dorfplatz schmiegte sich die Publikumszone bis an die wehrhaften Mauern der Burgkirche. Von den Verpflegungsständen duftete es verlockend, und die Gäste- und Sponsorenlounge platzte fast auch aus allen Nähten.

Die Aufgabe, den musikalischen Ofen anzuheizen, fiel «Willy’s Jazztime Band» aus Finsterwald beim tropischen Klima nicht schwer. Ihre Mischung aus Dixieland und Swing gefiel vor allem der älteren Zuhörerschaft. Als die Band «Jordan’s Drive» – fünf Musiker in bunten, karierten Hosen und mit Hosenträgern – ihren ersten Showteil durchzog, war der Platz gerammelt voll. Überall waren Helferinnen und Helfer in schwarzen T-Shirts zu sehen. Sogar zwei kleine Mädchen waren auszumachen, die in ihren übergrossen Shirts stolz einen Harass durch die Menge schleppten. Pia Brusch, Helferin seit 20 Jahren, sagte: «Es ist der einzige Anlass, bei dem ich während des Jahres mithelfe. Es ist ein schöner Ort und ein toller Gratisanlass. Das motiviert mich.»

Das Dorffest schlechthin

Auf dem Mittenza-Parkplatz mit seinen 600 Sitzplätzen kümmerten sich die «Schänzli-Fäger» um Getränke und Verpflegung. Delay-Boxen, die eine distanzbedingte Verzögerung der Musik ermöglichen, sorgten für perfekten Sound. Tomi Zumsteg, Mitglied des OK und Chef auf dem Platz, erklärt: «Auf diesem Platz bieten wir einen etwas anderen Stil, aber immer für alle etwas.» Im Hintergrund schepperte bei den «Sugar Foot Stompers» derweil eine Megafonstimme, und ein Waschbrett knatterte den Rhythmus dazu. Silvan Zingg, Mister Boogie Woogie, wurde auf dem Dorfplatz heftig beklatscht und äusserte sich euphorisch: «Das Festival ist phantastisch. Zwei Bühnen auf dem Platz, keine Unterbrüche, fröhliche Leute – ein gutes Konzept.»

Die Professionalität stach ins Auge. Selbst die technische Realisierung und das Design der Abschrankung der VIP-Lounge waren vom Feinsten. Dort äusserte sich Gemeinderätin Franziska Stadelmann zum Anlass: «Das Fest ist wie immer super. Es ist ein Treffpunkt mitten im Sommerloch und einer der wichtigsten kulturellen Anlässe in Muttenz. Es gehört fest ins Jahresprogramm und ist unterdessen unverzichtbar.» OK-Präsident Jürg Honegger doppelt nach: «2014 ist ein Spitzenjahrgang und ein wunderbares Jubiläum. Wenn ich einen Traum gehabt hätte von diesem Abend, er hätte genau so ausgesehen wie die Wirklichkeit.»

Highlight aus Chicago

Die Nacht hatte sich über den Platz gesenkt, und die Kirche leuchtete magisch, als nach den coolen Klängen des Alex Hendriksen Quartett das zweite Set von Zora Young, Sam Burckhardt und der «Band Walt’s Blues Box» begann. Mit ihrer rauchig-rauen Stimme lockte die Gospel- und Bluessängerin aus Chicago – eine Mischung aus Mahalia Jackson und Tina Turner – das anfangs zurückhaltende Publikum aus der Reserve. Als «Summertime» von Gershwin erklang, war die Stimmung auf dem Platz schon fast schaurig-schön.