Gemeinderatswahlen 2020

Je kleiner das Dorf, desto geringer das Interesse: Politische Personalsorgen auf dem Land

Im Baselbiet gilt vielerorts: Je kleiner die Gemeinde, desto geringer ist das Interesse, sich in der Lokalpolitik zu engagieren.

Im Baselbiet gilt vielerorts: Je kleiner die Gemeinde, desto geringer ist das Interesse, sich in der Lokalpolitik zu engagieren.

Viele kleine Dörfer haben Mühe, interessierte Personen für den Gemeinderat zu finden – dabei könnte sich ein Amt durchaus auszahlen.

Der Aufwand ist gross, die finanzielle Entschädigung überschaubar und man macht sich bei der Bevölkerung schnell einmal unbeliebt: Ein Amt als Lokalpolitiker ist in den Augen vieler undankbar. Vor allem kleinere, ländliche Gemeinden bekunden oft Mühe, interessierte Personen zu finden, die sich in der Kommunalpolitik engagieren möchten. Dabei kann man sich dort , wie ein einstiger Jungpolitiker berichtet, Fähigkeiten aneignen, die später nützlich sein könnten.

In grösseren Gemeinden gibt es oft viele Kandidaten

Schaut man sich die Kandidierendenlisten für die Baselbieter Gemeinderatswahlen am 9. Februar an, ist eines auffällig: Je grösser die Gemeinde, desto mehr Kandidaten stellen sich zur Verfügung. In Allschwil, der grössten Ortschaft des Kantons, möchten neben sechs Amtierenden fünf Neue in die siebenköpfige Exekutive anziehen. In Therwil gibt es für die gleiche Anzahl Sitze zehn Interessenten, in Pratteln und Reinach jeweils neun. In kleineren Ortschaften stellen sich wiederum häufig genau so viele Personen zur Verfügung, wie Sitze vorhanden sind. Das ist etwa in Buus, Dittingen, Langenbruck, Läufelfingen und Liedertswil der Fall. Oftmals treten alle Amtierenden wieder an, ohne dass sich Neue zur Wahl stellen oder Gemeinderäte zurücktreten.

Liederswil stellt als kleinste Gemeinde des Baselbiets bei den einwohnerärmsten Dörfern im Kanton eine Ausnahme dar. In vielen Gemeinden mit nur wenigen hundert Einwohnern kandidieren weniger Personen, als Sitze zu vergeben sind. In Zeglingen, Ramlinsburg und Rothenfluh haben sich für die fünf Sitze nur je drei Interessierte beworben.

Individualität hat an Bedeutung gewonnen

Ein Extrembeispiel ist die Oberbaselbieter 260-Einwohner-Gemeinde Nusshof. Einziger Kandidierender für die drei Gemeinderatssitze ist der Amtierende Niklaus Lang. «In Nusshof leben viele Besserverdienende mit einem verantwortungsvollen Job, die nicht die Zeit finden oder kriegen, um sich im Gemeinderat zu engagieren», sagt er zu den Gründen, weshalb es an Kandidaten mangelt. «Man muss einen Arbeitgeber haben, der das mitmacht. Dafür bin ich dankbar.»

Durch die sozialen und herkömmlichen Medien sei man schnell einem Bashing ausgesetzt, findet Lang. «Ein Lob erhält man als Gemeinderat eher selten.» Der Zeitgeist sei so, dass die Individualität wichtiger sei, als sich für das Wohl der Gemeinde einzusetzen.

Amt als Gemeinderat sei eine kostenlose Schule

Ist es schon nicht leicht, Interessierte für ein Gemeinderatsamt zu finden, ist es noch schwieriger, junge Leute zu überzeugen, sich politisch zu engagieren. Viele möchten sich in jungen Jahren nicht für längere Zeit engagieren. Personen unter 35, die in einem Gemeinderat im Baselbiet sitzen, sind selten.

Einer, der sich die Zeit nahm und sich in jungem Alter auf kommunaler Ebene engagierte, kann das Desinteresse verstehen. «Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Ich arbeitete rund einen Tag für den Gemeinderat», sagt Andreas Cueni. Zu Beginn der 1990er-Jahre galt der Laufentaler als jüngster Gemeindepräsident der Schweiz. Mit 24 Jahren wurde er Gemeindepräsident von Nenzlingen. Er empfiehlt jedem, sich in der Lokalpolitik zu engagieren: «Es ist eine kostenlose Schule für Zusammenarbeit, Projektmanagement und Sitzungsleitung.»

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