Lehrplan 21

Jetzt macht der Landrat Druck gegen den Lehrplan 21

Vielleicht müssen die Baselbieter Volksschüler noch lange auf den neuen Lehrplan warten. (Symbolbild)

Vielleicht müssen die Baselbieter Volksschüler noch lange auf den neuen Lehrplan warten. (Symbolbild)

Erst kürzlich hat die Baselbieter Regierung den Entwurf des Lehrplans 21 zurückgewiesen. Die Schulleiter staunten deshalb nicht schlecht, als ihnen der Bildungsdirektor Urs Wüthrich einen Mahnbrief schrieb, den Lehrplan trotzdem vorzubereiten.

Der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich tritt aufs Gaspedal: An der Umsetzung des umstrittenen Lehrplans 21 bis 2015 hält er eisern fest – und das, obwohl die Baselbieter Regierung das über 500-seitige Werk zuletzt zur Überarbeitung an die Erziehungsdirektorenkonferenz zurückgewiesen hat. Die Regierung forderte substanzielle Verbesserungen: Ansonsten liesse sich der Lehrplan 21 im Landkanton nicht einführen.

Kollegialer Druck?

Vor kurzem aber staunten die Schulleiter der Baselbieter Volksschulen nicht schlecht, als sie ein Brief des Bildungsdirektors erreichte. Hierin mahnt Wüthrich, die Umsetzungsarbeiten im Hinblick auf den Lehrplan 21 «unverändert und ohne zeitlichen Verzug» weiterzuführen. Die Grundsätze des Lehrplans 21 seien schliesslich nicht infrage gestellt worden, so der Brief, welcher der bz vorliegt. «Der Auftrag vom 30. Januar 2013 für die Vorbereitung zur Einführung des Lehrplans hat unverändert Gültigkeit», schreibt Wüthrich. Der Lehrplan 21 sei ein verbindlicher Auftrag aus dem Harmos-Konkordat und zentrale Grundlage für die inhaltliche Harmonisierung der Volksschulen.

Mit diesem Schreiben löst er bei den Lehrern und Politikern Stirnrunzeln aus. «Ich habe dafür nur eine Erklärung», sagt Bildungskommissions-Mitglied Michael Herrmann (FDP). «Die Rückweisung des Lehrplans 21 ist auf Druck der Gesamtregierung erfolgt. Urs Wüthrich hat schliesslich noch nie ein Zeichen von sich gegeben, dass er an dessen Richtigkeit zweifelt.» Auch die Ratskollegen Herrmanns äussern den Verdacht, dass der Bildungsdirektor die Rückweisung contre cœur – im Sinne der Regierungsmehrheit – vertreten muss. Ratlos wirkt denn auch der Baselbieter Lehrervereins-Präsident Michael Weiss: «Wir haben uns nach diesem Brief schon gefragt, was dieser Zickzack-Kurs soll.»

Mit dem Aufruf zur schnellen Umsetzung sticht der Bildungsdirektor in ein Wespennest. Besonders auf der Sekundarstufe ist vielen Lehrern mulmig vor der Einführung des neuen Lehrplans: Sie fühlen sich nicht vorbereitet und wünschen sich eine längere Vorlaufzeit – andere sähen es gerne, wenn der unbeliebte Lehrplan im Baselbiet gar nicht erst eingeführt würde.

Die Bildungspolitiker sind alarmiert. Grünen-Landrat Jürg Wiedemann ist gemäss Recherchen derzeit daran, eine parlamentarische Initiative vorzubereiten. Er will, dass der Einführungstermin des Lehrplans 21 vom Parlament bestimmt wird. Es zeichne sich leider ab, dass der Lehrplan «nicht umsetzbar» bleibe, schreibt er in seinem Vorstoss, den er am 30. Januar im Landrat einreichen wird. Aufgrund der «grossen Tragweite» müsse der Landrat beim Lehrplan 21 mitreden dürfen.

Der Birsfelder, mitunter für seine parlamentarischen Sololäufe bekannt, kann in diesem Fall auf breite Unterstützung zählen. Die Initiative, welche von mindestens zwölf Angehörigen des Parlaments unterschrieben werden muss, unterstützen Politiker der SVP, FDP sowie der Mitte. Paul Wenger (SVP), Präsident der Bildungskommission, wird die Initiative ebenso mit einreichen wie Kommissions-Mitglied Michael Herrmann oder Elisabeth Augstburger (EVP). Paul Wenger stellt mit Genugtuung fest, dass der Wind seit der Volksabstimmung 2010 gedreht hat: «Nur die SVP hat vor Harmos und dem Lehrplan 21 gewarnt. Und nun steht plötzlich diese parlamentarische Initiative im Raum – und ich bin sehr überzeugt, dass sie im Landrat eine Mehrheit finden wird.»

Basel-Stadt sieht es gelassener

Für Michael Weiss wiederum ist eine Verschiebung unumgänglich. «Nur Basel-Stadt und Baselland wollen den Lehrplan 21 schon auf das Schuljahr 2015/16 einführen. Die Umarbeitung braucht Zeit. Eine Einführung vor 2017/18 halte ich für unrealistisch.» In Basel-Stadt hält man derweil das Vorpreschen der Baselbieter für «ein bisschen voreilig», wie der grossrätliche Bildungskommissions-Präsident Oswald Inglin (CVP) sagt. Auch er ist kein glühender Anhänger des Lehrplans. Doch will er der zuständigen Arbeitsgruppe zuerst die Gelegenheit geben, die verlangten Korrekturen anzubringen. Sollte das etwas länger dauern, sei das «nicht das Ende der Welt: Dann wird halt noch ein Jahr oder zwei im alten System unterrichtet.»

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