Verkehr

Jetzt muss das Liestaler Stimmvolk über den Ortsbus entscheiden

Das Liestaler Stimmvolk wird über den neuen Ortsbus entscheiden.

Das Liestaler Stimmvolk wird über den neuen Ortsbus entscheiden.

Ortsbus zu teuer: Mit 19 bürgerlichen gegen 13 grün-rote Stimmen lehnte das Ortsparlament den für einen dreijährigen Versuch notwendigen Kredit von 1,43 Millionen Franken ab. Es wird zu einer Volksabstimmung kommen.

Eigentlich war nach dem klaren Stimmenverhältnis in der Bau- und Planungskommission des Liestaler Einwohnerrats klar: Der von einem grünen Initiativkomitee geforderte Pilotbetrieb mit einem Ortsbus in die Quartiere Langhag und Sichtern hat im Rat keine Chance (bz von vorgestern). So kam es auch: Mit 19 bürgerlichen gegen 13 grün-rote Stimmen lehnte das Ortsparlament den für einen dreijährigen Versuch notwendigen Kredit von 1,43 Millionen Franken ab.

Trotzdem ging dem Entscheid eine eineinhalbstündige Diskussion mit einem Antragssalat und einer längeren Pause, um nach dem korrekten Abstimmungsprozedere zu suchen, voraus. In der Diskussion schlugen sich die Lager teilweise emotional Ökobilanzen, Kosten-Nutzen-Verhältnisse, Streckenvarianten und anderes mehr um die Ohren.

Initianten wollen das Begehren an die Urne bringen

FDP-Sprecherin Daniela Reichenstein löste mit ihrer Bemerkung, dass ein solcher Bus-Versuch «verantwortungslos» sei, blankes Entsetzen auf der SP-Bank aus. Reichenstein verwies insbesondere auf das «schlechte Kosten-Nutzen-Verhältnis» mit durchschnittlich vier Personen pro Bus hin und meinte: «Für eine so kleine Personengruppe 1,5 Millionen zu investieren, ist unverhältnismässig. Das ist ein Luxuspilot.» Peter Küng (SP) erinnerte an die Kosten für den öV-Ausbau rund um den Liestaler Bahnhof von einer halben Milliarde und sagte: «Wir wollen einen öV für alle, nicht für wenige. Wir wollen den Ortsbus.»

Dominik Beeler (Grüne) doppelte nach: «Es kann doch nicht sein, dass man in einer Stadt wie Liestal nicht ohne Auto leben kann.» Die Grünen versuchten ihre Initiative auch mit dem Argument zu retten, dass erst ein Pilotversuch zeige, ob die Prognosen zuträfen. Benjamin Holinger: «Der Pilot ist dafür da, etwas zu testen, was man nicht weiss.» Das pure Gegenteil war von Hanspeter Meyer (SVP) zu hören: «Das Ruftaxi ist in Liestal gescheitert, der Sichtern-Bus ebenfalls. Jetzt hat man einen Ortsbus seriös abgeklärt und das Resultat ist vernichtend.» Und Stefan Fraefel (Mitte-Fraktion) meinte, dass man nicht als Junger in ein schönes Quartier ziehen und von den Vorteilen profitieren könne, um dann als nicht mehr so mobiler Alter nach dem Staat zu rufen. Dann müsse man halt umziehen.

Es bleibt noch die Kostenfrage

Im Namen des Stadtrats, der die Initiative mit dem dreijährigen Probebetrieb umsetzen wollte, versuchte Franz Kaufmann (SP) vergeblich zu vermitteln: «Die Initianten haben uns ein schwieriges Problem übergeben. Das Anliegen ist aber berechtigt und wir haben nach einer machbaren Lösung gesucht.» Betreffend Kosten müsse man im Gegenzug auf anderes verzichten.

Die Initianten wollen ihr Anliegen an die Urne bringen, wie Erika Eichenberger nach dem Ratsentscheid sagte. Den endgültigen Entscheid machen sie aber von der Grünen-Versammlung vom 21. Oktober abhängig. Ohne deren Unterstützung gehe es nicht, weil ein Abstimmungskampf koste.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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