Salina Raurica

Jetzt soll der Kanton die Branchen definieren

Auf dem gebiet Salina Raurica könnten wunderschöne Wohnungen mit Blick auf den Rhein entstehen.

Auf dem gebiet Salina Raurica könnten wunderschöne Wohnungen mit Blick auf den Rhein entstehen.

Der künftiger Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser fordert mehr Planung bei der Firmenansiedlung im Gebiet Salina Raurica. Die Regierung solle «mindestens drei strategische Entwicklungsgebiete für Wertschöpfung» definieren.

«Seit zehn Jahren kommt die Entwicklung von Salina Raurica nicht richtig vom Fleck», moniert die Wirtschaftskammer Baselland aus bürgerlicher Sicht. «Ich verstehe nicht, wie ein Projekt wie Salina Raurica ‹verlauert› werden konnte», kritisiert auch die Augster SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer.

«Diese Aussagen sind falsch», weist Kantonsplaner Martin Kolb die Kritik zurück. Der Landrat habe den Spezialrichtplan Salina Raurica im Januar 2009 verabschiedet, die bundesrätliche Genehmigung erfolgte im September 2010. «Rechtsverbindlich ist der Richtplan also erst seit 19 Monaten.»

Der Vorlage sei aber eine lange Planungsphase vorausgegangen: «Grosse planerische Würfe prallen immer auf kleinräumige Realitäten: So wurde der Stellenwert der Autonomie der beteiligten Gemeinden Pratteln und Augst unterschätzt.» Die beiden Gemeinden haben etwa das ursprüngliche Verkehrskonzept abgelehnt, was dazu führte, dass der Landrat 2007 die erste Fassung der Salina-Raurica-Planung zurückwies.

Nicht noch mehr Einkaufszentren

Die Politik war also an der Länge der Planung selbst beteiligt. Doch nun fordert der FDP-Landrat und designierte Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser, der Kanton solle das Heft stärker in die Hand nehmen: «Ohne Konzept und entschlossene ‹Leadership› des Kantons läuft das Baselbiet Gefahr, die letzten attraktiven Landreserven in einem relativ planlosen, von den Gemeinden gesteuerten Zersiedelungsprozess zu verlieren», kommentiert er seine Forderung, die Regierung solle «mindestens drei strategische Entwicklungsgebiete für Wertschöpfung» definieren.

«Gebiete wie Salina Raurica sollen nicht weiter mit Einkaufszentren und Logistikbetrieben zugebaut werden», präzisiert er. Er kritisiere nicht den Raumplanungs-Prozess, sondern fordere, dass darüber hinaus der Kanton definiere, welche Branchen mit hoher Wertschöpfung er auf den letzten «Filetstücken» ansiedeln will.

Investoren stehen vor der Tür

Hintergrund ist die desolate Finanzsituation des Kantons: «Im Baselbiet stammen nur 9Prozent der Steuern von Unternehmen, in Basel-Stadt sind es 30, im Schweizer Schnitt 20 Prozent.»

Deswegen müsse der Kanton vermehrt Life-Sciences-Firmen ansiedeln und unter anderem dafür sorgen, dass diese erschlossene, «investitionsbereite» Flächen vorfinden. «Mutet man Firmen einen langen Bewilligungs- und Erschliessungsprozess zu, ziehen sie einen anderen Standort vor.»

«Buser galoppiert durch offene Türen», meint Kolb dazu. «Die Bemühungen um die Ansiedlung neuer Betriebe sind in Gang. Gegenwärtig laufen Gespräche mit zwei bedeutenden Investoren, die grosse Flächen zwischen Salinenstrasse und Hardwasser belegen würden.»

Dazu gehöre eine vorläufig anonyme Firma, die bereits im letzten Sommer einen Bedarf von 60000Quadratmeter angemeldet hat. Deren Ansiedlung sei allerdings erst dann möglich, wenn das Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung aus der Zurlindengrube definitiv ins Ersatz-Biotop im Klingental in Muttenz umgesiedelt ist.

«Das Terrain ist bereitet, Amphibienkorridore und Schutzzäune gebaut, Laich und erwachsene Exemplare der Kreuzkröte, die hier heimisch werden soll, sind gezügelt worden. Nun ist es am Bundesamt für Umwelt, den Zeitpunkt für die Auffüllung der Zurlindengruben festzulegen», erklärt Kolb.

Erst wenn diese Bewilligung vorliege und die Zonenpläne an den Gemeindeversammlungen Augst und Pratteln beschlossen seien, könne man konkret mit Investoren verhandeln.

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