Baumfäll-Aktion

Jetzt spricht der Bauherr über den abgeholzten Hain in Arlesheim: «Mir tats am meisten weh»

«Man könnte das Grundstück auch verkaufen und erhielte dann die übliche Bauweise und Nutzung»: Lorenz Kober auf seinem Land. Der Stall soll zwar leicht versetzt werden, aber stehen bleiben.

«Man könnte das Grundstück auch verkaufen und erhielte dann die übliche Bauweise und Nutzung»: Lorenz Kober auf seinem Land. Der Stall soll zwar leicht versetzt werden, aber stehen bleiben.

Lorenz Kober liess auf seinem Grundstück Obstbäume fällen, weil sie Neubauten im Weg standen. Und plötzlich ist der Arzt das, was er nie sein wollte: Der bekannteste Bauherr Arlesheims.

«Mir, der hier aufgewachsen ist, tat es am meisten weh, die Bäume fällen zu lassen. Das dürfen Sie mir glauben.» Lorenz Kober hat die bz auf sein Grundstück am Hollenberg in Arlesheim eingeladen. Es riecht nach nasser Erde. Im Norden, auf der anderen Talseite, thront die Burg Birseck. Im Südwesten das Goetheanum. Zwei Häuser plant der 66-Jährige auf seinem Grundstück am Finkelerweg. Doch ein Obsthain stand im Weg.

Der Arlesheimer weiss, wie lange Einsprachen ein Bauprojekt verzögern können – wohl genau deswegen liess er die Bäume Anfang Oktober kurzerhand fällen. Seither ist er für Umweltschützer, von denen es in Arlesheim nicht gerade wenig gibt, ein rotes Tuch. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, hiess es, habe er die Bäume verschwinden lassen. Doch er sagt, er sorge für Ersatz. Zudem sei der Beauftragte ganz normal fällen gegangen. Also am helllichten Tag.

15 der total 27 Obstbäume auf dem Areal müssen laut dem Bauherrn weg. 11 sind mittlerweile entfernt

«Viele Bäume waren alt, mit einem grossen Anteil an Totholz», sagt der Bauherr. «Aber klar, auch die haben einen gewissen ökologischen Wert.» Nur 150 Meter vom Finkelerweg entfernt will auch jemand bauen: Die Steiner AG. Ihr Projekt La Colline hat es zu einiger Bekanntheit gebracht. Vis-à-vis des Goetheanums sollen neun Gebäude entstehen. Ein Feuchtgebiet werde zerstört, warnt die Initiative Kultur- und Naturraum Dornach-Arlesheim, in Arlesheim meist nur «Initiative» genannt. Sie erreichte, dass das Bundesgericht einen superprovisorischen Baustopp verhängte.

Er ist zwar wieder aufgehoben. Sicher sein, dass die Objekte wie vorgesehen in zwei Jahren bezugsbereit sind, kann sich die Investorin jedoch nicht – trotz gültiger Baubewilligung. Das fuhr ein in Arlesheim.

«Wir planen möglichst erschwingliche Mieten»

La Colline ist ganz nah. Wären keine Bäume dazwischen, könnte man vom Finkelerweg, wo Lorenz Kober bauen will, den La-Colline-Wohneigentümern in Zukunft beim Frühstücken auf der Terrasse zusehen.

Was am Finkelerweg geplant wird, ist jedoch ein paar Schuhnummern kleiner. Zwei Riegel, quer zum Hang, der untere mit 16 Mietwohnungen, der obere mit 7. Weil das nicht der Regelbauweise entspricht, braucht es jedoch einen Quartierplan. Und der muss vor die Gemeindeversammlung.

Zwar plant Lorenz Kober einen neuen Hain, mit 16 Bäumen, darunter wieder einige Hochstämmer. Für die «Initiative», aber auch für die lokalen Grünen der «Frischluft» und Vertreter der Naturschutzkommission der Gemeinde, ist das jedoch lediglich Kosmetik.

Seine Mutter sei eine Naturschützerin der ersten Stunde

Lorenz Kober geht ein paar Schritte weiter, zum Haus, in dem seine Mutter wohnte, bevor sie ins Pflegeheim zog. Seine Mutter sei eine Naturschützerin der ersten Stunde, habe viel gespendet, sagt der jetzige Eigentümer. Seine Familie habe jahrzehntelang den Hain mehr oder weniger sich selbst überlassen.

Sukzessive seien die Grundstücke rundherum zugebaut worden, mit Gärten, von denen wenige «wirklich naturnah gestaltet» seien. «Nie wurde dazu Protest erhoben», sagt der Arzt. «Aber jetzt, wo meine Familie auch ihr Recht auf Bebauung geltend machen will, und das auf eine ausgesprochen sorgfältige Art und Weise, macht sich Empörung breit. Das ist schade.»

Am Finkelerweg zeigt sich das Dilemma der engen Schweiz. Die Sehnsucht nach dem Häuschen im Grünen ist ungebremst. Die Mehrheit der Bevölkerung will jedoch den Landfrass stoppen. Verdichtung nach Innen lautet das Schlagwort – doch wenn Lücken aufgefüllt werden sollen, stellen sich viele quer. Nicht selten Zuzüger.

Verbot, Bäume zu fällen, käme Bauverbot gleich

Arlesheim steht exemplarisch für den Konflikt, nicht nur wegen La Colline. Man will ein grünes Dorf bleiben. Erst im November lehnte die Gemeindeversammlung den Quartierplan Schneckenbündten II ab, zum zweiten Mal. Anwohnern sind die Gebäude zu wuchtig.

Am Finkelerweg sind zwar die Bäume weg. Doch der Konflikt ist nicht entschärft. Lorenz Kober sagt, es sei immer klar gewesen, dass nicht alle Bäume stehen bleiben können. Das wäre einem Bauverbot gleich gekommen. Aber: «Man könnte das Grundstück auch verkaufen und erhielte dann die übliche Bauweise und Nutzung.»

Dass das passiert, will wohl niemand. Weder Lorenz Kober, noch die Gemeinde. Und die Naturschützer schon gar nicht.

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