Die Prattler Chemiefirma Rohner AG ist am Ende, das Konkursverfahren läuft. Ende Juni hat das Konkursamt Baselland die Geschäftsführung übernommen. Laut Auskunft der Bau- und Umweltschutzdirektion arbeiten noch zirka 25 Angestellte auf dem Gelände an der Gempenstrasse. Sie garantieren mit Rundgängen die Sicherheit, leisten Reparaturarbeiten und sind mit Aufräumen und Entsorgen beschäftigt. Entmachtet ist der umstrittene CEO Daniel Pedrett.

Was aber weiter beschäftigt, sind zwei Verfahren der Baselbieter Staatsanwaltschaft (Stawa). Jenes zur Verschmutzung des Prattler Grundwassers wird «sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen», teilt Stawa-Sprecher Thomas Lyssy auf Anfrage der bz mit. Anders Verfahren Nummer zwei: Die Untersuchung der Explosion eines Abwasserbehälters der Rohner AG Mitte Februar 2016 konnte endlich abgeschlossen werden. Das Verdikt ist eindeutig: «Schuld an der Explosion war die Rohner AG», sagt Lyssy. Die Stawa verurteilte das Unternehmen mittels Strafbefehl zu einer Busse von 30'000 Franken. Dazu muss Rohner die Verfahrenskosten von 19'000 Franken tragen. Der Strafbefehl ist rechtskräftig.

Kein Einzelner ist schuld, sondern die ganze Firma

Es fällt auf: Die Stawa konnte keine Einzelpersonen eines Fehlverhaltens überführen. «Es waren Organisationsmängel, das Zusammenwirken von verschiedenen Unzulänglichkeiten in unterschiedlichen Verantwortungsgebieten», sagt Lyssy. Die Firma habe ihre internen Prozesse nicht so organisieren können, wie es nötig gewesen wäre, um die Explosion zu verhindern.

Das scheint symptomatisch für Rohner, lassen doch auch die mutmassliche Grundwasserverschmutzung, die Probleme der Betriebsfeuerwehr oder die jahrelangen Liquiditätsengpässe auf grundsätzliche organisatorische Probleme schliessen. Dass die Stawa nämlich keine Einzelpersonen eruieren konnte, sei für solche Chemieereignisse nicht die Regel. Lyssy erinnert an Verfahren gegen die Prattler Cabb AG, an deren Ende Einzelpersonen belangt wurden.

Ob tiefe oder hohe Busse: Rohner kann nicht zahlen

Dass die Schuldfrage der Explosion nun geklärt ist, freut auch Beat Stingelin. Der heutige Pensionär erlebte den Chemie-Unfall vor drei Jahren als Gemeindepräsident. «Ich hatte wirklich Angst um die Prattler Bevölkerung», sagt er zur bz. Mit zwei verletzten Mitarbeitern und einem verletzten Feuerwehrmann sei das Ganze zwar glimpflich ausgegangen, doch die Wucht der Explosion sei enorm gewesen. Ganze Fassadenteile des Rohner-Betriebsgebäudes wurden 30 Meter durch die Luft auf die angrenzende Strasse geschleudert, dazu kam eine starke Rauchentwicklung. «Es war direkt vor der Kinderfasnacht, da bekam ich schon ein mulmiges Gefühl», sagt Stingelin.

Schon damals drohte er damit, der Rohner AG das Wasser abzustellen, dachte gleichzeitig aber auch an die über 200 Arbeitsplätze. Heute sagt er: «Hätte ich es durchgezogen, wäre jetzt wohl unser Grundwasser nicht verschmutzt.» Die Busse hält Stingelin für «fast schon frech wenig». Allerdings: Die 49'000 Franken wurden von der Stawa direkt dem Konkursamt angemeldet – und stauen sich dort mit unzähligen anderen Forderungen an. Stingelin: «Am Ende zahlt das sowieso alles der Steuerzahler.»