Kantonsspital Baselland

Jürg Aebi: «Wir können nicht mehr überall dasselbe anbieten»

«Werden auch auf dem Bruderholz das gewohnte Angebot bieten»: Spital-CEO Jürg Aebi gibt sich im Interview demonstrativ zuversichtlich.

«Werden auch auf dem Bruderholz das gewohnte Angebot bieten»: Spital-CEO Jürg Aebi gibt sich im Interview demonstrativ zuversichtlich.

Der CEO des Kantonsspitals Baselland Jürg Aebi erklärt, weshalb für die drei Spital-Standorte Liestal, Bruderholz und Laufen ein Strategiewechsel nötig ist.

Herr Aebi, die Neuausrichtung des Kantonsspitals Baselland (KSBL) ist eine Sparübung. Die Wirtschaftlichkeit müsse verbessert werden, fordert der Verwaltungsrat. Sinken die Patientenzahlen?

Jürg Aebi: Nein. Die Patientenzahlen entwickeln sich positiv. Wir werden im ablaufenden 2015 bei den stationären Eintritten gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme von rund zwei Prozent sehen, im ambulanten Bereich wird die Zunahme bei rund 3 Prozent liegen. Seit dem September 2014, der nach den Abgängen von Ärzten in der Orthopädie und Chirurgie sowie der Neubesetzung des Verwaltungsrates einen Wendepunkt markiert, haben die Patientenzahlen stets zugenommen. Wir nähern uns langsam wieder den Verhältnissen vor dem schwierigen Umbruch im 2014 an.

Wo liegt dann das Problem?

Die Patientenzahlen nehmen nicht so stark zu, dass wir mit dem dadurch erwirtschafteten Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) die notwendigen Investitionen realisieren könnten. Wir stehen bei einem Ebitda von rund sechs Prozent, nötig wäre aber einer von mindestens 10 Prozent. Zudem ist der Kostenblock für Personal sowie für die Vorhalteleistungen zu hoch – Notfall, Dienstabdeckungen, Intensivpflegestation, OP –, also Angebote, die wir an 365 Tagen im Jahr während 24 Stunden an allen drei Standorten erbringen. Wir können in Zukunft nicht mehr an sämtlichen Standorten plus minus dasselbe medizinische Angebot bereithalten.

Diese Probleme sind längst bekannt. Das neue Krankenversicherungsgesetz ist seit 2012 in Kraft. Weshalb nimmt man die Neuausrichtung erst jetzt vor?

Der «alte» Verwaltungsrat sowie mein Vorgänger-CEO (Heinz Schneider; Anm. d. Red.) wollten diese Reform bereits 2013 einleiten. Sie sind damals sehr ambitiös und forsch vorgegangen, dadurch allerdings auf scharfe Gegenwehr an den drei Spital-Standorten gestossen. Das hat zur Entlassung des CEO und zum Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten geführt. Der damalige Verwaltungsrat verfolgte eine Wachstumsstrategie. Dazu passten solche Reformen nicht, wie sie nun eingeleitet werden. Der neue Verwaltungsrat, der unter Werner Widmer im Spätsommer 2014 seine Arbeit aufgenommen hat, stellte bald fest, dass sich die Ziele mit der bestehenden Strategie nicht erreichen lassen. Deshalb hat man nun einen eigentlichen Paradigmenwechsel vorgenommen.

Damit verbunden ist die Abkehr von den Standort-Königreichen. Bis anhin hatte jedes Spital einen eigenen Chefarzt für jede angebotene Disziplin.

Genau. Die vier Bereiche Medizin, Chirurgie, Orthopädie und Notfall sollen künftig ebenfalls von je einem einzigen Chefarzt geleitet werden, der standortübergreifend verantwortlich ist. In der Orthopädie, in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, in der Urologie und in der Frauenklinik haben wir das in den letzten zwei Jahren realisiert.

Inwiefern sind die jüngsten kommunizierten Abgänge Folge der geplanten Spitalgruppe mit dem Universitätsspital Basel (USB) und der damit verbundenen Umbaupläne fürs Bruderholz?

Der kürzlich kommunizierte Abgang von Medizin-Chefarzt Jonas Rutishauser erfolgte aus einer gewissen Unsicherheit – aus seiner Sicht heraus –, was die Zukunft des Bruderholzspitals und das Projekt einer gemeinsamen Spitalgruppe mit dem USB angeht. Grundsätzlich sind diese Ängste aber unbegründet. Das KSBL steht zu seiner Verantwortung als Arbeitgeber, das Spital kann aber keine Garantien abgeben, welche Funktion unsere Mitarbeitenden in fünf Jahren erfüllen und an welchem Standort sie diese Funktion erbringen werden.

Dass wir auch in Zukunft, etwa unter dem Konstrukt einer Spitalgruppe beider Basel, alle Mitarbeitenden an den drei Standorten weiterhin benötigen, versteht sich von selber. Ich verweise auf den Fachkräftemangel in den ärztlichen und pflegerischen Berufen oder die unsichere Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Allfällig trotzdem notwendige Korrekturen im Personalbereich wollen wir innerhalb der ordentlichen Fluktuation im KSBL lösen.

Branchenkenner bezweifeln, dass das Bruderholz bis zur Realisierung der Spitalgruppe funktionsfähig bleibt.

Da widerspreche ich. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch in den kommenden fünf Jahren am Standort Bruderholz das gewohnte Angebot bieten werden. In gewisser Weise erfährt das Bruderholz gar eine Stärkung: In der Orthopädie werden wir ab 2016 im Bruderholz die ambulante, stationäre elektive Orthopädie konzentrieren und ein Kompetenzzentrum für den Bewegungsapparat aufbauen. Zusätzlich werden wir das Zentrum für Altersmedizin inklusive Rehabilitation ausbauen.

Liestal wird künftig der A-Standort des KSBL sein.

Die komplexen Fälle mit intensivmedizinischer Betreuung wollen wir in den nächsten Jahren am Standort Liestal konzentrieren. Das stimmt. In Liestal soll zudem die stationäre Akutmedizin, eine erweiterte Grundversorgung angeboten und das Zentrum für Forschung sowie für Aus- und Weiterbildung konzentriert werden. Es geht aber nicht darum, wer A- oder B-Standort ist, sondern darum, dass sich die beiden grossen Standorte des KSBL nicht weiter konkurrenzieren, sondern ergänzen und vernetzen.

Wie sieht es für den kleinsten KSBL-Standort Laufen aus?

Wir können in Laufen das heutige Angebot nicht aufrechterhalten. Dafür ist das Einzugsgebiet des Spitals schlicht zu klein. Wir werden in den nächsten Jahren in Laufen weiterhin chirurgische und orthopädische Eingriffe durchführen. Komplexe Fälle sollen aber ins Bruderholz und nach Liestal. Wir ermöglichen in den nächsten Jahren sowohl in Laufen als auch auf dem Bruderholz den Eintritt in die Notfallstation. Die Veränderungen gegenüber dem heutigen Angebot sind notwendig, um den Herausforderungen im Markt zu begegnen.

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