Befragung

Junge Lehrkräfte fühlen sich von der Hochschule schlecht ausgebildet

Studierende kritisieren Unterrichtsmethoden und Organisation der pädagogischen Hochschulen. (Muttenz, 17.9.2018)

Studierende kritisieren Unterrichtsmethoden und Organisation der pädagogischen Hochschulen. (Muttenz, 17.9.2018)

Eine Befragung der Studierenden an der pädagogischen Hochschule bringt harsche Kritik zutage.

Die pädagogische Hochschule (PH) soll künftigen Lehrkräften den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.  Dieser Aufgabe kommt die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), der die PH angegliedert ist, jedoch nur bedingt nach. Zumindest, wenn es nach 91 Studierenden des Studiengangs Sekundarstufe II geht, die unlängst an einer Befragung ihrer Hochschule teilnahmen.

Nebst einigen Komplimenten – etwa für die Praktika, die Infrastruktur am Campus in Muttenz oder die Kompetenz der Dozierenden – äussert die Studentenschaft harsche Kritik an der PH. Ihr Fazit: Durch ihr Studium fühlen sie sich nicht ausreichend befähigt, die Herausforderungen des Lehrerberufs souverän zu bewältigen. Eine schallende Ohrfeige für ihre Ausbildungsstätte.

Zu wenig Praxis und keine klare Kommunikation

In einem Schreiben, das der bz vorliegt, nimmt Institutsleiter Guido McCombie gegenüber der Studentenschaft Stellung. Er räumt ein, dass die Umfrageergebnisse für die PH nicht zufriedenstellend sind. Im Detail bemängeln die Studierenden etwa, dass die Organisation des Studiums zu wenig klar geregelt sei. Bei Fragen fühlten sie sich im Stich gelassen – weil nicht deutlich genug kommuniziert werde.

Weiter sei die Studienstruktur nicht flexibel genug gestaltet – in einem vornehmlich berufsbegleitenden Umfeld ebenfalls keine Makulatur. Genauso wie der zuweilen fehlende Praxisbezug und die bemängelte Kohärenz im Studium. Letzteres meint, dass die einzelnen Lehrveranstaltungen in einer Evaluation im Vorjahr zwar positiv bewertet wurden, die Studierenden aber mit dem Gesamtbild ihrer Ausbildung heute dennoch nicht zufrieden seien, weil eine zielgerichtete Abstimmung der Lerninhalte mit ihrem Berufsalltag fehle.

«Viele von uns sehen das Studium mittlerweile nur noch als ein Absitzen. Die Inhalte werden viel zu theoretisch vermittelt, eine konkrete Abstimmung auf den späteren Berufsalltag fehlt manchmal komplett. Dass das für uns enorm unbefriedigend ist, zeigt die Umfrage deutlich», erklärt ein PH-Student der anonym bleiben möchte. Auf Anfrage betont die PH, dass sie die Anliegen ernst nehme und an einer Lösung arbeite: «Zentral erscheint uns, dass die Studierenden die Inhalte ihres Studiums in sich stimmig und kohärent erleben. Bei der Komplexität des Studiums mit vielen Wahlmöglichkeiten ist dies eine Herausforderung. Wir sind dabei, neue Formate zu entwickeln, die die Kohärenz des Studiums verstärken sollen.»

Schon 2018 wurde Kritik der Studierenden laut

Die interne Kritik an den PHs in Brugg-Windisch und Muttenz ist indes nicht neu. Schon 2018 fielen sie in einer Befragung rasselnd durch. Lediglich die Schulnote 3,2 gaben ihr die Studierenden. Diese Missstimmung an der PH hält schon seit Jahren an, wie aus Studierendenkreisen zu vernehmen ist.

Im Schreiben an die Studierenden skizziert McCombie Lösungsvorschläge. So wurden in einem ersten Schritt drei Projektgruppen ins Leben gerufen, die sich mit Studierbarkeit, Kommunikation sowie Kohärenz auseinandersetzen sollen.

Die PH liefert erste Lösungsansätze

Die Gruppen bestehen aus Institutsleitung, Professurleitenden der unterschiedlichen Fachbereiche, Dozierenden sowie Stabsmitarbeitenden und haben erste Outputs geliefert. So wurden Erklärvideos zur Studienplanung gedreht, der Webauftritt überarbeitet und ein E-Portfolio vorbereitet, anhand dessen die Verbindung zwischen Lehrveranstaltungen und Studienbereichen klarer werden soll. Studierende sollen erst später einbezogen werden, obwohl man mit ihnen in einen intensiveren Austausch treten möchte, wie die Institutsleitung in ihrem Brief schreibt.

Ähnlich klang es schon 2018, als man sich denselben Problemen und derselben Unzufriedenheit gegenübersah. Gemäss der PH befinde man sich langfristig aber auf dem richtigen Weg: «Wichtige Schritte sind bereits realisiert. Aber Strukturveränderungen und neue Angebote brauchen eine Vorlaufzeit, insbesondere, wenn sie unter Mitwirkung der Dozierenden und der Studierenden geplant werden.» Roger von Wartburg, Präsident des Lehrerverbands Baselland, ist mit der Problematik rund um die PH vertraut.

Er erkennt «zumindest Anlass zur Beunruhigung», und präsentiert einen Lösungsansatz: «Wir machen uns dafür stark, dass wieder mehr Lehrpersonen mit langer Praxiserfahrung Laufbahnentwicklungen zu Dozierenden machen können. Der Kern der Kritik, der uns erreicht, bezieht sich oft auf fehlende Verknüpfungen von Theorie und Praxis. Wer sollte das besser leisten können als Lehrerinnen und Lehrer mit entsprechender Zusatzausbildung?»

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