Forschungspreis

Junger Hölsteiner forscht nach Erdölersatz

Timon Bussinger mit vertrauten Gegenständen: Rechts das Refraktometer, in der Hand die Pipette.Juri Junkov

Timon Bussinger mit vertrauten Gegenständen: Rechts das Refraktometer, in der Hand die Pipette.Juri Junkov

Timon Bussinger gewinnt den Life-Sciences-Preis für seine Bachelor-Arbeit zu alternativen Rohstoffe. Der Hölsteiner Student an der Fachhochschule Nordwestschweiz.überzeugte mit seiner Bachelor-Arbeit.

Timon Bussinger streift sich Labormantel und Schutzbrille über, bevor er das Labor im Keller der Hochschule für Life-Sciences betritt. Im fensterlosen Raum der Fachhochschule Nordwestschweiz stehen unzählige kompliziert aussehende Messapparaturen. Eine gelbliche Flüssigkeit fliesst durch Röhren und tropft schliesslich in ein Glasgefäss; überall surren verschiedene chemische Gerätschaften vor sich hin.

Inmitten des ganzen Treibens zeigt der Student einen unscheinbaren silbernen Metallkolben. Dieser ist das Kernstück seiner preisgekrönten Bachelor-Arbeit. Was im Inneren des verschweissten Messgeräts vorgeht, ist nicht sichtbar. Auch wenn der Student das Instrument nicht selbst entwickelt hat, kennt er es genau: «Ich habe das Gerät auf Herz und Nieren getestet.» Als Abschlussarbeit hat er im Auftrag eines Berliner Unternehmens für Messtechnik das Refraktometer, so heisst das Ding, für verschiedene Anwendungen geprüft.

«Ein ganz normaler Mensch»

Während dreier Monate war Bussinger von acht bis 18 Uhr im Labor, hat Eigenschaften von verschiedenen Flüssigkeiten gemessen, die Resultate mit anderen Analyse-Methoden kontrolliert und Daten ausgewertet. Trotzdem wirkt der 26-Jährige nicht so, als würde er komplett in der Chemie-Welt leben.

Der Hemdkragen unter dem Labormantel ist locker geöffnet und Bussinger behauptet von sich selbst: «Ich brauche meine Freizeit, damit ich mich ablenken und wieder Kraft für die Arbeit sammeln kann.» Diese Entspannung sucht er im Sport oder im Ausgang mit Freunden. Er interessiert sich neben der Chemie für Unihockey, Fussball und gutes Essen. Sein Mentor, Professor Wolfgang Riedl, meint zu Vorurteilen gegenüber Chemie-Studenten, vor allem, wenn diese noch Preise gewinnen: «Er ist ein ganz normaler Mensch» – also kein Freak.

Timon Bussingers Erfolg ist hauptsächlich auf seinen Lernwillen zurückzuführen: Nach der Sekundarstufe begann er eine Lehre als Chemikant und arbeitete danach drei Jahre in diesem Beruf bei der Novartis. Als dem ehrgeizigen Hölsteiner die repetitive Labor-Arbeit jedoch zu überschaubar wurde, holte er mit grosszügiger Unterstützung seiner Vorgesetzten die Berufsmatur nach.

Im anschliessenden Studium der Life-Sciences an der Fachhochschule in Muttenz gefällt ihm vor allem das Verhältnis zwischen den praktischen und theoretischen Aspekten seiner Arbeit. Er beschreibt sich selbst zwar eher als «Handwerker und Pragmatiker», meint aber auch: «Mir ist aufgefallen, wie wichtig Bildung ist. Ich will auch verstehen, was passiert, wenn ich Versuche und Messungen durchführe».

Ambitionierte Zukunftspläne

Diese Freude an beiden Teilen seiner Arbeit führte zu einer starken Motivation: «Diese Leidenschaft ist in der Wissenschaft wichtiger als die Anzahl Stunden», findet der Student. Auch ist Bussinger dankbar für die Leistung der Fachhochschule: Sie hat ihm, während der drei Monate, die er für die Bachelor-Arbeit Zeit hatte, Labor und Ausrüstung zu Verfügung gestellt. Trotzdem kann Bussinger mit den 8000 Franken Preisgeld machen, was er will. Geplant ist ein Auslandssemester «am liebsten in Norwegen», wie der reiselustige Student sagt.

Doch vorerst beginnt er sein Master-Studium in Muttenz. Nebenbei tritt er eine 50-Prozent-Stelle bei Novartis an. Bussingers nähere Zukunft scheint also abgesichert zu sein.

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