Irgendwie roch es schon im Vorfeld nach einer Überraschung: Gestern Abend luden die Baselbieter Juso die beiden linken Kandidierenden für den frei werdenden Ständeratssitz zu einem Hearing ins Liestaler Regierungsgebäude ein. Ob sie ihre offizielle Unterstützung im Wahlkampf dem «eigenen» SP-Nationalrat Eric Nussbaumer (Liestal) oder der Grünen-Nationalrätin Maya Graf (Sissach) geben, wollte die Jungpartei erst nach einem je halbstündigen Kreuzverhör entscheiden.

Dass die progressiv-feministischen Jungpolitikerinnen und -politiker Grafs Frauenkandidatur den Vorzug geben könnten, liess sich vor diesem Termin zumindest nicht ausschliessen. Alleine die Tatsache, dass die Juso überhaupt so ein Hearing durchführten, sorgte bei manch einem gestandenen Baselbieter SP-Mitglied für Stirnrunzeln.

Und die Grüne freut sich

Nun, der Aufstand gegen die Männerkandidatur des Genossen Nussbaumer fand nur zur Hälfte statt. Nach längeren Beratungen beschlossen die Juso-Mitglieder die Stimmfreigabe. «Die fehlende Vertretung von Frauen in Machtpositionen ist ein kleiner, aber einflussreicher Baustein in einer patriarchalen Gesellschaft. Angesichts dieser Umstände einen männlichen Kandidaten zu unterstützen, ist für die Juso als feministische Bewegung kaum vertretbar», liess sich Präsidentin Anna Holm in einer Medienmitteilung zitieren. Andererseits wollten sich die Juso auch nicht vollständig hinter die ehemalige Nationalratspräsidentin stellen. Hierfür bestünden in gewissen ihrer politischen Ansichten zu grosse Differenzen.

Maya Graf nahm den Juso-Entscheid gleichwohl mit Genugtuung zur Kenntnis: «Ich hatte mich bereits über die Einladung gefreut. Nun freue ich mich auch über die Stimmfreigabe, weil ich sicher bei einem Teil der Juso das Vertrauen gewinnen konnte.»