Es war ein selbstbewusster Auftritt: Vor ziemlich genau einem Jahr forderten die beiden Co-Präsidenten der Baselbieter Jungsozialisten, Ronja Jansen und Nils Jocher, in der «Schweiz am Wochenende», dass die Baselbieter SP überhaupt nicht zu den Regierungsratswahlen 2019 antreten soll. In der Opposition könne man viel mehr erreichen als mit einer einzigen SP-Regierungsrätin in einem mehrheitlich bürgerlichen Fünfer-Gremium. Nun wurde Kathrin Schweizer fulminant in die Exekutive gewählt. Das hält Jansen und Jocher aber nicht davon ab, im Gespräch mit der bz neue Forderungen zu stellen.

Sind Sie enttäuscht, dass Kathrin Schweizer in die Baselbieter Regierung gewählt worden ist?

Nils Jocher: Ja, es ist gerade eine sehr schwierige Zeit für uns (lacht). Spass beiseite: Natürlich sind auch wir hoch erfreut über diesen Sieg, vor allem auch, dass die SP nun die stärkste Fraktion im Landrat stellt. Ausserdem haben wir nach dem Entscheid der SP-Delegiertenversammlung, mit Kathrin Schweizer anzutreten, sie auch unterstützt.

Der Juso blieb kaum eine andere Wahl, als der Empfehlung der Mutterpartei zu folgen. Aber stehen Sie nun vorbehaltlos hinter Schweizer?

Ronja Jansen: Wir können voll hinter Kathrin stehen. Aber unsere Bedenken bleiben. Wir hoffen sehr, dass es der Landratsfraktion der SP und der Öffentlichkeit bewusst ist, dass in Parlament und Regierung weiterhin eine rechte Mehrheit besteht. Mit einer linken Vertretung im Regierungsrat gibt es noch keinen kompletten Umschwung. Daher fordern wir, dass die Fraktion weiter konsequent einen Oppositionskurs fährt.

Jocher: Wir sind zwar stärkste Partei und haben mehr Möglichkeiten, Kompromisse mit der politischen Mitte auszuhandeln. Doch die Gefahr besteht, dass jetzt viele SP-Landräte das Gefühl haben, man müsse mit der rechten Seite mehr Deals eingehen, nur weil man wieder in der Regierung vertreten ist. Die SP könnte so in die Mitte rücken, obwohl der Wahlsieg klar auf der linken Oppositionsarbeit fusst. Das ist das grösste Risiko. Die Partei würde sich wieder in die Zeit vor 2015 zurückversetzen, wo sie deutlich weniger pointiert politisiert hat. Mit einer klaren Linkspolitik hingegen stehen die Chancen viel besser, in Zukunft weiter zuzulegen und dann vielleicht auch einen zweiten Regierungssitz zu erobern.

Aber die Kräfte haben sich durchaus verschoben, SVP und FDP erreichen zusammen bei weitem nicht mehr die Hälfte aller 90 Sitze.

Jocher: Natürlich wird es einfacher, für sehr moderate Anliegen Mehrheiten zu finden. Aber bei den meisten linken Kernthemen unterstützt die CVP-Fraktion die Rechten. Auch eine EVP ist teils schwammig unterwegs, und selbst die Grünen haben in der auslaufenden Legislatur bewiesen, dass sie manchmal mit Mitte-Rechts stimmen. Es ist kein linkes Parlament und deshalb muss die SP unbedingt am linken Kurs festhalten, der ihr Erfolg gebracht hat. Kathrin muss damit rechnen, dass sie von uns kritisiert werden wird. Wir schauen sicher genau hin und ziehen sie in die Verantwortung für das, was sie als Regierungsrätin macht.

Wenn noch so viel Arbeit auf die Juso zukommt, warum wollen Sie beide als Juso-Co-Präsidenten zurücktreten?

Jansen: Wir haben gemerkt, dass Zeit ist, neuen motivierten Kräften Platz zu machen.

Sie sind beide erst seit zwei Jahren im Amt und 24 respektive 22 Jahre jung.

Jansen: Bei uns Jusos ist die Halbwertszeit im Präsidium traditionell relativ kurz und die zwei Jahre waren intensiv. Wir studieren und arbeiten. Aber natürlich werden wir uns weiter politisch engagieren.

Jocher: Im Vorstand sitzen wir immerhin schon vier Jahre, was bei unserem Alter doch einen guten Teil unseres Lebens bedeutet. (lacht)

Jansen: Es braucht auch immer wieder neue Ideen. Ein Wechsel tut gut, damit die Partei nicht stagniert. Die Juso ist bisher gut gefahren mit dieser Strategie.

Aber fühlen Sie sich noch als Juso oder schon als SPler?

Jansen und Jocher: Auf jeden Fall Juso! (lachen)

Wer wird das Präsidium übernehmen?

Jansen: Die Wahl findet am 27. April statt. Es gibt Leute aus dem Vorstand, die Interesse haben, doch Namen nennen wir noch keine.

Arbeiten Sie denn noch am Juso-Wahlkampf für die nationalen Wahlen im Herbst mit?

Jocher: Sicherlich. Wir wollen den Linksrutsch weiterziehen. Beschlossen haben wir schon, dass wir mit zwei Juso-Listen antreten wollen, weil wir so viel engagierte Mitglieder haben. Eine fürs Unter- und eine fürs Oberbaselbiet. Diese 14 Namen stehen bereits fest. Ronja und ich sind auch dabei.

Was für einen Vorteil erhoffen Sie sich von zwei Listen?

Jansen: Wir wollen möglichst viele unserer aktiven Mitglieder in den Nationalratswahlkampf einbinden. So haben wir mehr Botschafterinnen und Botschafter, die unsere Themen zu den Leuten tragen.

Jocher: Letztlich hoffen wir, durch die grössere Nähe der Kandidaten zu den Leuten kumuliert mehr Juso-Stimmen zu holen als mit einer einzelnen Liste.

Beim Ständerat ist von einem Dreikampf zwischen Eric Nussbaumer (SP), Maya Graf (Grüne) und Daniela Schneeberger (FDP) auszugehen.

Jocher: Wichtig ist, dass es eine linke Kandidatur ist. Daniela Schneeberger können wir daher ausschliessen. Die anderen laden wir zu einem Hearing ein.

Müssten Sie nicht von Haus aus den SP-Kandidaten, also wohl Nussbaumer, unterstützen?

Jocher: Eric kennen wir natürlich am besten und er steht sicher deutlich auf der linken Seite. Zudem hat er unter anderem bei Umwelt- und Energiethemen grossen Einfluss in Bern.

Jansen: Man muss aber auch berücksichtigen, dass nur 15 Prozent des Ständerats Frauen sind. Und nur eine von ihnen tritt wieder an. Da müssen wir genau abwägen, was wir höher gewichten.

Was sagen Sie dazu, dass der 70-jährige Claude Janiak nicht mehr antritt?

Jocher: Er hat sicherlich gute Arbeit geleistet. Aber er war uns inhaltlich wie altersmässig nie besonders nahe. Von daher ist der Wechsel gut.