Ein entsetzter Bürger wollte deswegen sogar beim Polizeistützpunkt in Liestal eine Strafanzeige stellen. Wie stark die Fällung vertrauter Bäume die Menschen erregen kann, hat sich vergangene Woche noch an einem anderen Ort gezeigt: Am Basler Tellplatz musste die Stadtgärtnerei trotz Anwohnerprotesten in einer Notfällung einen todkranken Spitzahorn umlegen. Die Fällung weiterer Spitzahorne bleibt durch einen rechtskräftigen Rekurs blockiert.

Auch in Liestal soll es Einsprachen gegen die Rodungsarbeiten auf der Südseite des Bahnhofs gegeben haben. Davon ist der Stadtverwaltung jedoch nichts bekannt. In der Plangenehmigung des zuständigen Bundesamts für Verkehr vom 8. April 2019 sei «nichts Entsprechendes ersichtlich», stellt Liestals Stadtverwalter Benedikt Minzer auf Anfrage der bz fest.

Gar keine Einsprachen möglich

Beim Bundesamt wiederum betont Mediensprecher Michael Müller, es habe gar nie ein Rodungsgesuch gegeben, gegen welches Dritte hätten Einsprache erheben können. Rechtlich gesehen handelte es sich beim Grünstreifen nicht um einen Wald, sondern um ein «Gehölz», für dessen Abholzung es in Plangenehmigungsverfahren keiner Rodungsbewilligung bedürfe. So ist denn die Rodung in der Woche vor Pfingsten plangemäss durchgeführt worden. Der erregte Bürger musste auf dem Polizeiposten erfahren, dass es keine rechtliche Handhabe für eine Strafanzeige gab, wie der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler erläutert. Folglich habe er auch keine stellen können.

Überraschend kommen die Arbeiten jedenfalls nicht. Die bz hatte bereits im Oktober 2017 die Fällung der Bäume angekündigt. Die SBB orientierten die Anwohnerschaft während des Planauflageverfahrens an mehreren Terminen und mit eigens dafür abgestellten Mitarbeitenden über das Ausmass des Projekts.

Dieses ist gewaltig. Um Platz für die vierte Bahnspur zu schaffen, muss die Oristalstrasse um rund zehn Meter weg vom Bahnhof in den Hang hinein verschoben werden. Was bedeutet, dass dieser im unteren Bereich abgegraben und mit einer bis zu neun Meter hohen Stützmauer gesichert werden muss.

Nächste Etappe schon gestartet

Bereits heute Dienstag nach Pfingsten startet eine zweite Etappe der Vorarbeiten. Wie aus der SBB-Homepage hervorgeht, wird nicht nur mit dem Abbruch der Gleisanlagen und SBB-eigenen Gebäude an verschiedenen Orten an der Oristalstrasse, an der Gartenstrasse/Schwieriweg und auf dem Güterareal begonnen, sondern auch mit der Verlegung neuer Werkleitungen, was zu Verkehrsbehinderungen an der Oristalstrasse führt.
Zudem erfolgen in Nachtarbeit, wie die SBB betonen, Anpassungen an den Bahnsignalen und der Fahrleitung östlich des Bahnhofs Liestal und auf dem Streckenabschnitt vor dem Ikea-Lager in Itingen.