Gemeinderat Muttenz

Kampf dem Abfall-Plastik: So will Muttenz an den Kunststoff der Einwohner kommen

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Der Muttenzer Gemeinderat schlägt der Gemeindeversammlung eine Kunststoffsammlung vor. Er selber ist aber von seiner eigenen Idee nicht ganz überzeugt.

Gelbe Säcke auf dem Trottoir könnten in Muttenz bald zum gewohnten Strassenbild gehören. Am kommenden Donnerstag schlägt der Gemeinderat schlägt der Gemeindeversammlung vor, eine separate Kunststoffsammlung einzuführen – allerdings nicht freiwillig. Im Frühling sträubte er sich dagegen, als die Grünen einen Vorstoss einreichten, nach dem Vorbild von Allschwil Kunststoff aus Haushalten zu sammeln. Doch eine grosse Mehrheit im Saal sah das anders.

Und so präsentiert der Gemeinderat jetzt eine Vorlage, die ausdrücklich an das Allschwiler Vorbild angelehnt ist: Der Kunststoff soll von den gleichen Firmen abgeholt (Lottner) und regional verwertet (Vogt Plastic) werden.

Was sich aber massiv unterscheidet, sind die Preise: Der Muttenzer 35-Liter-Kehrichtsack kostet derzeit 1.80 Franken und hätte sowieso bis ungefähr 2027 auf rund 2.30 Franken steigen sollen, damit die Abfallkasse ausgeglichen bleibt. Mit der Einführung der Kunststoffsammlung soll der Sack gemäss den Prognosen des Gemeinderats noch teurer werden, um zusätzliche 20 bis 30 Rappen. Denn damit würde die Kunststoffsammlung quersubventioniert, ähnlich wie bereits die Grünabfuhr und die Metall- und Glassammlung.
Der 35-Liter-Sack für Kunststoff hingegen soll konstant auf 1.20 Franken bleiben – was aber fast doppelt so teuer ist wie in Allschwil. Dort zahlt man dafür nur 72 Rappen. Der Allschwiler Sack für Hauskehricht ist auch nach Einführung der Kunststoffsammlung günstig: Für 35 Liter bezahlt man 1.70 Franken.

Ökologisch verantwortbare Transportwege

Diese Preisunterschiede rechtfertigt der Muttenzer Gemeinderat mit der schlechten Richtofferte, die man von Lottner erhalten habe. Die Schwankungen seien erklärbar «durch Unterschiede bei den Transportdistanzen, durch die Grösse und Struktur des Siedlungsgebietes einer Gemeinde sowie durch die erwarteten Sammelmengen». Gemeinderätin Doris Rutishauser (FDP) ergänzt, man habe die Bedingung gestellt, dass nachvollziehbar sein müsse, wohin der Kunststoff gehe. Zudem wolle man die Transporte in einem ökologisch sinnvollen Rahmen belassen. «Damit waren die Möglichkeiten sehr beschränkt, woanders Offerten einzuholen.»

Grünen-Landrat Peter Hartmann hat das Plastiksammelprojekt mit angestossen. Er kann nicht nachvollziehen, wie der Gemeinderat auf 1.20 Franken pro Sack für Kunststoff kommt. «Er hat zu konservativ gerechnet», ist er überzeugt – etwa, was den Ertragausfall bei den Kehrichtsäcken anbelange. Hartmann kritisiert, dass der Gemeinderat im FAQ-Dokument, das den Gemeindeversammlungsunterlagen beiliegt, den Umweltnutzen von Plastiksammlungen anzweifelt. «Diese Grundsatzdiskussion hat die Gemeindeversammlung bereits geführt und sie hat dem Gemeinderat den Auftrag erteilt, eine Vorlage auszuarbeiten.»

Pilotphase ist als Kompromiss zu verstehen

Tatsächlich macht der Gemeinderat in besagtem Dokument deutlich, dass er eigentlich nicht viel von Kunststoffsammlungen hält. Er betont, dass meist über die Hälfte des gesammelten Kunststoffs über Umwege in der Kehrichtverbrennung lande. Das deckt sich mit der Haltung von Bund, Kanton und Gemeindeverbund Birsstadt (zu dem Muttenz gehört). Alle drei raten von Plastiksammlungen ab. Rutishauser formuliert die Haltung des Gemeinderates so: «Nutzen und Kosten stehen nicht in einem optimalen Verhältnis.»

Dennoch empfiehlt der Gemeinderat die Vorlage der «Gmeini» zur Annahme. «Dass wir erst eine zweijährige Pilotphase vorschlagen, ist als Kompromiss zu verstehen», sagt Rutishauser. «In zwei Jahren sieht es vielleicht anders aus.» Sie kann sich jedenfalls gut vorstellen, dass dann die hohen Sackpreise für die Kunststoffsammlung wie auch für den Hauskehricht neu festzulegen sind oder anders beurteilt werden. Hartmann befürchtet sogar, dass die hohen Preise das Projekt schon an diesem Donnerstag zu Fall bringen.

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